EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Wahlkampf

Ein Ex-Spion geht in die Politik

Jonathan Pollard Foto: copyright (c) Flash90 2025

Ein Ex-Spion geht in die Politik. Jonathan Pollard hat sich für eine politische Partei entschieden: Am Wochenbeginn gab er in Jerusalem seinen Beitritt zur Partei »Israel zuerst« (Israel First) unter der Führung der Knessetabgeordneten Sharren Haskel bekannt. Die gemeinsame Erklärung wurde in der Nähe der Klagemauer unterzeichnet. Pollard sagte darin: »Ich glaube an Sharren. Und ich glaube an Israel.«

Vor einigen Wochen hatte Pollard zum ersten Mal seine Absicht bekundet, in die Politik einzusteigen. Pollard erklärte, seine Unterstützung für Haskel basiere auf seiner Überzeugung, Israel brauche eine »zionistische, nationale und mutige« Führung, die der Sicherheit höchste Priorität einräume, an das Recht des jüdischen Volkes auf sein Land glaube und sich nicht dafür entschuldige, dass Israel ein jüdischer Staat sei.

»Ich war keine Ausnahme. Mein Verrat und meine Verlassenheit waren keine Ausnahme. Am 7. Oktober sah ich, dass das ganze Land verlassen und verraten worden war«, sagte der 72-jährige Pollard auf Englisch und bezog sich dabei auf die Jahre, die er im Gefängnis verbracht hatte.

Pollard vergleicht seine Verlassenheit mit 7. Oktober

Viele Abgeordnete würden zwar »großspurig reden«, aber die Verantwortung für den Hamas-Angriff nicht übernehmen, betonte er und sagte zu Haskel: »Wir können uns nur dann sicher sein, dass so etwas nicht wieder passiert, wenn wir Leute wie Sie wieder in verantwortungsvolle Positionen in der Regierung bringen.«

Anfang des Jahres hatte Pollard erklärt: »Ich persönlich befürworte die Zwangsumsiedlung aller derzeitigen Bewohner des Gazastreifens, die Annexion des Gazastreifens und die Wiederbesiedlung durch uns.«

Haskel, die zuvor Mitglied der Partei Neue Hoffnung von Außenminister Gideon Sa’ar war, bezeichnete Pollards Beitritt als »bedeutende Stärkung« und erklärte, man akzeptiere dessen Überzeugung »mit Demut und Entschlossenheit«.

Jonathan Pollard: »Wir können uns nur dann sicher sein, dass so etwas nicht wieder passiert, wenn wir Leute wie Sie wieder in verantwortungsvolle Positionen in der Regierung bringen.«

Haskels neue Partei »Israel First« gehört dem sogenannten »dritten Block« der Mitte-Rechts-Parteien an, der einen Kompromiss zwischen dem Likud und den zionistischen Oppositionsparteien erzwingen will, um eine breite zionistische Einheitsregierung zu bilden. Keine der Parteien des Blocks konnte in den letzten Umfragen die Wahlhürde überwinden.

In den Monaten vor seiner Ankündigung habe Pollard verschiedene Optionen für einen Einstieg in die Politik geprüft, berichteten israelische Medien. Politische Quellen, die mit den Kontakten vertraut sind, berichten, dass Pollard Verbindungen zu etablierten Persönlichkeiten und Parteien des rechten Spektrums auslotete und gleichzeitig die Möglichkeit der Gründung einer unabhängigen Partei prüfte. Unter anderem habe er Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit den rechtsextremen Parteien von Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich untersucht.

Für die Gründung einer eigenen Partei hätte ihm die notwendige Unterstützung gefehlt, hieß es weiter. Nach all diesen Versuchen entschied sich Pollard für »Israel zuerst«.

Der Fall Pollard führte zu Spannungen zwischen Israel und den USA

Der jüdische Pollard ist ein ehemaliger Geheimdienstanalyst der US-Marine. Von 1985 bis 2015 saß er in einem in einem US-Gefängnis, weil er Geheimnisse an Israel weitergegeben hatte. Dieser Fall führte zu ernsthaften Spannungen zwischen Jerusalem und Washington.

Nach seiner Freilassung 2015 blieb er aufgrund von Bewährungsauflagen bis 2020 in den Vereinigten Staaten. Erst dann hob das US-Justizministerium die Auflagen auf, und er konnte nach Israel auswandern, das ihm 1995 die Staatsbürgerschaft verliehen hatte.

Knesset-Wahl

Die arabische Antwort auf Ben-Gvir

Die israelischen Araber wehren sich mit dem Stimmzettel gegen den Sicherheitsminister – und könnten zum Königsmacher der nächsten Knesset werden

von Sabine Brandes  28.10.2026

Meinung

In der Sackgasse?

Sabine Brandes wünscht sich nach den Wahlen für Israel neue Bündnisse – trotz aller Schwierigkeiten

von Sabine Brandes  28.10.2026

Analyse

Israel steckt mal wieder im Patt

Der rechte Block gewinnt bei der Auszählung an Boden. Doch weder Regierungslager noch Opposition haben eine klare Mehrheit – und die arabischen Parteien werden zum entscheidenden Faktor

von Sabine Brandes  28.10.2026

Jerusalem

Demokraten-Chef fordert Koalition mit arabischen Parteien

Bei Israels Richtungswahl liegt Netanjahus Lager vorn, verfehlt aber die Mehrheit. Der Chef der Linksliberalen fordert eine Koalition der Opposition mit Beteiligung arabischer Parteien

 28.10.2026

Jerusalem

Israels Wahlergebnis bleibt offen, mehr als die Hälfte der Stimmen ausgezählt

Mit wie vielen Sitzen kann das Netanjahu-Lager rechnen? Wie sieht das bisherige Ergebnis der Opposition aus?

 28.10.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Bis zu 650.000 »Sonderstimmen« könnten Israels Wahlergebnis noch verändern

Die Stimmen von Soldaten, Reservisten und weiteren Wahlberechtigten, die nicht in ihrem regulären Wahllokal abstimmen konnten, müssen noch einbezogen werden

 28.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will rasch neue Regierung in Israel bilden

Netanjahus Lager verliert die Mehrheit, doch auch Ex-Militärchef Eisenkot kann mit seinem Lager nicht allein regieren. Dennoch erklärt er, schon bald eine Koalition schmieden zu wollen

 28.10.2026

Jerusalem

Vorfälle bei Parlamentswahl

Für die große Mehrheit der Israelis verlief der Wahltag friedlich. Es gab jedoch Einschüchterungsversuche und sogar Angriffe

 28.10.2026

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026 Aktualisiert