Jerusalem

Begnadigung für Netanjahu: Justizministerium äußert »erhebliche Bedenken«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu müsste sich grundsätzlich schuldig bekennen, damit eine Begnadigung möglich wäre. Foto: copyright (c) Flash90 2026

Ein internes Gutachten aus dem israelischen Justizministerium stellt die Möglichkeit einer Begnadigung von Premierminister Benjamin Netanjahu durch Staatspräsident Isaac Herzog infrage. Die Begnadigungsabteilung des Ministeriums äußert erhebliche Bedenken hinsichtlich der rechtlichen Grundlage eines solchen Schritts. »Arutz Sheva« und andere israelische Medien berichteten.

Im Zentrum der juristischen Einschätzung steht der Umstand, dass Netanjahu im Zusammenhang mit seinem Begnadigungsantrag kein Schuldeingeständnis abgegeben hat. In dem Dokument heißt es: »Das Fehlen eines Geständnisses seitens Netanjahu ist keine nebensächliche Angelegenheit. Die über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen der Begnadigungsabteilung bei der Bearbeitung von Begnadigungsanträgen zeigen, dass Geständnis und Begnadigung miteinander verknüpft sind.«

Die Autoren warnen zudem vor möglichen Folgen für das politische System. Eine Begnadigung unter den derzeitigen Umständen könne grundlegende Prinzipien der öffentlichen Ordnung beeinträchtigen.

Lesen Sie auch

In dem Gutachten wird außerdem auf die besondere Stellung des Regierungschefs verwiesen. »Angesichts des hohen Status von Herrn Netanjahu könnte ein so schwerwiegender Verstoß gegen die Prinzipien der Gleichheit und der Gewaltenteilung (...) das Vertrauen der Öffentlichkeit sowohl in das Institut der Begnadigung als auch in das Amt des Präsidenten schwer beschädigen.«

Darüber hinaus warnen die Juristen vor möglichen gesellschaftlichen Folgen. »Dies könnte auch die Gräben und die Polarisierung zwischen verschiedenen Teilen der Gesellschaft im Staat vertiefen.«

Der zuständige Minister für Kulturerbe, Amichai Eliyahu, erhielt das Gutachten am Mittwoch offiziell. Er ist mit dem Vorgang betraut, nachdem sich Justizminister Yariv Levin wegen eines möglichen Interessenkonflikts aus der Behandlung der Angelegenheit zurückgezogen hatte.

Nach Erhalt der juristischen Einschätzung kündigte Minister Eliyahu an, nun eine Reihe ausführlicher Konsultationen mit verschiedenen Stellen zu führen. Seine Empfehlung gilt als letzter Schritt, bevor der Antrag schließlich Staatspräsident Herzog zur endgültigen Entscheidung vorgelegt wird. im

Umfrage

Waffenruhen mit Iran und Hisbollah: Israelis pessimistisch

Weniger als 40 Prozent sagen, sie hätten die erfolgten Militäreinsätze unterstützt, wenn ihnen die Entwicklungen im Voraus bekannt gewesen wären

 17.04.2026

Studie aus Israel

KI treibt Arbeitslosigkeit bei Programmierern und Verkäufern nach oben

Bei Programmierern gehen zwischen 12 und 20 Prozent des jüngsten Anstiegs der Erwerbslosigkeit auf den Einsatz künstlicher Intelligenz zurück

 17.04.2026

Bildung im Krieg

Israel lockert Abiturprüfungen wegen Kriegslage – Sonderregeln für den Norden

Die Maßnahmen schließen eine »flexiblere Berechnung« von schulischen Leistungen mit ein

 17.04.2026

Nahost

Details zur Waffenruhe zwischen Israel und Libanon veröffentlicht

Ein Sechs-Punkte-Plan soll zunächst zehn Tage lang für Ruhe sorgen. Die Einzelheiten

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Nahost

Trump verkündet zehntätige Waffenruhe im Libanon

Zuvor habe es Gespräche mit Israels Premier Netanjahu und Libanons Präsidenten Aoun gegeben

 16.04.2026 Aktualisiert

Hintergrund

Hickhack um Friedensgespräche - und eine zehntägige Feuerpause

Nachdem Präsident Trump direkte Verhandlungen erzwingen wollte, setzte er sich schließlich mit einem Waffenstillstand zwischen Israel und der Hisbollah durch

von Sabine Brandes  16.04.2026

Kriminalität

Israel geht gegen kriminelle arabische Clans vor

Die israelische Polizei geht landesweit gegen vorwiegend arabische organisierte Verbrecherstrukturen vor

von Sabine Brandes  16.04.2026

Wetter

Hochsommer im April

Hitzewelle lässt Temperaturen in Israel auf bis zu 40 Grad steigen – Meteorologen sprechen von ungewöhnlich frühen Extremwerten

von Sabine Brandes  16.04.2026

Diplomatie

Libanons Präsident Aoun will nicht mit Netanjahu telefonieren

Eigentlich befinden sich Israel und der Libanon im Kriegszustand. Einige Zeichen deuten auf einen möglichen Durchbruch hin im Konflikt mit der Hisbollah. Aber Hürden bleiben

 16.04.2026