Basketball

Ein »All-Star« aus dem Kibbuz

Sprung zum Erfolg: Deni Avdija (25) im Dezember in New Orleans Foto: picture alliance / USA TODAY Sports via Reuters

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Ein »All-Star« aus dem Kibbuz

Mit Deni Avdija schafft es erstmals ein Israeli in die NBA-Auswahl der USA

von Sabine Brandes  07.02.2026 18:09 Uhr

Die Arena in Portland steht Kopf. Noch 40 Sekunden auf der Uhr, das Spiel ist eng, der Ball kommt zum Star der Portland Trail Blazers – Deni Avdija. Er zögert keinen Moment, rennt entschlossen zum Korb, manövriert sich durch zwei Verteidiger, hält den Ball hoch und trifft.

Schon wieder. Ein weiterer Moment, in dem durch Avdijas Einsatz auf dem Parkett alles zusammenpasst. Kurz darauf folgt die Nachricht, die diesem Abend eine historische Dimension verleiht: Der Basketballer aus dem Kibbuz Beit Zera wird ins NBA All-Star Game berufen. Und damit wird zum ersten Mal in der Geschichte ein Israeli mitspielen.

»Einfach nur dankbar«

Noch klingt Avdija selbst ein wenig erstaunt. »Es ist schwer zu glauben«, sagt er nach der Bekanntgabe. Er sei »einfach nur dankbar«. Und doch ist die Nominierung die logische Konsequenz einer Saison, in der sich der 25-Jährige endgültig in der Elite der Liga etabliert hat – und eine Anerkennung seiner außergewöhnlichen sportlichen Leistung.

Die NBA (National Basketball Association) ist die wichtigste und stärkste Basketball-Profiliga der Welt. Gegründet 1946, hat sie ihren Sitz in den USA (mit einem Team aus Kanada). In der NBA spielen die besten Basketballer der Welt in 30 Teams, aufgeteilt in Eastern Conference und Western Conference.

Avdija ist bei den Fans weltweit sehr beliebt. Und damit auch ein Botschafter für Israel.

Im neuen Format des All-Star-Games »USA vs. The World« wird Avdija gemeinsam mit internationalen Größen wie Luka Dončić, Nikola Jokić, Shai Gilgeous-Alexander und Victor Wembanyama im »World Team« antreten. Das Spiel findet am 15. Februar in Kalifornien statt. Trotz Avdijas enormer Popularität – bei der Fanwahl erhielt er über 2,2 Millionen Stimmen und belegte damit einen Spitzenplatz noch vor NBA-Legenden wie LeBron James und Kevin Durant – hatte es nicht für die Startaufstellung gereicht.

Diese wird durch ein kombiniertes Voting aus Fans, Spielern und Medien bestimmt. Die Trainer der Liga jedoch würdigten seine Konstanz, Vielseitigkeit und seinen Einfluss auf das Spiel und beriefen ihn am Sonntag als All-Star-Ersatzspieler der Western Conference.

In der regulären Saison spielt Avdija bei den Portland Trail Blazers auf der Position des »Forward« und ist damit sowohl in Korbnähe als auch von außen gefragt. Diese Spieler zeichnen sich meist durch Größe, Athletik und Vielseitigkeit aus. In der Saison 2025/26 zeigt er seine bislang stärkste Form und erzielt im Schnitt 25,5 Punkte pro Spiel.

Aufgewachsen im Kibbuz Beit Zera

Geboren und aufgewachsen ist er im Kibbuz Beit Zera am Kinneret im Norden des Landes. Seine Basketballlaufbahn begann in Israel bei Maccabi Tel Aviv, bevor er 2020 den Sprung in die NBA schaffte. Die Washington Wizards wählten ihn an neunter Stelle im Draft – ebenfalls ein Rekord für einen israelischen Spieler. Vier Jahre spielte er in diesem Team, entwickelte sich stetig weiter, machte sich ligaweit einen Namen und erhielt mehrfach Lob von LeBron James und anderen Basketballgrößen.

Der Wechsel zu Portland im Sommer 2024 markierte schließlich einen Wendepunkt. Mehr Verantwortung, ein neues Spielsystem und größeres Vertrauen ließen Avdija weiterwachsen. Als vielseitiger Spiel- und Punkteholer erarbeitete er sich rasch noch mehr Respekt in der Liga.

Sein Spitzname lautet »Turbo« – ein Verweis auf seine Energie, Dynamik und Vielseitigkeit. Seine Körpergröße von 2,03 Metern verbindet Avdija mit Basketball-IQ und einem feinen Passspiel. Er ist sowohl Scorer als auch »Facilitator«, also ein »Möglichmacher«, der sich einen Namen gemacht hat, Spiele zu lesen und zu prägen.

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Abseits des Feldes ist Avdija nicht nur in Israel, sondern bei NBA-Fans auf der ganzen Welt beliebt. Nach seiner Nominierung sprach er von einem »emotionalen Moment« und betonte die Bedeutung seines Umfelds: »Natürlich hätte ich das ohne meine Teamkollegen und Trainer nicht geschafft. Die ganze Crew, die mich diese Saison begleitet hat, war einfach unglaublich«, sagte er und konzentrierte sich dann wieder auf seine Arbeit: »Die Saison ist noch lang. Ich muss mich auf das Team konzentrieren. Aber diese persönliche Auszeichnung ist natürlich fantastisch.« Er habe mit dem Basketballspielen begonnen, »einfach um zu sehen, wohin es mich führt«. Es sei kaum zu glauben, was man erreichen könne.

Er misst über zwei Meter, analysiert das Spiel und passt blitzschnell. Spitzname: Turbo.

In Israel wird seine All-Star-Teilnahme über die Begeisterung für seine Person hinaus auch als Symbol für die Reife des israelischen Basketballs verstanden. Avdijas Einfluss reicht weit über individuelle Auszeichnungen hinaus.

Für viele junge Sportler von Haifa bis nach Eilat ist er heute der lebende Beweis dafür, dass mit Talent, Hingabe und harter Arbeit selbst der Weg aus einem kleinen Kibbuz auf die größte Bühne des Basketballs möglich ist.

Botschafter des israelischen Basketballs

Amos Frishman, Vorsitzender des israelischen Basketballverbandes, nennt den Moment der Bekanntgabe »einen Abend des größten Stolzes für den israelischen Sport«. Deni Avdija durchbreche weiterhin Barrieren. »Seine herausragende NBA-Saison zeigt, dass mit harter Arbeit alles zu erreichen ist. Er ist ein Botschafter für den israelischen Basketball, den Staat Israel und steht nun neben den besten Spielern der Welt.«

Avdija selbst postete nach seiner Nominierung für das legendäre All-Star-Game eine Instagram-Story mit einem Foto. Zu sehen ist er als kleines Kind auf dem Arm seines Vaters, daneben steht seine Mutter, die ihn anstrahlt. Dazu setzte er ein rotes Herz und schrieb: »Ohne euch hätte ich das nicht geschafft.«

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