Eurovision Song Contest

Mehr als 1000 Prominente verteidigen Israels ESC-Teilnahme

Der Eurovision Song Contest versteht sich seit jeher als unpolitisches Spektakel – als glitzernde Bühne für Pop, Pathos und paneuropäische Verständigung. Eigentlich … Doch wenn es um Israel geht, meinen viele, der Gesangswettbewerb dürfe durchaus politisiert werden, und rufen zum Boykott auf. Doch nun formiert sich prominenter Widerstand – in Form eines offenen Briefs, unterzeichnet von mehr als 1000 Persönlichkeiten aus der internationalen Unterhaltungsbranche.

Nach den von der Hamas angeführten Massakern am 7. Oktober 2023 und dem daraus resultierenden Krieg wurden vermehrt Forderungen laut, Israel aufgrund der Zerstörungen im Gazastreifen vom Eurovision Song Contest auszuschließen. Der Sänger JJ aus Österreich, Sieger im Jahr 2025, »hofft«, dass Israel ausgeschlossen wird. Spanien, Slowenien, Irland und die Niederlande zogen ihre Teilnahme am diesjährigen Wettbewerb zurück, nachdem der Veranstalter Boykottaufrufe gegen Israel zurückgewiesen hatte.

Initiiert wurde der aktuelle Unterstützerbrief von der Organisation Creative Community for Peace. Zu den Unterzeichnern zählen bekannte Namen aus Hollywood und der Musikindustrie wie die Schauspieler Helen Mirren, Liev Schreiber, Amy Schumer, Mila Kunis und der Sänger Matisyahu.

Die Botschaft der Prominenten ist eindeutig

Ihre Botschaft ist eindeutig: »Wir sind schockiert und enttäuscht darüber, dass einige Mitglieder der Unterhaltungsbranche fordern, Israel wegen seiner Reaktion auf das größte Massaker an Juden seit dem Holocaust vom Wettbewerb auszuschließen«, heißt es in dem Schreiben. »Diese aktuelle Eskalation ist kein Krieg, den Israel wollte oder begonnen hat. Israel zu bestrafen, wäre eine Verdrehung der Tatsachen.«

Die Breite der Unterzeichnerliste – Stimmen aus Film, Fernsehen und Musik, vom Oscar-Preisträger bis zu einflussreichen Musikmanagern – unterstreicht den Anspruch, hier nicht nur individuell, sondern als Branche zu sprechen.

Einige der Beteiligten äußerten sich auch persönlich zu dem Schreiben. Amy Schumer etwa betonte, dass Kunst nicht zum Instrument politischer Ausgrenzung werden dürfe. Helen Mirren hob hervor, dass kulturelle Plattformen gerade in Krisenzeiten Räume des Dialogs offenhalten müssten. Andere Unterzeichner argumentierten, ein Ausschluss Israels würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen.

»Diejenigen, die Israels Ausschluss fordern, verfälschen den Geist des Wettbewerbs und machen ihn von einem Fest der Einheit zu einem politischen Instrument.«

»Darüber hinaus sind wir der Überzeugung, dass verbindende Veranstaltungen wie Gesangswettbewerbe entscheidend dazu beitragen, kulturelle Gräben zu überbrücken und Menschen aller Herkunft durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik zusammenzubringen«, heißt es weiter in dem Brief. »Diejenigen, die Israels Ausschluss fordern, verfälschen den Geist des Wettbewerbs und machen ihn von einem Fest der Einheit zu einem politischen Instrument.«

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Dass der Wettbewerb politisch gelesen wird, ist kein neues Phänomen – gerade im Fall Israels. Seit Jahren kommt es zu Protesten, Boykottaufrufen und diplomatischen Spannungen wegen der israelischen Beiträge. Spätestens seit dem Sieg von Netta im Jahr 2018 und der darauffolgenden Austragung in Tel Aviv ist der Eurovision Song Contest auch eine Bühne für politische Botschaften geworden. Die offizielle Linie der European Broadcasting Union, den Wettbewerb unpolitisch zu halten, steht dabei zunehmend im Gegensatz zur Realität.

Währenddessen bereitet sich Israel auf den Wettbewerb vor. Der Sänger Noam Bettan wird das Land in Wien vertreten. Mit seinem Song »Michelle« tritt er im ersten Halbfinale am 12. Mai an. Das Finale wird am 16. Mai stattfinden.

Noam Bettan ist sich der symbolischen Bedeutung bewusst

Der 28-Jährige, der die Castingshow »HaKochav HaBa« (der nächste Star) gewann, gilt als vielsprachiges Talent, das zwischen Hebräisch, Englisch und Französisch wechselt. In Interviews betont er, wie sehr er sich der symbolischen Bedeutung seines Auftritts bewusst sei. Er wolle Israel würdig vertreten – nicht nur musikalisch, sondern auch als Stimme in einer aufgeheizten Debatte.

Bettan muss dabei mit Protesten, Drohungen und Buhrufen rechnen, ähnlich wie Eden Golan 2024 in Malmö und Yuval Raphael 2025 in Basel. Doch er habe sich darauf vorbereitet und sagt: »Ich werde für mein Land alles geben.«

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