Die traditionellen Feiern zu Lag BaOmer im nordisraelischen Meron sind erneut stark eingeschränkt worden. Strengreligiös-jüdische Kritiker der Entscheidung kündigten laut Medienberichten an, zum am Montagabend beginnenden Fest mit allen Mitteln zu der Heiligen Stätte vorzudringen; die Polizei will mit einem Großaufgebot ein Eindringen in das Gebiet verhindern. Zu Feiern im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Jarrah werden erneut Tausende erwartet.
Die Polizei verhinderte nach eigenen Angaben seit den frühen Morgenstunden den Zutritt von Tausenden Menschen zum Berg Meron, darunter die Zufahrt von Hunderten Bussen. Israelische Medien berichteten unterdessen, dass zahlreiche Meron-Pilger die polizeilichen Absperrungen umgingen, um zu der Wallfahrtsstätte zu gelangen. Zudem seien Tausende Pilger bereits vor Beginn der Sperrungen in Meron eingetroffen. Mindestens 20.000 sollen sich bereits seit Tagen in dem nun gesperrten Gebiet aufhalten.
Gruppe wirbt bei Pilgern für Bewaffnung
Seit Sonntag waren in strengreligiösen Vierteln mehrerer Städte Flugblätter aufgetaucht, auf denen eine anonyme Gruppe bei Meron-Pilgern für »Selbstverteidigungsausrüstungen« gegen Polizeigewalt warb; darunter Helme, Pfefferspray, Rauchbomben und Taser. Der Ursprung der Flugblätter blieb laut Bericht der Zeitung »Times of Israel« im Dunklen.
Ein Mitglied des Rates des israelischen Oberrabbinats hatte die Öffentlichkeit laut Bericht des Senders »Arutz Scheva« am Montag aufgerufen, sich zu Lag BaOmer vom Meron-Berg fernzuhalten. »Unsere Feinde warten dort auf große Versammlungen mit Menschenmengen, um zuzuschlagen. Das ist eine echte Lebensgefahr«, sagte der Rabbinervertreter in einer Videobotschaft.
Kriegsbedingt massiv eingeschränkt
Die zuständigen Behörden hatten für Montagabend drei Feuerzeremonien auf dem Berg Meron mit jeweils bis zu 200 Teilnehmern genehmigt. Die Einschränkungen folgen Anweisungen des Heimatfrontkommandos, das Versammlungen in dem Gebiet entlang der Demarkationslinie zum Libanon im Freien auf 200 sowie in Innenräumen mit entsprechendem Schutzraum auf maximal 600 Personen begrenzt hat. Meron liegt etwa acht Kilometer Luftlinie vom Libanon entfernt.
Zu den Feiern an der als Grablege von Simon dem Gerechten, einem jüdischen Hohepriester aus der Zeit des zweiten Tempels, verehrten Stätte in Ostjerusalem wird mit Tausenden Besuchern gerechnet. Die Feiern dauern bis Dienstagabend an. Die Polizei kündigte für das Viertel sowie zahlreiche Zufahrtstraßen Sperren und erhebliche Verkehrsbeschränkungen an. Das Stadtviertel Scheich Jarrah ist mehrheitlich arabisch bewohnt.
Massenpanik mit 45 Toten
Lag BaOmer wird in der Zeit zwischen Pessach und dem Wochenfest Schawuot gefeiert und durchbricht die vom Gedenken an Katastrophen für das jüdische Volk geprägten »Omer-Tage«, in denen Juden keine freudigen Ereignisse feiern. Bei bestimmten Strömungen des Judentums gibt es die Tradition, Söhnen im Alter von drei Jahren an Lag BaOmer erstmals die Haare zu schneiden.
Das Fest erinnert an den jüdischen Aufstand gegen die römischen Besatzer unter Rebellenführer Bar Kochba im Jahr 132. Rabbi Schimon bar Jochai, der an dem Aufstand beteiligt war, liegt auf dem Meron-Berg begraben. An sein Grab pilgerten in der Vergangenheit traditionell an Lag BaOmer Hunderttausende strengreligiöse Juden. Bei einer Massenpanik starben 2021 mindestens 45 Menschen. kna/ja