Blick in die Zukunft

Ehemalige Geisel sucht nach der Hölle die Liebe

Eitan Horn kurz nach seiner Freilassung im Oktober 2025 Foto: Flash 90

Eitan Horn strahlt. Sein Lieblingsverein Hapoel Beer Schewa hat gewonnen, und für einen Moment wirkt alles leicht. Er lacht, scherzt, redet mit der Begeisterung eines eingefleischten Fußballfans, der sich über einen Sieg freut. Der Schalk sitzt ihm dabei sichtbar im Nacken, als er in einem Interview im Fernsehstudio von Kanal 12 darüber erzählt.

Wer ihm zuhört, könnte fast vergessen, dass dieser Mann mehr als zwei Jahre seines Lebens in der Gewalt der Hamas in den Tunneln unterhalb Gazas verbracht hat. 738 schier endlose Tage lang war der heute 40-Jährige Geisel der Hamas.

Doch so sehr Horn die kleinen Freuden des Alltags genießt – sein Leben ist nicht mehr das von früher. »Es ist unmöglich, zu dem zurückzukehren, der ich einmal war«, sagt er. »Ich muss mir einfach ein anderes Leben aufbauen. Und das ist auch in Ordnung so.«

Es sind Sätze, die viel über die Realität ehemaliger Geiseln erzählen. Die Rückkehr nach Hause bedeutet nicht, dass mit dem Tag der Freilassung alles so wäre wie zuvor. Ganz im Gegenteil. Für Horn und alle anderen Freigelassenen begann danach ein neuer Kampf: der um Heilung, Stabilität und eine selbstbestimmte Zukunft.

Er wurde zusammen mit seinem Bruder Iair verschleppt

Als eine der Geiseln, die am 7. Oktober während der verheerenden Massaker der Hamas aus dem Kibbutz Nir Oz verschleppt wurden, erlebte Horn eine Zeit des Grauens, das kaum vorstellbar ist. Er wurde zusammen mit seinem Bruder Iair entführt, der allerdings vor ihm in Freiheit kam. Eitan blieb allein in den Terrortunneln zurück.

Heute der Alltag des Mannes aus Kfar Saba im Zentrum des Landes aus Dingen, die für andere selbstverständlich erscheinen, für ihn jedoch Teil eines langen Weges zurück ins Leben sind. Dazu nimmt noch die Rehabilitation einen großen Teil seines Lebens ein. Regelmäßig fährt er zur Physiotherapie und anderen Behandlungen, zu Gesprächen mit Psychologen und Psychiatern ins Ichilow-Krankenhaus in Tel Aviv.

Noch arbeitet Horn nicht wieder in seinem früheren Beruf. Stattdessen hat er begonnen, Vorträge zu halten und seine Geschichte zu erzählen. Die Arbeit mit Menschen habe ihn schon vor seiner Entführung geprägt. Nun sieht er darin auch einen Teil seines persönlichen Wiederaufbaus.

Horn spricht erstaunlich wenig über sich als Opfer. Stattdessen erzählt er von der Dankbarkeit, die er empfindet, »dass ich heute hier sitzen darf«. Und er redet von den Menschen, die ihn auf der Straße ansprechen. In Einkaufszentren, auf Promenaden, in Restaurants oder beim Einkaufen wird er erkannt. Viele wollen ihm die Hand schütteln, in den Arm nehmen, ihm alles Gute wünschen oder einfach nur sagen, dass sie sich über seine Rückkehr freuen.

Eitan Horn: »Wenn ich mir gerade eine Pitatasche in den Mund stopfe, könntet Ihr ja kurz warten. Aber sonst ... immer her mit Euch.«

Genervt sei er davon nie. Im Gegenteil: »Es ist wahre Liebe, die ich vom ganzen Volk bekomme. Es stört mich überhaupt nicht, nein. Es wärmt mein Herz.« Die Akzeptanz sei für ihn eine Möglichkeit, Danke zu sagen, all jenen, die für die Freilassung der Geiseln gekämpft, demonstriert und gehofft haben. »Wenn ich mir gerade eine Pitatasche in den Mund stopfe, könntet Ihr ja kurz warten«, sagt er mit einem Augenzwinkern in die Kamera, an die Zuschauer gerichtet, »aber sonst … immer her mit Euch.«  

Und ganz besonders schön wäre es, wenn darunter vielleicht auch die Richtige wäre. Denn Eitan Horn sucht eine Partnerin. Das sagt er ganz offen im Fernsehen: »Ja, ich möchte eine Frau finden und mit ihr eine Familie gründen.« Die Jahre der Gefangenschaft haben ihm viel Zeit genommen. Jetzt blickt er nach vorn.

Ob seine Bekanntheit als ehemalige Geisel bei der Partnersuche hilft? Horn zuckt mit den Schultern. Er wisse es nicht, sagt er. Aber er hoffe es. Viel wichtiger als Ruhm oder Bekanntheit sei ohnehin etwas anderes. »Sie muss mich zum Lachen bringen.« Es ist eine Antwort, die viel über ihn verrät. Nach allem, was er erlebt hat, sucht er keine Perfektion, sondern jemanden, der seinen Sinn für Humor teilt.

Der gebürtige Argentinier liebt Fleisch

Mit sichtlichem Vergnügen erzählt der gebürtige Argentinier von seiner Liebe zu gutem Fleisch, das regelmäßig auf dem Grill brutzelt. Doch selbst dabei zeigt sich seine entspannte Art. Und wenn seine zukünftige Frau kein Fleisch mag?, fragt der Journalist in der Sendung. Kein Problem für ihn. »Ich würde auch mit einer Veganerin ausgehen«, macht Horn klar und schmunzelt. »Wenn ich mit ihr lachen kann, hat sie mich sowieso schon rumgekriegt. Dann kann sie essen, was sie will.«

Es ist ein leichter Moment in einem Leben, das oft schwer geworden ist. Denn Eitan Horn weiß, dass seine frühere Realität nicht zurückkommen wird. Das Grauen der Gewalt und Gefangenschaft lassen sich nicht auslöschen. Was entstanden ist, ist der feste Wunsch, etwas Neues aufzubauen – und zwar liebend gern mit Frau und Familie an seiner Seite.

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