Gesellschaft

Erste Frau in IDF-Eliteeinheit Sayeret Matkal

(Symbolfoto) Foto: Flash 90

Sie gilt als prestigeträchtigste und auch geheimnisvollste Einheit der israelischen Armee: die Elitekommandoeinheit Sayeret Matkal. Von vielen ihrer Einsätze weiß die Öffentlichkeit bis heute nichts. Nun hat die Einheit ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufgeschlagen. Wie die IDF am Donnerstag mitteilte, hat zum ersten Mal in der Geschichte Israels eine Frau die anspruchsvolle Ausbildung der Spezialeinheit absolviert und erfolgreich bestanden.

»Die IDF gratuliert der Soldatin zu ihrer bedeutenden und bahnbrechenden Leistung«, erklärte die Militärführung und fügte hinzu, dass sie in Kürze entsprechend den »operativen Erfordernissen in die Aktivitäten der Einheit integriert« werde. Die junge Frau hatte zuvor ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen und alle erforderlichen Kriterien erfüllt. Anschließend absolvierte sie einen Ausbildungsweg, der mehr als eineinhalb Jahre dauerte.

Nach Angaben der Armee sei die Ausbildung grundsätzlich identisch mit jener der männlichen Soldaten gewesen. Lediglich einzelne körperliche Belastungsparameter wurden angepasst. Die IDF betonte ausdrücklich, dass die Soldatin dieselben professionellen Anforderungen erfüllen musste wie ihre männlichen Kameraden.

Pilotprojekt startete im Dezember 2024

Das Pilotprojekt zur Integration von Frauen in die Sayeret Matkal war erst im Dezember 2024 gestartet worden. Es ist Teil einer umfassenderen Überprüfung innerhalb des Militärs, welche zusätzlichen Kampffunktionen künftig auch für Frauen geöffnet werden können.

Welche konkrete Rolle die Soldatin innerhalb der Einheit übernehmen wird, ist noch nicht klar. Die Sayeret Matkal arbeitet in einer Vielzahl hochspezialisierter Einsatzbereiche, die sich ständig veränderten. Aus diesem Grund sei ihre Einteilung noch nicht endgültig festgelegt worden, erklärte die Armee. Zudem werde sie sich von den Aufgaben männlicher Kämpfer innerhalb der Einheit unterscheiden.

Die Öffnung weiterer Kampffunktionen für Frauen erfolgt nicht nur aus gesellschaftlichen Gründen. Die IDF macht seit Beginn des Gaza-Krieges deutlich, dass sie dringend zusätzliches Personal benötigt. Nach IDF-Angaben fehlen derzeit rund 12.000 Soldaten, nachdem die regulären Streitkräfte und die Reservisten durch den Krieg gegen die Hamas sowie weitere Sicherheitsherausforderungen stark belastet wurden. Außerdem verweigern die meisten jungen ultraorthodoxen Männer den Wehrdienst.

IDF: »Die Ausschöpfung des Dienstpotenzials männlicher und weiblicher Soldaten aus allen Teilen der Gesellschaft ist derzeit ein Gebot der Stunde.«

»Die Ausschöpfung des Dienstpotenzials männlicher und weiblicher Soldaten aus allen Teilen der Gesellschaft ist derzeit ein Gebot der Stunde«, erklärte die IDF dazu. Man werde diesen Weg fortsetzen und dabei zugleich die operativen Anforderungen der Armee berücksichtigen.

Die Zahlen zeigen, wie stark sich die Rolle von Frauen in den Kampfverbänden bereits verändert hat. Laut IDF-Daten dienten im Jahr 2025 rund 8.500 Frauen in Kampfpositionen während ihres Wehrdienstes. Das entspricht einem Anstieg von nahezu 240 Prozent gegenüber dem Jahr 2015. Inzwischen stellen Frauen 21,2 Prozent aller Kampfsoldaten im regulären Pflichtdienst.

Einen entscheidenden Einfluss auf diese Entwicklung hatten die Ereignisse während des 7. Oktober 2023. An dem Tag des verheerenden Hamas-Massakers waren zahlreiche Soldatinnen direkt an den Kämpfen gegen die Terrororganisation beteiligt.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt an diesem Tag eine rein weibliche Panzerkompanie, die stundenlang gegen die Angreifer kämpfte und dabei Dutzende Terroristen tötete. Die Leistungen der Soldatinnen während der Invasion stärkten innerhalb der israelischen Gesellschaft die Argumente jener, die eine weitere Integration von Frauen in Kampfeinheiten befürworten.

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Öffnung von Eliteeinheiten für Frauen auch umstritten

Dennoch bleibt die Öffnung von Eliteeinheiten für Frauen auch umstritten. Kritiker warnen vor möglichen Auswirkungen auf die Einsatzfähigkeit der Truppe. Sie verweisen unter anderem darauf, dass Soldatinnen angeblich häufiger unter Belastungs- und Stressverletzungen leiden. Zudem wird kritisiert, dass einzelne körperliche Anforderungen angepasst wurden.

Befürworter sehen darin dagegen einen längst überfälligen Schritt. Israel gleiche sich damit anderen westlichen Armeen an und nutze endlich das gesamte Potenzial seiner Bevölkerung.

Bereits Ende vergangenen Jahres hatte die IDF ein Pilotprogramm zur Integration von Frauen in die Eliteeinheit Yahalom der Pioniertruppe als Erfolg bewertet. Auch bei der Luftwaffen-Rettungseinheit 669 läuft derzeit ein entsprechendes Pilotprojekt.

Am Donnerstag drohten mehr als 20 Rabbiner von verschiedenen Jeschiwot, wegen der Pilotprojekte zur Integration von Frauen in die Truppe, Schüler ihrer Religionsschulen nicht mehr zu Panzereinheiten zu senden. Zwar weigert sich der überwiegende Teil von Charedim, den Militärdienst zu leisten, doch einige junge Männer seien »nicht für das Studium der Tora an der Jeschiwa« geeignet, erklären Rabbiner, und dürften mit ihrer Erlaubnis in die Armee gehen.  

Generalstabschef Eyal Zamir erklärte zu dem angekündigten Boykott: »Die israelischen Streitkräfte sind die Armee des Volkes und messen der Integration aller Bevölkerungsgruppen in ihre Reihen, insbesondere in Kampfeinsätzen, höchste Bedeutung bei.« Diese komplexe Integration werde stets so erfolgen, dass alle Gemeinschaften Seite an Seite dienen können, fügte er hinzu. »Ohne dass die eine auf Kosten der anderen geht.«

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