Interview

»Wir wollen die Gemeinde einen«

Micha Guttmann Foto: Marco Limberg

Herr Guttmann, Sie sind einer der Initiatoren der Initiative »Neuwahlen 2013«. Sie möchten mit einer Unterschriftensammlung Neuwahlen initiieren. Wie viele Stimmen haben Sie bis jetzt?
Derzeit liegen etwas über die Hälfte der benötigten 2000 Unterschriften in der Urne. Aber die Zahl ändert sich von Tag zu Tag. Wir werden weiterhin auf Gemeindemitglieder zugehen. Über unseren Blog »Gemeindewatch« haben wir viele Kontakte aufgebaut.

Wenn Sie alle Unterschriften bekommen, hätten Sie mehr Stimmen zusammen, als Gemeindemitglieder bei der letzten Wahl abgegeben haben.
Ja. Wir haben schon jetzt mehr Unterschriften als der amtierende Gemeindevorsitzende Gideon Joffe an Stimmen erhalten hatte, und wir haben bereits eine hohe Beteiligung erzielt. Da die Mitarbeiter der Gemeinde leider Nachteile fürchten, wenn sie unterschreiben, bieten wir ihnen an, ihre Unterschriften an eine Treuhänderin zu senden, damit sie ohne Furcht vor dem Vorstand ihr demokratisches Recht wahrnehmen können.

Warum möchten Sie Neuwahlen?
Der Vorstand ist seit einem Jahr im Amt – und seitdem haben sich die Probleme vervielfacht. Statt die Gemeinde zu einen, führt der Vorstand eine üble Kampagne »Zuwanderer gegen Alteingesessene«. Die Existenzprobleme sind nicht gelöst, die Stimmung in der Gemeinde ist katastrophal, viele Entscheidungen – wie beispielsweise die Regelung der Versorgungsordnung – sind weiterhin umstritten. Wir als Parlamentarier kennen fast keine Vorstandsbeschlüsse und sind von allen Informationen abgeschnitten. Das ist undemokratisch. So können wir als Parlamentarier unserer Aufgabe, den Vorstand zu kontrollieren, nicht gerecht werden.

Bei der letzten Wahl soll es, vor allem bei der Briefwahl, Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Wie wollen Sie Wahlen sicher machen?
Wir haben uns bereits Gedanken darüber gemacht, aber wir wollen einen Schritt nach dem anderen gehen. Diesmal sind wir gewarnt und werden besser kontrollieren. Wir sind nicht mehr so naiv wie damals.

Gibt es bereits Wahlbündnisse?
Dies wäre noch zu früh. Unsere Basis hat sich stark verbreitert. Wir haben bereits über 100 Leute, die uns offen unterstützen und auch Verantwortung übernehmen möchten. Die Mehrheit stammt aus Kreisen der ehemaligen Zuwanderer, um noch einmal die Kampagne des Vorstandes zu entlarven. Wir führen derzeit viele Gespräche mit Leuten aus verschiedenen Teilen der Gemeinde, die wir für ein Engagement gewinnen möchten. Ich werde auf jeden Fall erneut für die Repräsentantenversammlung kandidieren.

Was können Sie besser als der amtierende Vorstand?
Wenn wir die Wahl gewinnen, wollen wir alle Strömungen in der Gemeinde versöhnen. Wir werden seriöse Gespräche mit dem Senat führen, allen religiösen Richtungen mehr Selbstständigkeit gewähren und demokratische Regeln einhalten. Wir freuen uns über jedes religiöse Engagement und werden alle Synagogen gleich unterstützen. Ich will die Trümmer des jetzigen Vorstands beiseiteräumen und eine jüdische Gemeinde, die innen versöhnt und nach außen stark und seriös repräsentiert ist. Dafür habe ich früher in freundschaftlicher Zusammenarbeit mit Heinz Galinski erfolgreich gearbeitet. Und dafür kämpfe ich auch jetzt.

Gibt es noch in diesem Jahr Neuwahlen?
Im Interesse unserer Gemeinde hoffe ich, ja.

Mit dem Rechtsanwalt sprach Christine Schmitt.

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