Die Überschrift ist vielsagend: »‚Unser Mann im ‚Mossad‘« titelte die russische Zeitung »Kommersant« am Dienstag. Der Artikel handelte von Roman Gofmans Amtseinführung als 14. Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad und Nachfolger von David Barnea. In der Unterzeile war zwar zu lesen, Israels Geheimdienst werde jetzt von einem gebürtigen Sowjetbürger geleitet. Dennoch erweckte die Kommersant-Headline den Eindruck, Gofman sei Russe.
Tatsächlich ist Roman Gofman 1976 in (dem damaligen sowjetischen) Belarus geboren. Er kommt aus Masyr, einer Kreisstadt unweit der ukrainischen Grenze. Zusammen mit seinen Eltern – Gofmans Vater ist Arzt, seine inzwischen verstorbene Mutter war Lehrerin – wanderte er 1990 nach Israel aus. In diesem Jahr erreichte die sowjetische Alija ihren Höhepunkt: Über 200.000 Juden kamen aus der zerfallenden UdSSR nach Israel. In den darauffolgenden 15 Jahren machten insgesamt etwa 1,6 Million Juden und Familienangehörige aus dem postsowjetischen Raum Alija.
Die Gofmans landeten in der Hafenstadt Ashdod. Der im Teenageralter nach Israel gebrachte Roman haderte zunächst mit der Alija. Er habe damals nicht sehen wollen, warum man alles aufgeben und auswandern müsse, erinnert sich Gofman in einem »Haaretz«-Porträt. Seine Jugend in Ashdod, aber auch die Anfänge seines Armeedienstes waren vom Gefühl des Andersseins geprägt. Es folgte eine langjährige Karriere in den israelischen Verteidigungskräften (IDF). Zuletzt war der zum Generalmajor aufgestiegene Roman Gofman militärischer Chefberater von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. In dieser Funktion stand er unter anderem im Kontakt zur Führung der Russischen Förderation hinsichtlich der Lage in Syrien.
Gofman ist das Gesicht der aus Osteuropa eingewanderten Olim
Bei der Amtseinführungszeremonie in der Tel Aviver Mossad-Zentrale würdigte Netanjahu Gofmans Werdegang. Als Einwanderer mit russischem Akzent sei Gofman in Israel mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert gewesen, sagte Netanjahu am Dienstag. Aber er habe sich durchgesetzt, betonte der Premier und verwies auf Gofmans Erfolge als junger Boxer. Benjamin Netanjahu ging zudem explizit auf Roman Gofmans Herkunft ein und sagte, Belarus habe Israel viele Führungspersönlichkeiten geschenkt.
Verkörpert Gofman den Aufstieg der seit 1989 aus Osteuropa eingewanderten Olim, so ist auch Israels frühere Geschichte reich an Persönlichkeiten, die auf dem Gebiet des heutigen Belarus geboren wurden. Die Staatspräsidenten Chaim Weizmann, Salman Schasar und Schimon Peres kamen ebenso in einst russischen oder polnischen, heute belarussichen Ortschaften zur Welt wie die Likud-Premierminister Menachem Begin und Jitzchak Schamir. Und auch der heutige Premier hat Wurzeln in Belarus: Benjamin Netanjahus Großvater (und Benzion Netanyahus Vater) Nathan Mileikowsky, kam 1879 im heute westbelarussischen Ort Krewa zur Welt.