Nahost

Finanziert Katar den Wiederaufbau in Gaza?

Palästinenser suchen in zerstörten Gebäuden nach Brauchbarem. Foto: Flash90

Wie die israelische Tageszeitung »Yediot Ahronot« am Donnerstag berichtete, hat Israel vorläufig zugestimmt, es Katar und anderen Ländern zu gestatten, während eines Waffenstillstands in Gaza Ressourcen und Gelder für den Wiederaufbau der Palästinenserenklave bereitzustellen.  

Dem Bericht zufolge hat die Hamas diese Forderung gestellt. Israel habe grundsätzlich zugestimmt. Die Terrororganisation beharre als Garantie für Israels ernsthafte Absicht, den Krieg zu beenden, auf dieser Forderung, hieß es.

Israel fordere jedoch, dass Katar die Gelder nicht allein kontrollieren, sondern auch andere Länder einbezogen werden sollen. Welche Länder das sein könnten, wurde zunächst nicht bekannt. Bislang hatte die israelische Regierung es stets vermieden, über ein Szenario für die Zeit nach dem Ende des Krieges in Gaza zu sprechen.

Das Thema wurde diese Woche auch bei Gesprächen mit einer katarischen Delegation in Washington angesprochen. Sie war zeitgleich mit dem Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in amerikanischen Hauptstadt. Regionalmächte, darunter Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, weigern sich, sich zum Wiederaufbau Gazas zu verpflichten, solange Israel nicht ein Ende der Kriegshandlungen bestätigt hat.

Der kleine Golfstaat fungiert als Vermittler

Laut Angaben der Vereinten Nationen wurden seit Beginn des Konflikts im Herbst 2023 etwa 92 Prozent aller Wohngebäude in Gaza beschädigt oder zerstört.

Der Golfstaat Katar fungiert bereits seit fast zwei Jahren als Vermittler zwischen der Hamas, den USA und Israel. Gleichwohl war es Katar, das jahrelang Millionenbeträge an die Hamas in Gaza schickte.

Armee: »Abkommen könnte die Lage vor Ort in Gaza verändern.«

Ein hochrangiger israelischer Beamter wurde am Mittwoch von der Nachrichtenagentur »Reuters« mit den Worten zitiert, ein Waffenstillstand und Geiseldeal sei innerhalb von ein bis zwei Wochen möglich, stehe aber nicht unmittelbar bevor. Beide Seiten strebten erneut einen 60-tägigen Waffenstillstand an, den Israel nutzen wolle, um eine dauerhafte Waffenruhe zu erreichen. Diese erfordere aber auch die Entwaffnung der Hamas.  

Netanjahu erteilt Befehl zum Bau einer »humanitären Stadt« in Rafah

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat unterdessen die israelische Armee angewiesen, Pläne für die Errichtung einer »humanitären Stadt« in Rafah im südlichen Gazastreifen auszuarbeiten. Das sagten israelische Regierungsvertreter am Mittwoch. Der Regierungschef habe die Order an die Armee während einer Sitzung des Sicherheitskabinetts noch vor seiner Abreise nach Washington erteilt. 

IDF-Quellen äußerten jedoch Zweifel an dem Vorhaben und erläuterten, es sei schwierig, einen geordneten Plan auszuarbeiten, während in den nächsten Tagen Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand und Geiselbefreiungsdeal geführt werden. 

Sollte ein Abkommen zwischen Israel und der Hamas umgesetzt werden, könnte dies die Lage vor Ort verändern, gaben sie zu bedenken. Die Armeevertreter hätten zudem auf rechtliche Schwierigkeiten hingewiesen, die entstehen könnten, wenn Israel die Kontrolle über die im geplanten Gebiet untergebrachten Zivilisten übernehmen sollte.

Washington D.C.

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