Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Beny Steinmetz Foto: Flash 90

Hummus-Rabatt
Israelis sind bekanntlich süchtig nach ihren Handys und Smartphones. Das kann gelegentlich nervig werden. Jawdat Ibrahim, Restaurantbesitzer in der arabischen Kleinstadt Abu Gosch westlich von Jerusalem, hatte deswegen eine brillante Marketingidee: Wer sein Mobiltelefon während des Essens ausschaltet, bekommt satte 50 Prozent Rabatt. Ibrahim findet, dass die Unsitte, ständig zu telefonieren, zu fotografieren oder SMS zu schreiben, die Esskultur zerstört hat. Der 49-Jährige kann sich den großzügigen Rabbat leisten: In den 80er-Jahren gewann er 23 Millionen US-Dollar im Lotto und investierte einen Teil davon in sein bei Juden, Arabern und Touristen gleichermaßen beliebtes Hummus-Restaurant. Vor dreieinhalb Jahren brachte er Israel ins Guinness-Buch der Rekorde, indem er mit 50 weiteren Köchen und vielen Freiwilligen den größten Hummusteller der Welt – mit 9000 Pfund Hummus, serviert auf einer Satellitenschüssel – kreierte und damit den bisher vom Libanon gehaltenen Rekord brach. Ob der Verzicht aufs Telefonieren Ibrahims Gäste dazu bringt, die in seinem Restaurant üblichen riesigen Portionen tatsächlich aufzuessen, ist hingegen eine andere Frage.

Solarenergie
Sonnige Aussichten. Der Energiekonzern »Bright Source« will im nächsten Jahr mit dem Bau einer Solaranlage in der Negevwüste beginnen. Ab 2016 soll die »Aschalim«-Anlage 121 Megawatt erzeugen und 40.000 Haushalte mit Strom versorgen. Geplant ist keine herkömmliche Fotovoltaik-Anlage. Vielmehr werden riesige Spiegel, sogenannte »Heliostaten«, die Sonnenstrahlen auf einen Turm lenken, in dem dadurch Wasserdampf erzeugt wird, der wiederum Turbinen antreiben soll. Nach Angaben von »Bright Source« handelt es sich um die weltweit größte Anlage dieser Art. Der mit Wasser gefüllte Turm könne zur Not auch ohne Sonnenlicht erhitzt werden. »Bright Source Energies« wurde 2004 von Arnold J. Goldmann im US-Bundesstaat Kalifornien gegründet. Einer der fünf Firmensitze liegt in Jerusalem.

Karstadt-Verkauf
Der Diamanten-Tycoon Beny Steinmetz hat sich mit 37,55 Prozent in das sogenannte Premium-Segment der deutschen Kaufhauskette Karstadt (Alsterhaus, KaDeWe, Karstadt-Sports) eingekauft, wie das Manager-Magazin berichtet. Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen besitzt nach diesem Deal nur noch 24,9 Prozent des Unternehmens, weitere Anteile gingen an den Österreicher René Benko. Der in Netanja geborene Multimilliardär Steinmetz gilt als der reichste Israeli und ist unter anderem im Immobiliengeschäft sowie im Rohstoffinvestment tätig. Er besitzt Grundstücke in Kasachstan, Russland und Osteuropa. In Rumänien will er demnächst die größte Goldmine Europas in Betrieb nehmen. Der 57-Jährige, der seinen Hauptwohnsitz in Genf hat, steht wegen seiner Geschäftspraktiken unter heftiger Kritik. So soll er sich 2008 im westafrikanischen Guinea durch Korruption Erzschürfrechte bei dem damaligen Diktator Lansana Conté gesichert haben. Aus diesem Grund ermitteln sowohl die Schweizer Staatsanwaltschaft als auch das FBI gegen ihn. Steinmetz streitet alle Vorwürfe ab. Er und Benko wollen nun 300 Millionen Euro in das kriselnde Karstadt-Unternehmen investieren.

Arbeitspartei
Aus für Schelly Jachimowitsch. Die 53-Jährige ist nicht mehr Vorsitzende der Arbeitspartei (Awoda). Die Mitglieder wählten vor einer Woche mit 58,5 Prozent der Stimmen Yitzhak Herzog zum neuen Vorsitzenden. Jachimowitsch, die diese Funktion seit 2011 innehatte, kam hingegen nur auf 41,5 Prozent. Yitzhak Herzog ist der Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten Chaim Herzog. Der 1960 geborene Rechtsanwalt war von 1999 bis 2001 Kabinettssekretär unter der Regierung Ehud Barak und ist seit 2003 Knessetabgeordneter. Seitdem hatte er mehrere Ministerposten inne, zuletzt als Sozialminister im Kabinett von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Allerdings trat er im Januar, nach der Spaltung der Arbeitspartei, von seinem Ministerposten zurück.

Nachruf
Alexander Spiegelblatt, einer der letzten jiddischsprachigen Dichter, ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Am Dienstag wurde er auf dem Segula-Friedhof in Petach Tikva beigesetzt. Spiegelblatt kam 1927 in der Bukowina zur Welt. 1941 wurde seine Familie von den mit den Deutschen verbündeten Rumänen nach Transnistrien deportiert. Er überlebte die Schoa, arbeitete nach dem Krieg in Bukarest als Lektor und durfte 1964 endlich nach Israel ausreisen. Die Erfahrungen seines Lebens verarbeitete er in zahlreichen Erzählungen auf Jiddisch. Der Schriftsteller Marko Martin schrieb über Spiegelblatts Prosa: »Dieser Chronist ist ein Poet, der für die Schrecken des Vergangenen und doch nie Vergehenden Worte findet, die sich dem Kryptischen verweigern und noch in ihren schmerzhaftesten Suchbewegungen von beeindruckender Transparenz sind. Nie verliert er sich in epischer Breitpinselei«. 2010 erschienen vier Erzählungen von Alexander Spiegelblatt unter dem Titel Schatten klopfen ans Fenster auf Deutsch, in der Übersetzung von Kay Schweigmann-Greve.

Israel

Ein Toter und 24 Verletzte bei Explosion von Blindgänger

Ein mutmaßlicher Blindgänger explodiert in Nordisrael. Es gibt ein Todesopfer und zahlreiche Verletzte. Berichten zufolge waren Schüler und ein Lehrer in der Gegend gewandert

 12.10.2026

Korruption

Bestechungsring in der Vorstadt

Umschläge voller Bargeld, Luxusuhren und teure Autos: Der Bürgermeister von Kfar Saba und seine Frau sollen Geschäftsleuten gegen Zahlungen lukrative Aufträge verschafft haben. 17 Verdächtige wurden festgenommen

von Sabine Brandes  12.10.2026

Gesellschaft

Herzog: Gewalt übersteigt Kapazitäten der Polizei

Israels Präsident nennt die Kriminalität in arabischen Gemeinden eine Katastrophe. Die Aufklärungsquote bei Tötungsdelikten liegt bei nur zwölf Prozent

von Sabine Brandes  12.10.2026

Avi Gil (in Uniform), links von Benjamin Netanjahu

Explosives Interview

»Die Geiseln hätten früher zurückkehren können«

Der ehemalige Militärsekretär des Premiers, Avi Gil, erhebt schwere Vorwürfe: Warnungen vor dem 7. Oktober seien ignoriert, Abkommen aus politischen Gründen verhindert und Protokolle manipuliert worden. Netanjahu weist die Anschuldigungen zurück

von Sabine Brandes  11.10.2026

Nahost

IDF: Terrorinfrastruktur in Gaza zerstört

Israelische Armee und Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben im Gazastreifen Waffenlager, eine Raketenabschussrampe und eine Kommandozentrale zerstört. Verteidigungsminister Katz droht dem neuen Hamas-Chef

 11.10.2026

Passagiere am Flydubai-Schalter am Ben-Gurion-Flughafen Tel Aviv, 30. September

Vereitelter Terroranschlag

Flydubai-Passagiere wollen auf Hunderte Millionen klagen

Nach dem versuchten Anschlag an Bord des Fluges nach Tel Aviv bereiten Israelis Klagen gegen die Airline und möglicherweise mehrere Staaten vor

von Sabine Brandes  11.10.2026

Gesellschaft

Hamas-Massaker überschattet Israels Wahlkampf

Die meisten Israelis sehen den 7. Oktober als wichtigen Faktor für ihre Wahlentscheidung. Umfragen zeigen, dass weder Netanjahus Lager noch die Opposition die Mehrheit erhält

von Sabine Brandes  11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Nahost

Der Lieberman-Plan

Soll das Westjordanland neu verwaltet werden?

von Sabine Brandes  10.10.2026