Shvil Israel

Episches Erfahren

Pfad entlang des weltweit größten Erosionskraters Ramon in der Wüste Negev Foto: Flash 90

In biblischen Zeiten zogen die Israeliten aus Ägypten aus und gingen 40 Jahre lang durch die Wüste, um das Gelobte Land zu erreichen. Sie lebten in Hütten, den sogenannten Sukkot. Juden sind also Wanderer. Heute können sie beim Durchqueren des Landes per Pedes allerdings bequemer bei »Pfad-Engeln« einkehren.

Auch brauchen sie keine Jahrzehnte, sondern rund zwei Monate, um den Shvil Israel, wie der Nationalpfad Israels auf Hebräisch heißt, abzuwandern. Besonders empfohlen ist die Route des Israel National Trail, wie er international genannt wird, im Herbst. Israelis werden sich in den Sukkotferien also wieder auf die Socken machen.

landschaftsreichtum In vielen Ländern gibt es Wanderwege. Aber auf den wenigsten kann man von Nord nach Süd oder umgekehrt das gesamte Staatsgebiet in 60 Tagen durchqueren, und noch weniger berühmte Pfade sind so abwechslungsreich wie der Israel Trail. Von den grünen Hügeln im Norden über die felsige Carmel-Region, entlang der Küstenebene Schfela, durch die bizarre Negevwüste bis ans Rote Meer am südlichen Zipfel ist der kleine Nahoststaat an Landschafts- und Kulturreichtum kaum zu überbieten.

Der Nationalpfad ist in 56 Abschnitte unterteilt, die nacheinander als lange Wanderung oder einzeln zurückgelegt werden können.

Der Nationalpfad ist in 56 Abschnitte unterteilt, die nacheinander als lange Wanderung oder einzeln zurückgelegt werden können. Die Zeitschrift »National Geographic« zählt ihn zu den 20 besten »epischen Wanderwegen« der Welt.

Er ist rund 1100 Kilometer lang, wobei sich die exakte Länge regelmäßig ändert, da das Komitee des Israelpfades öfter geringfügige Änderungen an der Streckenführung vornimmt.

»PFAD-ENGEL« Auf den »erzählerischen« Pfaden gibt es keine Menschenmassen und oft keinen Handyempfang, geschweige denn fließendes Wasser. Stattdessen besteht die Möglichkeit, das Volk, die Geschichte und die Kultur Israels aus nächster Nähe zu erkunden. Die sogenannten Pfad-Engel sind Freiwillige, oft selbst Wanderinnen und Wanderer, die den Menschen entlang der Route für eine kleine Gebühr oder gratis Kost und Logis, eine erfrischende Dusche und die Möglichkeit zum Aufladen jeglicher Gerätschaft anbieten.

Inspiriert durch den Appalachian Trail in den USA, wurde der Weg 1995 offiziell markiert. Er ist weitgehend durch die Verbindung bestehender Wege im ganzen Land entstanden und mit weiß, blau und orange gestreiften Wegmarkierungen gekennzeichnet. Teile der Strecke folgen Kamel- oder Ziegenpfaden, andere unbefestigten Straßen und manche überhaupt keinem erkennbaren Weg.

Nur die wenigsten erwandern den Weg während eines einzigen Ausflugs. Daher haben die Planer die Route in kleinere Abschnitte unterteilt, die je nach Jahreszeit und Zeitmangel separat gelaufen werden können. Einige Teilstrecken können in Tagesausflügen oder kurzen Wochenendausflügen absolviert werden. Die beste Reisezeit sind Herbst und Frühling, wenn die Temperaturen mild sind.

spannungen Der Weg erzählt die Geschichte des Landes anhand seiner Gegensätze: In archäologischen Ausgrabungsstätten trifft man auf Spuren der Ägypter, Römer, Kreuzritter, Osmanen, Briten – in der Moderne die ganze bunte israelische Gesellschaft. Um Spannungen zu vermeiden, versuchten die Planer, möglichst Wege durch unbestrittenes Land auszuwählen. Die Golanhöhen, die Israel 1967 eroberte, wurden jedoch kürzlich in den Pfad aufgenommen und entsprechend markiert.

Der Weg erreicht nun den Hermon-Berg in zwei neuen Abschnitten, gab die Gesellschaft für den Schutz der Natur (SPNI) an. Sie führen durch Naturlandschaften, Stätten kulturellen Erbes sowie Siedlungen und bieten einzigartige Panoramablicke. »Der Israel National Trail wurde 1995 eingeweiht«, so der Generaldirektor der Gesellschaft, Dan Alon. »Seit seiner Eröffnung hat er viele Veränderungen erfahren, Anpassungen an ein Entwicklungsland, Reaktionen auf Sicherheitsprobleme in den verschiedenen Gebieten, durch die er verläuft, und die Hinzufügung neuer interessanter Orte oder Aussichtspunkte.«

Der Weg erzählt die Geschichte des Landes anhand seiner Gegensätze.

Jetzt, fast drei Jahrzehnte später, sei man stolz darauf, den Trail um den Berg Hermon und die Golanhöhen erweitern zu können. »Sagen Sie nicht mehr: von Dan bis Eilat, sondern von jetzt an: vom Hermon bis nach Eilat.«

ZELT Lior, lizenzierte Israel-Reiseleiterin, die die Website backpackisrael.com betreibt, beschreibt besonders die Zeit um das Laubhüttenfest als ideale Wandersaison. »Sukkot soll uns an den Exodus erinnern. Auf diese Weise können Sie ein wenig davon erfahren, was die Israeliten empfanden, als sie von einem Ort zum anderen zogen. Nehmen Sie ein Zelt mit und campen Sie unterwegs. Das gleicht dem Aufenthalt in einer provisorisch errichteten Hütte.«

Allerdings könne es während Sukkot immer noch heiß werden, warnt die erfahrene Wanderin. Man solle sich daher unbedingt vorher über das Wetter informieren. Und dann erzählt sie von einem Moment ihrer eigenen, einsamen Wanderungen: »Ich genoss eine ruhige Yoga-Minute in der Wüste, meine staubigen Wanderstiefel ruhten vor mir, als ein Geschwader Kampfjets über mir hinwegdonnerte und mich daran erinnerte – acht Tage, nachdem ich das letzte Mal die Zivilisation gesehen hatte –, dass ich immer noch in Israel war.«

www.israeltrail.net

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl in Israel: Behörden sehen keine Beweise für Betrug

Den Vorwurf der ausländischen Einflussnahme auf die Knesset-Wahl nimmt die Wahlkommission aber ernst

 29.10.2026

Jerusalem

Lieberman: »Nicht mit Bibi und nicht mit Tibi«

Der Chef von Israel Beiteinu schließt eine Zusammenarbeit mit Netanjahu und den arabischen Parteien aus – und fordert eine rein zionistische Koalition

von Sabine Brandes  29.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlkommission fordert Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme

»Es wurden ernsthafte Verdachtsmomente an mich herangetragen«, sagt der Vorsitzende der Zentralen Wahlkommission, Noam Sohlberg

 29.10.2026

Jerusalem

Herzog will Neuwahlen vermeiden

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appelliert der israelische Präsident an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen

 29.10.2026

Jerusalem

Auszählung der »Sonderstimmen« in Israel hat begonnen

Die Stimmen von Soldaten, medizinischem Personal, Patienten sowie israelischen Diplomaten im Ausland könnten die Sitzverteilung in der Knesset noch verändern

 29.10.2026

Jerusalem

Wahl-Patt in Israel: Netanjahu und Eisenkot suchen Partner

Kein Lager hat eine Mehrheit, die Regierungsbildung dürfte schwierig werden. Während erste Gespräche laufen, erhebt Netanjahus Partei schwere Wahlbetrugsvorwürfe

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Nachrichten

Auszählung, Expats, Einmischung

Kurzmeldungen aus Israel

von Sophie Albers Ben Chamo  28.10.2026