Stuttgart

Oppenheimer-Medaille für Nicole Diekmann

Landtagspräsidentin Muhterem Aras, die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann und IRGW-Vorstandssprecherin Barbara Traub (v.l.) Foto: LTBW

Die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann und der Heimatforscher Martin Ritter sind am Montag in Stuttgart mit der Joseph-Ben-Issachar-Süßkind-Oppenheimer-Medaille geehrt worden.

»Nazis raus«-Tweet Diekmann erhielt die Auszeichnung laut einer Mitteilung des Landtags von Baden-Württemberg, weil sie sich nach ihrer im Januar verbreiteten Kurzbotschaft »Nazis raus.« auf Twitter »mit einer Welle des Hasses, Anfeindungen und Morddrohungen konfrontiert sah«. Ritter wurde für seine Forschungen zur Geschichte jüdischen Lebens in seiner Heimatgemeinde Obersulm bei Heilbronn ausgezeichnet.

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Der Politikwissenschaftler Ulrich Eith forderte in seiner Laudatio auf Diekmann, rechtspopulistischem Identitätsdenken öffentlich und deutlich zu widersprechen. Dabei seien Haltung, Zivilcourage und ein gutes Maß an Unerschrockenheit gegenüber persönlichen Beleidigungen und teils auch massiven Drohungen gefragt. »Frau Diekmann hat all dies unter Beweis gestellt«, sagte Eith.

Der Preis wird für herausragendes Engagement gegen Minderheitenfeindlichkeit und Vorurteile in Wissenschaft und Publizistik verliehen.

Die Direktorin des baden-württembergischen Hauses der Geschichte, Paula Lutum-Lenger, würdigte den Heimatforscher Martin Ritter, der wegen Krankheit nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Ritter habe akribisch Aktenbestände und Quellen zum jüdischen Leben im Umfeld der Synagoge von Affaltrach erforscht und dazu fünf Bücher veröffentlicht. Außerdem habe er zu den Nachkommen von Affaltracher Juden persönliche Kontakte aufgebaut und deren Stammbäume erstellt.

Publizistik Der nichtdotierte Preis wird seit 2015 gemeinsam von Landtag und Israelitischer Religionsgemeinschaft Württemberg für herausragendes Engagement gegen Minderheitenfeindlichkeit und Vorurteile in Wissenschaft und Publizistik verliehen.

Vor vier Jahren erhielt die Medaille die Amadeu Antonio Stiftung für ihren Einsatz gegen Rechtsextremismus, vor zwei Jahren der Rabbiner Tovia Ben-Chorin und der muslimische Psychologe Ahmad Mansour.

Der Namensgeber der Medaille, Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer, wurde 1738 Opfer eines judenfeindlichen Justizmords in Stuttgart. Vorausgegangen war ein Schauprozess, in dessen Verlauf es zu zahlreichen Rechtsbrüchen kam. Seine Geschichte wurde von den Nationalsozialisten mit dem Propagandafilm Jud Süß antisemitisch instrumentalisiert.  epd

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