Gaza

Bericht: Hamas stimmt Interimsregierung zu

Die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen Foto: picture alliance / Xinhua News Agency

Es wäre ein echter Durchbruch: Einem Bericht von David Ignatius in der »Washington Post« zufolge stimme die Hamas in der zweiten Phase eines Plans, der den Krieg beenden und die Freilassung der verbleibenden Geiseln herbeiführen würde, einer Interimsregierung zu. Während die israelischen Vermittler am Donnerstagmittag aus Katar zurückkehrten, gab es aus Jerusalem noch keinen offiziellen Kommentar zu den Fortschritten bei den Gesprächen.

Allerdings äußerte sich der Sprecher der nationalen Sicherheit des Weißen Hauses, John Kirby: »Wir sind vorsichtig optimistisch, dass sich die Dinge in eine gute Richtung bewegen.« Es bestünden immer noch Lücken zwischen den beiden Seiten, »aber wir glauben, dass diese Lücken verkleinert werden können«.

Truppe von etwa 2500 Unterstützern der PA

In dem Artikel von Ignatius wird eine Quelle innerhalb der Biden-Regierung zitiert, die mit den aktuellen Gesprächen in Katar vertraut ist. Demzufolge solle der Plan zu der »Übergangsregierung« im Gazastreifen weder auf Hamas- noch auf israelischen Streitkräften basieren. Stattdessen sehe er eine Truppe von etwa 2500 Unterstützern der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) vor, die nach einer Ausbildung durch amerikanische Beamte mit Sicherheitsfragen betraut werden. Die PA besteht aus Palästinensern der Fatah-Partei.

Die Quelle erklärte zudem, dass die Unterstützer der PA aus dem Gazastreifen kommen sollen. Sie seien sogar bereits von Israel identifiziert und bestätigt worden, hieß es weiter. Die Hamas habe den Vermittlern aus Ägypten und Katar in Unterredungen mitgeteilt, sie sei »bereit, die Kontrolle aufzugeben und eine Übergangsregelung zu akzeptieren«.

Es gebe allerdings noch Hindernisse bis zu einem endgültigen Durchbruch, und die Verhandlungen über die Einzelheiten des Abkommens würden Zeit brauchen, schreibt der Autor. Als Grund für den Sinneswandel der Terrororganisation im Gazastreifen gibt der US-Beamte den Mangel an Munition und Vorräten der Hamas an. Außerdem stünde die Gruppe unter zunehmendem Druck durch die Zivilisten in der Enklave, die einen Waffenstillstand forderten.

In einigen arabischen Medien wurden die Gründe für den mutmaßlichen Erfolg bei den Gesprächen anders präsentiert. So zitierte beispielsweise die israelische Tageszeitung Haaretz den palästinensischen Kommentator Ashraf Bader: »Die gegenwärtigen Bedingungen lassen darauf schließen, dass man bereit ist, eine Einigung über Gaza zu erzielen, angesichts der mehrfach zum Ausdruck gebrachten Ermüdung der israelischen Armee.« Die Verluste der Hamas indes kommentierte Bader nicht.

»Die Befreiung der Geiseln ist die höchste moralische Verpflichtung und das erklärte Ziel des Krieges.«

verteidigungsminister yoav gallant

Der Artikel in der Washington Post resümiert, der Durchbruch sei gekommen sei, nachdem die Hamas von ihrer Forderung nach einer schriftlichen Garantie aus Jerusalem für ein Kriegsende Abstand genommen habe. Sie sei nun angeblich bereit, während der ersten sechswöchigen Phase des Abkommens Gespräche zu diesem Zweck zu führen und habe erklärt, die von US-Präsident Joe Biden vorgelegten Stufen des Deals zu akzeptieren. Der UN-Sicherheitsrat hatte diesen Plan vor einigen Wochen ebenfalls angenommen.

Auch der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant (Likud) ließ am Mittwoch Zuversicht durchblicken: »Israel hat die Pflicht, seine Geiseln nach Hause zurückzubringen, während die IDF-Soldaten für die Vernichtung der Hamas kämpfen«, sagte er. »Dies ist die höchste moralische Verpflichtung und das erklärte Ziel des Krieges.« Er betonte, das entschlossene Vorgehen der IDF in Gaza habe die Voraussetzungen geschaffen, die zur Freilassung der Geiseln führen könnten.

Risiken werden von Sicherheitsorganen gehandhabt

Es habe sich »ein begrenztes Zeitfenster für die Freilassung der Geiseln geöffnet«. Die daraus entstehenden Risiken würden von der israelischen Armee und anderen Sicherheitsdiensten gehandhabt. Dabei könnte er sich auf die Freilassung von vielen palästinensischen Sicherheitsgefangenen beziehen, worauf die Hamas im Gegenzug für die Befreiung der Geiseln besteht. Die Bedingungen nach dem Abkommen zwischen der Hamas und Israel würden Israels nationale und Sicherheitsinteressen fördern, fasste Gallant zusammen.

Die Berichte über die Fortschritte bei den Verhandlungen in Doha sei Finanzexperten zufolge sogar Grund für den Höhenflug der nationalen Währung Schekel. Er legte gegenüber dem US-Dollar und dem Euro zu. Auch die Tel Aviver Börse schloss am Mittwoch mit Zahlen, die fast ein Rekordniveau erreichten. Die Zeichen stehen auf Hoffnung.

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Washington D.C.

US-Regierung wirft PA fortgesetzte Zahlungen von Terror-Renten vor

Im vergangenen Jahr hat die Autonomiebehörde nach amerikanischen Angaben 156 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) an Terroristen ausgezahlt

 30.04.2026

Sabine Brandes

Unsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir

Dass ein solcher Extremist die innere Sicherheit Israels verantwortet, ist ein Offenbarungseid

 30.04.2026

Gaza

Die Hamas rüstet wieder auf

Die Terrororganisation festigt ihre Macht und nutzt die Ablenkung durch den Iran-Krieg, um sich auch militärisch neu aufzustellen

von Sabine Brandes  30.04.2026

Studie

Lebenshaltungskosten in Israel übertreffen selbst wohlhabende EU-Staaten deutlich

Das Preisniveau drückt den Lebensstandard im Land und könnte langfristig sogar Auswanderung begünstigen

 30.04.2026

Nahost

Israel zerstört größten bekannten Terror-Tunnel im Süden des Libanon

Die Explosion war in weiten Teilen der Grenzregion bis in die Golanhöhen zu hören

 30.04.2026

Glosse

Tipps und Tricks für Judenhasser

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Eine Handreichung

von Daniel Neumann  30.04.2026

Nord-Israel

Generalstabschef: »An der Front gibt es keine Waffenruhe«

»Ihr kämpft weiter, um direkte und indirekte Bedrohungen für die nördlichen Gemeinden zu beseitigen«, sagt Eyal Zamir beteiligten Soldaten

 30.04.2026

Wahlkampf

Naftali Bennett kündigt »israelische Renaissance« an

Einer der Kernpunkte des Wahlprogramms ist die Anwerbung von rund einer Million neuer Einwanderer innerhalb eines Jahrzehnts

 30.04.2026