Israel

Abriss hat begonnen

Abriss illegaler Gebäude im Ost-Jerusalemer Viertel Sur Baher Foto: Flash 90

Nach einem sieben Jahre dauernden Rechtsstreit kamen die Abrissbagger. Die israelische Armee hat in der Nacht zum Montag damit begonnen, mehrere illegal errichtete palästinensische Gebäude in dem Ost-Jerusalemer Viertel Sur Baher zu zerstören. Zuvor hatte der Oberste Gerichtshof in Israel sein Einverständnis gegeben.

Die Demolierung der Gebäude, die in unmittelbarer Nähe des Sicherheitswalls gebaut wurden, liegen zwar diesseits der Grenze, gehören aber zum Westjordanland und damit zum Gebiet A, das der Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) unterliegt. Sie befinden sich in dem sogenannten Wadi Al Hummus. Einige von ihnen sind noch nicht fertiggestellt. Das Verteidigungsministerium hatte argumentiert, dass die Gebäude zu nahe an der Mauer lägen und ein Sicherheitsrisiko darstellten.

evakuierung Entsprechend eines Berichts des Fernsehkanals zwölf waren Hunderte von Soldaten, Grenzpolizisten und andere Sicherheitskräfte gegen vier Uhr morgens angerückt und hatten mit der Evakuierung der Gebäude begonnen, in denen sich insgesamt 72 Wohnungen befinden sollen. Nach dem Gerichtsurteil hatte die israelische Armee den palästinensischen Bewohnern eine 30-tägige Frist eingeräumt, um die Häuser zu verlassen.

Nach dem Gerichtsurteil hatte die israelische Armee den palästinensischen Bewohnern eine 30-tägige Frist eingeräumt, um die Häuser zu verlassen.

Zuvor hatten Anwohner vor dem Gerichtshof geklagt, um die Räumung abzuwenden. Sie begründeten ihre Forderung damit, dass es »nahezu unmöglich ist, Baugenehmigungen in Ost-Jerusalem zu erhalten, und daher ein großer Mangel in den arabischen Vierteln der Stadt herrscht«. Aus diesem Grund seien die Gebäude etwas außerhalb in der Nähe der Sicherheitsmauer gebaut worden. Mehrere Bewohner seien laut dem Bericht der Aufforderung zur Räumung nicht nachgekommen. Ihnen hätten sich Aktivisten der Organisation »All That’s Left«, die gegen die Besatzung agiert, angeschlossen. Vor der Zerstörung räumten Soldaten die Gebäude.

Eine Woche zuvor hatte die PA mehrere Diplomaten von 20 meist europäischen Ländern durch die Gegend geführt und sie aufgerufen, Druck auf Jerusalem auszuüben, damit die Häuser nicht dem Erdboden gleichgemacht würden. Mehrere Palästinenser gaben dabei an, nach der Zerstörung obdachlos zu werden.

erklärung Die Vereinten Nationen veröffentlichten eine Erklärung: »Abrisse und Zwangsräumungen sind eines von zahlreichen Druckmitteln, die ein Risiko für den erzwungenen Transfer von vielen Palästinensern im Westjordanland darstellen. Die Bewohner von Ost-Jerusalem und den angrenzenden Gebieten sind davon besonders betroffen.« Der Brief warnt davor, dass die Vertreibung der Schwächsten traumatisch sei und langfristige Konsequenzen haben werde.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der israelische Minister für Strategische Angelegenheiten und Sicherheit, Gilad Erdan, äußerte sich ebenfalls: »Der Abriss der illegalen und größtenteils unbewohnten Gebäude, der gerade in Wadi Al Hummus in dem Dorf Sur Baher in Jerusalem stattfindet, ist vom Obersten Gerichtshof genehmigt worden. Dieser hat geurteilt, dass der unrechtmäßige Bau eine bedeutende Gefahr für die Sicherheit darstellt und Terroristen Unterschlupf bieten kann.« Erdan fügte hinzu, dass diejenigen, die die Gebäude errichtet hatten, wussten, dass es illegal ist. »Sie haben das Gesetz in die eigene Hand genommen.«

Nahost

Iran richtet zwei Männer hin

Den Verurteilten wurde vorgeworfen, für den Mossad spioniert zu haben. Menschenrechtler sprechen jedoch davon, dass es sich um politische Gefangene gehandelt habe

 20.04.2026

Nord-Israel

Kiryat Schmona: Bewohner demonstrieren gegen Waffenruhe mit Hisbollah

Die Demonstranten werfen der Regierung vor, die Sicherheitsinteressen des Nordens preiszugeben

 20.04.2026

Staatsbesuch

Milei sagt Israel Unterstützung zu – Direktflüge und Botschaftsumzug angekündigt

Neben der Politik kommt die Kultur nicht zu kurz: Für eine israelische Fernsehsendung zum morgigen Jom Haatzmaut singt der argentinische Präsident einen Song

 20.04.2026

Bevölkerungswachstum

Mehr als 10,2 Millionen Menschen leben in Israel

Wie setzt sich die Bevölkerung des Landes heute zusammen?

 20.04.2026

TV-Tipp

Der Elvis der Violine

Ivri Gitlis ist ein Phantom. Er bespielte mit seiner Geige die großen Bühnen und musizierte mit den Stars der Musikbranche. Seinen Namen kennen heute aber nur die wenigsten. Eine Arte-Doku begibt sich auf Spurensuche

von Manfred Riepe  19.04.2026

Gesellschaft

IDF: Drei Wochen Gefängnis fürs Grillen

In der Armee mehren sich Strafen wegen des Nichteinhaltens »religiöser Disziplin«. In der Bevölkerung sorgt dies für Empörung über Ungleichbehandlung

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

Mehr als 1000 Prominente verteidigen Israels ESC-Teilnahme

Helen Mirren, Amy Schumer und Co: Internationale Persönlichkeiten unterzeichnen einen offenen Brief

von Sabine Brandes  19.04.2026

Eurovision Song Contest

»Der Künstler aus Israel kann per se natürlich nichts dafür, dass er aus Israel kommt, aber …«

Der deutsche Sänger und frühere ESC-Teilnehmer Michael Schulte ruft Israel zum freiwilligen Verzicht auf seine Teilnahme am Eurovision Song Contest auf

 19.04.2026

Nahost

»Der Iran ist sehr geschwächt«

Wie Experten die Entwicklung und Folgen des Krieges derzeit einschätzen

von Sabine Brandes  19.04.2026