Osnabrück

Vereint spielen, getrennt beten

Für Michael Grünberg, den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Osnabrück, war der vorige Freitag, an dem die Kita mit dem Anbringen der Mesusa durch Rabbiner Simon Großberg offiziell eröffnet worden war, ein besonderer Tag: »Ich bin glücklich, dass unsere Kinder hier in ihrer Religion erzogen werden.«

Ohne das gute Verhältnis zum Bistum Osnabrück und zu dessen Verwaltungschef, Generalvikar Theo Paul, wäre es der jüdischen Gemeinde allein nicht gelungen, wieder einen jüdischen Kindergarten zu eröffnen, so Grünberg. In vielen Gesprächen habe man eine Lösung gefunden, die sowohl die religiösen Vorstellungen der jüdischen Gemeinde als auch die allgemeinen Anforderungen an einen Kindergartenträger berücksichtigt.

Der Kindergarten besteht zunächst aus einer Gruppe. Dort arbeiten drei Erzieherinnen mit zunächst zehn jüdischen Jungen und Mädchen. Im Januar kommen acht nichtjüdische Kinder dazu. Die Kita steht direkt neben dem katholischen St.-Barbara-Kindergarten. Teile des pädagogischen und auch des religionspädagogischen Programms wollen beide Einrichtungen gemeinsam umsetzen. Die Barbara-Kita-Leiterin war in die Planung eingebunden und koordiniert mit der Leiterin der König-David-Kita die gemeinsame Arbeit.

unvermischt Die katholische Leiterin von »König David«, Anne Feldmann, Sozialpädagogin und bisher als Dekanats-Jugendreferentin im Bistum Osnabrück beschäftigt, arbeitet mit den beiden jüdi- schen Erzieherinnen Tatjana Linets und Raissa Samis zusammen. »Einzelheiten unseres Konzeptes sind noch in der Mache«, sagt Anne Feldmann. Fest steht aber jetzt schon: Der neue Kindergarten führt kein isoliertes Eigenleben.

Ein gemeinsames Programm mit der Kita »St. Barbara« ist vorgesehen. Schon deshalb habe man bei der Kita »König David« großen Wert auf die Nähe zu einer bestehenden Einrichtung gelegt, sagt Dom-Diakon Carsten Lehmann. Chanukka und Advent böten zum Beispiel eine Gelegenheit für die gemeinsame religiöse Erziehung, findet Lehmann. Auch bei der Vorbereitung der Kinder auf den Wechsel in die Schule können die beiden benachbarten Kitas kooperieren. Dabei sei die Sprachförderung für die Erzieherinnen beider Einrichtungen eine wichtige Aufgabe.

Im Frühjahr 2013 soll die Kita »König David« aus der vor wenigen Tagen aufgebauten provisorischen Containeranlage in ein neues, eigenes Gebäude umziehen. Das Haus grenzt zwar mit der Barbara-Kita an einen gemeinsamen Spielplatz. Dompfarrer Ulrich Beckwermert betonte aber, dass die Zusammenarbeit zwischen Juden und Christen nach dem Prinzip »ungetrennt und unvermischt« funktioniere. Deshalb gebe es zwei Gebäude und zwei Kindergärten. Der jüdische Kindergarten bekommt beispielsweise eine eigene Küche, in der das von der Synagoge angelieferte koschere Essen verarbeitet wird.

verbindung Die König-David-Kindertagesstätte sei ein Zeichen für die enge Verbindung zwischen Judentum und Christentum, betont der katholische Generalvikar Theo Paul: »Wir können unseren Glauben nur zukunftsfähig gestalten, wenn wir mit anderen im Dialog bleiben.« Überdies findet der Verwaltungschef des Bistums, dass das Motto Osnabrücks als Friedensstadt nicht nur etwas für Eliten und politische Kongresse sei, sondern in den Alltag der Menschen vor Ort gehöre. Eine jüdische Kita sei ein lebendiger Beweis für die Friedensarbeit im Kleinen.

Die praktizierten Paul und Grünberg auch schon bei ihrem Projekt der Drei-Religionen-Grundschule erfolgreich. Die Johannisschule wird nach den Sommerferien 2012 an den Start gehen. Die Vertreter der beteiligten Gemeinden wollen mit diesem Projekt einen Beitrag zur Verständigung unter den drei abrahamischen Religionen leisten.

Die Kooperationspartner sind neben der katholischen Schulstiftung und der jüdischen Gemeinde auch die Schura, der Landesver- band der Muslime in Niedersachsen, sowie die DITIB-Türkisch-Islamische Gemeinde in Osnabrück. Sie vereinbarten schriftlich, diese Schule gemeinsam zur Lern- und Lebensgemeinschaft von jüdischen, christlichen und islamischen Kindern, Eltern und Lehrkräften zu entwickeln und zu gestalten.

Die Kinder der Kita »König David« können nach ihrer Kindergartenzeit den eingeschlagenen Weg an der Johannisschule fortsetzen. »Und nach der Grundschule geht es ja auch noch weiter«, sagt Gemeindevorsitzender Michael Grünberg. Die Gründung einer interreligiösen weiterführenden Schule könnte also zur nächsten Herausforderung für ihn und seinen katholischen Mitstreiter Theo Paul werden.

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026