Politik

Die Frau, die die Arbeitspartei wiederbelebte

Merav Michaeli nach ihrer Wiederwahl Foto: Flash90

Diesen Erfolg würden ihr nicht einmal ihre Kritiker absprechen: dass sie der schwächelnden Arbeitspartei neues Leben einhauchte. Am Montagabend nun ist Merav Michaeli als Vorsitzende der Awoda bestätigt worden. Es ist das erste Mal, das ein Chef den Posten behält, seit die Partei 1992 begann, Primaries abzuhalten.

TRAUM Die Verkehrs- und Transportministerin sicherte sich ihren Sieg mit 82 Prozent der abgegebenen Stimmen, während ihr einziger Herausforderer, Generalsekretär Eran Hermoni, 16 Prozent auf sich vereinte. Bei den restlichen handelte es sich um ungültige Stimmzettel.

Michaeli zitierte nach ihrem Sieg Theodor Herzl mit den Worten: »Wenn Sie wollen, ist es kein Traum«. Ihr Sieg sein ein Sieg für Werte. »Die Awoda gibt unsere Werte –  den Zionismus und unser geliebtes Israel - nicht auf.«

Hermoni war mit den Slogans in den Wahlkampf gezogen, die Partei weiter ins Zentrum zu rücken und dass Michaeli »nicht stark genug sei«, die Partei wieder an die Spitze der Nation zu bringen. Etwas, über das die Frau, die die alteingesessene Partei von Yitzhak Rabin und Schimon Peres von dem sicheren politischen Tod bewahrte, sicher nur müde lächeln kann.

»Ich habe dafür gekämpft, dass es gegen alle Widrigkeiten machbar war.«

verkehrsministerin merav michaeli

Im Anschluss an die Wahl sagte Michaeli in Tel Aviv, sie habe für den Wiederaufbau ihrer Partei »gekämpft«, als die Gefahr lief, unter die für den Eintritt in die Knesset erforderliche Wahlschwelle von 3,25 Prozent zu fallen.

Ich habe dafür gekämpft und darauf bestanden, dass es gegen alle Widrigkeiten und gegen das, was alle glaubten, machbar war», unterstrich sie und fügte hinzu, dass noch vor anderthalb Jahren all dies unmöglich schien. «Ich war erfolgreich, und es ist gelungen. Wir haben den ersten Stock gebaut, und jetzt sind wir hier, um den zweiten Stock zu bauen.»

KOALITION Die Awoda ist unter Michaeli an Israels bisher vielfältigster Regierungskoalition beteiligt. Bei den Wahlen von 2021 holte sie sieben Sitze. Nachdem die Knesset vor einigen Wochen aufgelöst worden war, müssen die Israelis am 1. November wieder ihre Stimme abgeben.  

«Wir wollten diese Wahlen nicht, wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, um sie zu vermeiden. Aber jetzt, wo sie da sind, gehen wir mit erhobenem Kopf», so Michaeli.

Sie versprach einen Wahlkampf, in dem sie gegen Israels exorbitant hohe Lebenshaltungskosten kämpfen wolle. Die Primaries für den Rest ihrer Liste finden am 9. August im Vorgriff auf die Knesset-Wahlen statt.

Premierminister Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid und die ehemalige Chefin der Linkspartei Meretz, Zehava Gal-On, gehörten zu den Politikern, die Michaeli als erste gratulierten. Galon soll eine Rückkehr ins politische Leben erwägen.

Angeblich soll sie dann daran interessiert sein, ein Bündnis mit der Arbeitspartei einzugehen. Bislang hat Michaeli dies jedoch abgelehnt.

Israel

Herzog ruft Israels Politiker zu Kompromissbereitschaft auf

Der Präsident mahnt die Parteichefs zur Flexibilität bei den Koalitionsgesprächen und warnt vor Neuwahlen. Am Mittwoch beginnen die Beratungen in seinem Amtssitz

 01.11.2026

Regierungsbildung

Israels Oppositionschefs treffen sich zu Gesprächen

Avigdor Liberman soll sich mit Gadi Eisenkot getroffen haben, Yair Golan sprach mit der Gemeinsamen Liste. Der Likud schließt unterdessen eine Rotation im Amt des Ministerpräsidenten aus

 01.11.2026

Gadi Eisenkot spricht in der Wahlnacht vor Anhängern

Regierungsbildung in Israel

Eisenkot nennt vier Bedingungen für mögliche Koalitionspartner

Der Yashar-Chef will die neue Knesset-Mehrheit rasch nutzen und lädt jeden Abgeordneten zur Zusammenarbeit ein, der seine Grundsätze akzeptiert

 01.11.2026

Jair Golan, Vorsitzender der Demokraten in Israel, im Porträt

Nahost

Opposition warnt vor neuem Krieg mit Iran unter Netanjahu

Angesichts wachsender Spannungen mit dem Iran stellt ein führender Oppositionspolitiker die politische Legitimation Netanjahus für eine neue militärische Auseinandersetzung infrage

 01.11.2026

Isaac Herzog spricht beim Weltwirtschaftsforum in Davos

Regierungsbildung

Israels Präsident kündigt Gespräche zur Regierungsbildung an

Keines der politischen Lager in Israel erreicht die erforderliche Mehrheit von 61 Sitzen. Nun liegt die Initiative bei Präsident Herzog. Wer erhält den ersten Auftrag zur Regierungsbildung?

 01.11.2026

Jerusalem

Wahlsieger ohne Mehrheit

Das endgültige Wahlergebnis liegt vor. Benjamin Netanjahus Likud hat mehr Sitze als alle anderen Parteien. Nützt ihm das etwas?

 30.10.2026

Jerusalem

Eisenkot will Wehrpflichtgesetz und Untersuchung zum 7. Oktober vorantreiben

Der Vorsitzende der zentristischen Partei Yashar erklärt, er arbeite bereits an entsprechenden Gesetzesvorlagen. Ob er wirklich eine Regierung bilden kann, bleibt aber unklar

 30.10.2026

Umfrage

Mehrheit der Oppositionswähler befürwortet Regierungskoalition mit arabischer Partei

Befragt wurden Anhänger von Yashar, B’Yachad, der Demokraten sowie Yisrael Beitenu. Was denken diese Wähler?

 30.10.2026

Natur

Gefährliche Ameise

Die invasive Afrikanische Großkopfameise breitet sich schnell aus und kann Ökosysteme sowie die Landwirtschaft schädigen – jetzt wurde sie in Haifa gefunden

von Sabine Brandes  29.10.2026