Düsseldorf

Hilfe für die Kinder von Kirjat Schmona

Am Anfang steht der Kuchen. Schoko-, Pflaumen-, Käsekuchen, Napoleonschnitten und Muffins mit Davidstern. Wer am Sonntag den WIZO-Basar in der Turnhalle des jüdischen Schulzentrums in Düsseldorf betrat, geriet unweigerlich in die Menge derer, die sich ein erstes oder weiteres Stück sichern wollten. Ingrid, Judith, Paula, Julia, Daphne und Alona hatten reichlich gebacken und verkauften die Stücke für den guten Zweck.

»Einkaufen fast wie in Israel« war das Motto des Basars, was für den Wein ohne Zweifel zutraf. Da funkelten der rubinrote Cabernet Sauvignon der Marke Gamla vom Golan und der passende Weißwein aus israelischer Produktion in den kleinen Probierbechern. Die Besucher nippten gern und deckten sich mit den guten Tropfen ein. Katerina Simon vom Stand nebenan war extra aus Hannover angereist, um koscheren Gin und ebensolche Obstbrände aus sorgsam gepflückten niedersächsischen Früchten unter die Rheinländer zu bringen. Wer es nicht alkoholisch wollte, wurde ein paar Meter entfernt an der Saftbar fündig.

Weiter ging es an Ständen mit günstiger Second-Hand-Mode, israelischer Feinkost und Schmuck. Über allem prangte ein riesiges Poster des sommerlichen Strands von Tel Aviv.

Modenschau Ab 13 Uhr gehörte die Bühne ganz den Kindern. Tanja Horowitz hatte mit Kolleginnen der Düsseldorfer WIZO-Gruppe eine Kindermodenschau auf die Beine gestellt. Über den eigens ausgerollten roten Teppich schritten Schülerinnen und Schüler bis elf Jahre, mal zurückhaltend, mal sichtlich selbstbewusst – mitunter hatten sie die kleinen Geschwister vom jüdischen Kindergarten an der Hand (auch die ganz Kleinen zeigten schon Mode). Sascha Zorin vom Jugendzentrum Kadima stellte die stolzen Nachwuchs-Models von Yitzhak-Rabin-Grundschule, Albert-Einstein-Gymnasium, Internationaler Schule und Gemeinde-Kita gekonnt mit jeweils ein paar persönlichen Worten vor.

Zwei Nachmittage hatte die Gruppe mit dem Einstudieren der Choreografie verbracht, die wie am Schnürchen klappte. Das Ergebnis: ganz großes Familienkino. Zum Finale bat Zorin noch einmal alle Models auf die Bühne. Sogar die Damen vom Kuchenstand hatten ein paar Minuten Ruhe, als sich alle Blicke auf die Bühne richteten.

Bücher Einige der jungen Basar-Besucher finden sich auch in Büchern wieder, die Avigail Yasinovska rechts neben der Bühne anbot. Die Düsseldorferin hat sich im Zuge eines Projekts im jüdischen Kindergarten moderne jüdische Märchen ausgedacht und aufgeschrieben. Die Kinder haben Bilder dazu gemalt. 2016/17 sind zwei Bücher in einer Auflage von jeweils 250 Stück entstanden, liebevoll illustriert von der jungen Künstlerin Anna Vilents – und natürlich den Kindern. Am Sonntag floss der Verkaufserlös –15 Euro pro Buch – in die WIZO-Spendenkasse.

In diesem Jahr geht der Erlös des Basars und der begleitenden Tombola-Verlosung an das Jugendhaus in Kirjat Schmona im Norden Israels an der libanesischen Grenze. Der Ort liegt immer wieder unter Raketen- und Granatbeschuss durch die Hisbollah. Anna Adirim, Vorsitzende der Düsseldorfer WIZO und Nicole Faktor, Vizepräsidentin von WIZO Deutschland, betonten die Bedeutung der Arbeit des Jugendhauses: Dort werden 150 Jugendliche ab 14 Jahren bis zum Beginn ihres Militärdienstes betreut.

Förderung Es gibt Hausaufgabenhilfe und Unterstützung für Schulabgänger. Außerdem erhalten die Schüler ein warmes Mittagessen, in der strukturschwachen Gegend ein wichtiger Pluspunkt. Nicole Faktor unterstrich dabei, dass die Förderung der WIZO unabhängig von Herkunft und Religion der Betreffenden sei.

Die Veranstaltung von WIZO, Jüdischer Gemeinde und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit war ein großer Publikumsmagnet. Hunderte Besucher strömten trotz Regenwetter – oft mitsamt Nachwuchs – ins Schulzentrum.

Und am Ende kam der ein oder andere auch nicht darum herum, noch schnell ein Stück von der strategisch günstig platzierten Kuchentheke mitzunehmen – man isst ja für den guten Zweck.

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