Bosch zieht sich teilweise aus Israel zurück. Betroffen sind Forschungsaktivitäten des Technologiekonzerns. Zwei Büros in Tel Aviv und Haifa sollen im Zuge einer strategischen Neuausrichtung geschlossen werden. Damit beendet ein großes deutsches Industrieunternehmen seine eigenständige Forschungspräsenz in dem Land, das als einer der weltweit führenden Innovationsstandorte gilt. Das »Handelsblatt« berichtete.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der Bosch parallel weltweit Stellen abbaut. Während der Konzern in Deutschland rund 20.000 Arbeitsplätze streicht, erscheint die Schließung der israelischen Standorte zunächst als Randnotiz. Tatsächlich aber markieren die Schritte einen sichtbaren Rückzug aus einem wichtigen KI- und Start-up-Umfeld.
Bosch hatte seine Forschungsaktivitäten in Israel dem Bericht zufolge 2018 aufgebaut und diese später in das Bosch Centre of Artificial Intelligence integriert. An den Standorten arbeiteten zeitweise rund 30 Fachkräfte an Projekten rund um künstliche Intelligenz, Sensorik und Automatisierungstechnologien. Ziel war es, eng an das israelische Start-up-Ökosystem angebunden zu sein und technologische Entwicklungen frühzeitig zu nutzen.
Strategische Neuausrichtung und neue Schwerpunkte
Aus Unternehmenskreisen heißt es, die Entscheidung stehe im Zusammenhang mit einer globalen Bündelung der KI-Forschung. Die Entwicklungsarbeit solle künftig stärker in etablierten Zentren in den USA, Europa und zunehmend auch in China konzentriert werden. Besonders die wachsende Bedeutung chinesischer KI-Standorte wird dabei als strategischer Faktor hervorgehoben.
Für Israel bedeutet dieser Schritt laut »Handelsblatt« einen Einschnitt, auch wenn Bosch weiterhin mit anderen Einheiten im Land vertreten bleibt. Dazu zählen etwa die Tochterunternehmen BSH Hausgeräte, Bosch Rexroth mit der Firma Elmo Motion Control sowie die Beteiligungsgesellschaft Bosch Ventures, die weiterhin in Start-ups investiert. Die klassische Forschung und Entwicklung jedoch wird zurückgefahren.
Intern wurde die Schließung bereits Anfang 2026 kommuniziert, die endgültige Umsetzung ist für Ende Juni vorgesehen. Insgesamt sind rund zehn Beschäftigte direkt betroffen. Offiziell begründet das Unternehmen den Schritt mit fehlender wirtschaftlicher Tragfähigkeit der Standorte.
Industrielle Anwendungen
In dem Bericht wird ein Unternehmensvertreter zitiert, der erklärt, man habe sich zur Bündelung der KI-Kompetenzen entschlossen. Zudem sei die Robotics-Forschung neu ausgerichtet worden und konzentriere sich künftig stärker auf industrielle Anwendungen in der Fabrikautomation.
Neben strategischen Überlegungen spielen die Rahmenbedingungen vor Ort eine Rolle. Seit den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023 hat sich das Umfeld für internationale Unternehmen in Israel spürbar verändert. Insbesondere die Sicherheitslage erschwert langfristige Personalplanung und Rekrutierung aus dem Ausland.
Fachkräfte aus Deutschland seien zunehmend schwerer für einen Umzug nach Israel zu gewinnen, heißt es aus dem Umfeld deutsch-israelischer Wirtschaftsbeziehungen. Besonders Familien scheuten das Risiko eines längeren Aufenthalts in einem Konfliktgebiet. Dadurch werde auch der Aufbau stabiler Teams erschwert. im