Nahost

Gallant: »Krieg ist ziellos«

Der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant Foto: Flash90

In einem Brief nennt Verteidigungsminister Yoav Gallant die Kriegsführung Israels »ziellos«. Das berichtete der Nachrichtenkanal Channel 13 am Sonntag. Der Strategie mangele es an »einer klaren Richtung, und sie braucht aktualisierte Ziele«, warne er in dem Schreiben an Premierminister Benjamin Netanjahu und andere.

Gallant argumentiert, dass Israel nach einem »veralteten Kompass« kämpfe und die Koalition ihre offiziellen Kriegsziele, die ursprünglich nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 festgelegt wurden, überdenken müsse. »Bedeutende Entwicklungen im Krieg, insbesondere der direkte Schlagabtausch zwischen Israel und dem Iran, erfordern eine Diskussion und Aktualisierung der Kriegsziele mit einem umfassenden Blick auf die Kampfgebiete und die Verbindungen zwischen ihnen«, schreibt Gallant.

»Die derzeitige Situation, in der wir ohne gültigen Kompass und ohne aktualisierte Kriegsziele operieren, schadet der Führung des Feldzugs und den Entscheidungen des Kabinetts«, so der Minister weiter.

Netanjahu versprach angeblich, Gallant zu entlassen

Der Brief sei nur wenige Stunden vor dem israelischen Luftangriff auf den Iran an Netanjahu und das Sicherheitskabinett gesandt worden, so Channel 13. Die Nachricht von dem Brief traf mit einem Bericht zusammen, dass Netanjahu politischen Verbündeten angeblich versprochen habe, er würde Gallant entlassen, sobald Israel den Iran angreift.

Der Angriff geschah am Freitag. Dabei seien gezielte Luft- und Drohnenangriffe durchgeführt worden, um Luftabwehrsysteme anzugreifen, die Öl- und Gasanlagen des Iran schützen, sowie Militärstandorte, hieß es in israelischen Medienberichten.  

In seinem Brief schlug Gallant neue Kriegsziele für die vier Arenen vor, in denen Israel derzeit militärisch operiert: Gaza, das palästinensische Westjordanland, Libanon und Iran.

»Bedeutende Entwicklungen im Krieg erfordern eine Diskussion und Aktualisierung der Kriegsziele mit einem umfassenden Blick auf die Kampfgebiete.«

In Bezug auf den Krieg gegen die Hamas in Gaza müsse man eine »nicht bedrohliche Umgebung schaffen, den Anstieg des Terrorismus stoppen, die Rückkehr aller Geiseln sicherstellen und ein ziviles Regierungsmodell fördern, um die Hamas zu ersetzen«, so der Verteidigungsminister. Im Westjordanland, meinte er, soll man die potenzielle Gewalt durch Anti-Terror-Operationen unterdrücken.

An der nördlichen Front müsse man bei der kriegerischen Auseinandersetzung mit der Hisbollah im Libanon die Sicherheitsbedingungen verbessern, um die Rückkehr der Bewohner des Nordens zu ermöglichen. Gallant meinte auch, dass Israel die Abschreckung aufrechterhalten müsse, um den Iran von einer Eskalation des Konflikts abzuhalten.

Der Brief wurde auch an den Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, Ronen Bar, den Mossad-Chef David Barnea, IDF-Stabschef Herzl Halevi und verschiedene Kabinettsminister geschickt.

Das Büro des Premierministers äußerte sich nach dem Bericht in Channel 13 mit den Worten: »Minister Gallants Brief ist ziemlich rätselhaft. Es gibt einen Kompass, nämlich die Kriegsziele, wie sie vom Sicherheitskabinett festgelegt werden. Diese Ziele werden ständig evaluiert und wurden erst kürzlich ausgeweitet.«

Opferzahlen auf israelischer Seite an Fronten steigen

Die Regierung in Jerusalem stellt die Reihe der jüngsten militärischen Erfolge im Gazastreifen, im Iran und im Libanon als Beweis dafür dar, dass ihre Strategie richtig ist und der Krieg an allen Fronten fortgesetzt werden müsse.

Gleichzeitig jedoch steigen die Opferzahlen auf israelischer Seite an den zwei Fronten Gaza und Libanon. Im Oktober wurden seit Jahresbeginn die meisten Soldaten bei den Auseinandersetzungen mit der Hamas und der Hisbollah getötet.

Am Sonntag erklärte die IDF, dass am Samstagnachmittag fünf Reservisten bei Kämpfen im Südlibanon gefallen seien. Weitere 14 wurden verwundet, fünf von ihnen schwer. An den beiden vorangegangenen Tagen starben insgesamt zehn Reservisten bei zwei weiteren Vorfällen während der Kämpfe gegen die Terrororganisation Hisbollah im Süden des Levantestaates.

Seit der Bodenoffensive im Gazastreifen, die am 27. Oktober 2023 begonnen hatte, sind nach offiziellen Angaben des israelischen Militärs 360 Soldaten im Kampf getötet worden (Stand 27.10.24). Seit dem 7. Oktober 2023, als die Hamas ein verheerendes Massaker in südlichen israelischen Gemeinden verübte, starben laut IDF insgesamt 771 Soldatinnen und Soldaten.

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