Vorschlag

Hoffen auf die UNESCO-Liste

Grab auf dem Jüdischen Friedhof Foto: Uwe Steinert

Vorschlag

Hoffen auf die UNESCO-Liste

Der Jüdische Friedhof in Weißensee soll Weltkulturerbe werden – doch es gibt auch Kritik

von Christine Schmitt  06.08.2012 19:57 Uhr

»Wir sind einen wesentlichen Schritt weitergekommen.« Hermann Simon vom Förderverein des Jüdischen Friedhofs Weißensee freut sich, dass der Berliner Senat den Friedhof für die Aufnahme in die UNESCO-Weltkulturerbeliste vorgeschlagen hat. Ebenso stehen die einstige Stalinallee, die heutige Karl-Marx-Allee, und das Hansaviertel auf der Wunschliste. »Ob der Friedhof den Zuschlag allerdings erhält, ist völlig offen«, sagt Simon.

Er könne die Chancen nicht beurteilen. Jedes Bundesland meldet seine Ideen der Kultusministerkonferenz, diese filtert sie mithilfe der Landesdenkmalämter, außenstehender Fachleute und der Denkmalpflegervereinigung Icomos, bis das Außenministerium die endgültige Liste in Paris einreicht.

Zuschlag Voraussichtlich 2014 entscheidet sich, welche Anträge für Deutschland ins Rennen gehen. Am Ende erteilt die Weltkulturerbekommission der UNESCO den Zuschlag. Der Jüdische Friedhof in Weißensee sei ein wichtiger kultureller und geschichtsträchtiger Ort, teilte Stadtentwicklungssenator Michael Müller in einer Pressemitteilung mit.

Albert Meyer, ehemaliger Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sieht die Bewerbung skeptischer. Während seiner Amtszeit hatte er sich dafür eingesetzt, dass ein Konzept zum »Symbol der Vernichtung der europäischen Juden« entwickelt werde. Neben dem Berliner Friedhof hätte seiner Meinung nach ein europäisches Konzept mit dem jüdischen Friedhof in Lodz als dem größten und dem sefardischen Friedhof in Amsterdam bessere Chancen gehabt.

Berühmt Auf dem Berliner Friedhof sind seit den 1880er-Jahren mehr als 100.000 Menschen beerdigt worden, viele davon mit heute noch weltberühmten Namen – wie beispielsweise der Verleger Samuel Fischer, der Schriftsteller und Journalist Theodor Wolff, der Warenhausgründer Hermann Tietz und der Schriftsteller Stefan Heym – und unter hochbedeutenden Grabmalanlagen.

Die Geschichte des modernen, assimilierten deutschen Judentums bis zu seiner Zerstörung in der Zeit des Nationalsozialismus bildet sich in Weißensee in einzigartiger Weise ab. Mit Blick auf die Bewerbung floss schon jetzt Geld von Bund und Ländern in die Restaurierung. So konnten die Friedhofsmauer und etwa 100 Grabmäler erneuert werden. Derzeit arbeiten auf dem 40 Hektar großen Friedhof mit seinen 166.000 Gräbern nur 15 Angestellte. Dies könnte sich mit der Aufnahme in die UNESCO-Liste verbessern.

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