Washington D.C./Tel Aviv

Netanjahu-Begnadigung: Trump greift Herzog erneut scharf an

US-Präsident Trump hat für seine Forderung an Präsident Herzog sehr scharfes Vokabular gewählt. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

US-Präsident Donald Trump hat Israels Staatspräsident Isaac Herzog erneut heftig kritisiert und ihm im Zusammenhang mit der möglichen Begnadigung von Premierminister Benjamin Netanjahu Schwäche vorgeworfen.

In einem Interview mit dem israelischen Sender Kanal 12 brachte Trump das Thema selbst zur Sprache und attackierte Herzog wegen dessen Umgang mit dem Begnadigungsantrag Netanjahus. Der Präsident Israels hatte erklärt, er müsse vor einer Entscheidung zunächst mehrere juristische Stellungnahmen einholen.

Trump reagierte darauf mit scharfen Worten. »Er braucht keine juristischen Gutachten – er redet Unsinn«, sagte der US-Präsident. »Er ist ein schwacher und erbärmlicher Mensch. Ich will, dass Bibi sich auf den Krieg konzentriert – nicht auf diesen Unsinn.« Der amerikanische Präsident benutzte auch vulgäres Vokabular.

Äußerer oder innerer Druck

Der Konflikt zwischen Washington und dem israelischen Staatsoberhaupt über diese Frage schwelt bereits seit Wochen. Trump hatte Herzog mehrfach öffentlich aufgefordert, Netanjahu zu begnadigen. Schon zuvor hatte er ihn deshalb als »Schande« bezeichnet und erklärt, der Präsident müsse sich »schämen«, weil er bisher keine Begnadigung ausgesprochen habe.

Lesen Sie auch

Trump behauptete wiederholt, Herzog habe ihm persönlich zugesagt, Netanjahu zu begnadigen. Das Präsidialamt in Jerusalem wies diese Darstellung zurück. Aus dem Umfeld Herzogs hieß es zuletzt, er respektiere Trump zwar, werde seine Entscheidung jedoch »ohne Einfluss von äußerem oder innerem Druck« treffen.

Der Begnadigungsantrag war im November von Netanjahus Anwälten eingereicht worden. Über ihn hat Herzog bislang nicht entschieden.

Nicht erfüllt

Berichten israelischer Medien zufolge kam die Begnadigungsabteilung des Justizministeriums inzwischen zu dem Schluss, dass die Voraussetzungen für einen solchen Schritt derzeit nicht erfüllt seien. Als problematisch gilt vor allem, dass Netanjahus Korruptionsprozess noch läuft und er weder schuldig gesprochen wurde noch ein Schuldeingeständnis abgelegt hat.

Zwar hat Israels Oberster Gerichtshof in der Vergangenheit festgestellt, dass Begnadigungen theoretisch auch vor einem Urteil möglich sind. Voraussetzung ist jedoch in der Regel, dass der Antragsteller die ihm vorgeworfenen Taten einräumt – was im Fall Netanjahu bislang nicht geschehen ist.

Unterdessen äußerte sich Trump im selben Interview auch zum Krieg gegen den Iran. Die Kämpfe könnten seiner Einschätzung nach bald enden. »Es ist fast nichts mehr übrig, was man im Iran angreifen könnte. Hier und da noch ein bisschen. In dem Moment, in dem ich will, dass es endet, wird es enden«, sagte der Präsident. Zudem erklärte er nach einem Gespräch mit Netanjahu: »Der Krieg läuft sehr gut. Wir sind dem Zeitplan weit voraus. Wir haben mehr Schaden angerichtet, als wir dachten, sogar innerhalb der ursprünglich vorgesehenen sechs Wochen.« im

Nahostkonflikt

Donald Trump lobt sich selbst - und tadelt Israel

Beim G7-Gipfel im französischen Evian holte der US-Präsident erneut zu einem rhetorischen Rundumschlag aus. Anstelle von Benjamin Netanjahu lobte er Syriens Präsident Ahmed Al-Scharaa

 16.06.2026

Berlin

YouGov-Umfrage: AfD neun Prozentpunkte vor der Union

Die Partei nähert sich in einer neuen Umfrage der 30-Prozent-Marke. Der Vorsprung auf die Union ist in der Erhebung so groß wie noch nie

 16.06.2026

Berlin

Trotz Zusage: AfD-Politiker darf nicht in gehobenen Dienst

Ein AfD-Kommunalpolitiker bewirbt sich für ein Polizeistudium. Dann erfährt das Land Berlin von seinem politischen Amt und zieht die Zusage zurück. Ein Gericht hat nun vorläufig entschieden

 16.06.2026

Debatte

Politologe: AfD als rechtsextrem zu bezeichnen, schreckt kaum noch Wähler ab

In Hessen stufte der Verfassungsschutz die Partei als rechtsextremen Verdachtsfall ein. Das bestärke die AfD in ihrer Opferrolle, meint Professor Christian Stecker

 16.06.2026

Berlin

JFDA veröffentlicht Dossier zur Parole »Globalize the Intifada«

Die NGO beschäftigt sich mit der Bedeutung und Wirkung des Slogans, der in den vergangenen Monaten bei israelfeindlichen Demonstrationen verwendet worden ist

 16.06.2026

Essen

Schüler wollte Juden ermorden: Islamistischer Messerangreifer vor Gericht

Dem Angeklagten wird dreifacher versuchter Mord vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft beabsichtigte er, möglichst viele Juden zu töten, fand aber keine

 16.06.2026

USA

Jüdische Organisationen kritisieren Iran-Abkommen

Trump sei »so fixiert darauf gewesen, ein Abkommen mit dem Iran zu erreichen, dass er ohne jede Scheu bereit war, Israel beiseitezuschieben«, sagt Halie Soifer, die Vorsitzende des Jewish Democratic Council of America

 16.06.2026

Interview

»Mir wurde immer wieder vorgeworfen, ich sei zu proisraelisch«

Der Schweizer Politiker und Ständerat Daniel Jositsch über die wahren Gründe für seinen Austritt aus der SP, postkoloniale Irrwege und den Antisemitismus innerhalb der Linken

von Nicole Dreyfus  16.06.2026

Heemstede

Niederländische Polizei vereitelt Anschlag auf Synagoge

Zwei Jugendliche und zwei Erwachsene befinden sich in Haft. Ziel des geplanten Anschlags soll ein jüdisches Gotteshaus gewesen sein

 16.06.2026