Berlin

Warnstreik für mehr Gehalt

Warnstreik vor dem Jüdischen Gymnasium Moses Mendelssohn Foto: Gregor Zielke

Dicke Handschuhe, Wollmützen und dampfender Kaffee. Die rund 30 Lehrerinnen und Lehrer, die am frühen Montagmorgen vor dem Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn für eineinhalb Stunden in den Warnstreik getreten waren, haben sich auf alles vorbereitet. Auf die kalten Temperaturen und den Kampf, der ihnen bevorsteht.

Denn die Pädagogen fordern mehr Gehalt und Rechtssicherheit. »Der Vorsitzende wird mit seiner Kohlschen Taktik, die Probleme auszusitzen, nicht so weit kommen«, sagte Udo Mertens von der Gewerkschaft, Erziehung und Wissenschaft (GEW). »Die Kolleginnen und Kollegen des Jüdischen Gymnasiums sind seit über einem Jahrzehnt von den Gehaltsentwicklungen anderer Lehrkräfte abgekoppelt. Der Arbeitgeber verweigert sich hartnäckig unseren Forderungen nach Tarifverhandlungen. Selbst unsere schriftliche Bitte auch nach nur einem Gespräch ignoriert der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde«, betont der Gewerkschaftler.

Finanzpolitik Gideon Joffe hatte Anfang Januar in der Gemeindezeitschrift »jüdisches berlin« eine dreiprozentige Lohnerhöhung für alle Mitarbeiter angekündigt – einschließlich der Lehrer und Erzieher. Diese Maßnahme sei nach zehn Jahren längst überfällig und nur durch eine vernünftige und durchdachte Finanzpolitik möglich, schrieb Joffe. »Wir sind zuversichtlich, dass es dieses Jahr noch zu einer weiteren Angleichung der Gehälter kommen wird. Deswegen freuen wir uns über das politische Engagement unserer Lehrer und hoffen, dass es bei der zuständigen Kulturverwaltung auch Gehör findet«, hieß es in der Stellungnahme der Gemeinde vom vergangenen Mittwoch.

Der Frust im Kollegium des Jüdischen Gymnasiums ist groß. »Ich liebe meine Arbeit und diese Schule«, sagt ein Lehrer, der – wie viele seiner Kollegen – seinen Namen nicht nennen möchte. Denn die Pädagogen sind verunsichert. Der Streik gebe ihnen »seelische« Kraft, dass sie gemeinsam etwas erreichen werden. Vor allem gehe es ihnen um Rechtssicherheit – auch für künftige Kollegen.

forderungen Ob ihre Forderungen allerdings auch umgesetzt werden können, ist offen. »Es ist das gute Recht der Kollegen zu streiken«, sagt die Schulleiterin des Gymnasiums, Barbara Witting, die befürchtet, dass die Pädagogen, sollte sich an der Gehaltssituation nichts ändern, das Gymnasium verlassen würden.

Aufgeben wollen die Pädagogen auf keinen Fall. In dieser Woche noch solle Gideon Joffe ein erneutes Schreiben der GEW erhalten, in dem er gefragt werde, ob er denn nun bereit sei, in Verhandlungen zu treten. kat

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026