Jewrovision

Heimspiel für Hamburg

Bitte recht freundlich: Der Dreh soll schließlich Partystimmung wiedergeben. Foto: Moritz Piehler

Lea, nach vorne gucken, Sascha, das sieht man doch alles auf der Kamera.» Es ist nicht so einfach, die bunt gemischte Truppe bei Laune zu halten und dabei nicht die Kontrolle über den wuseligen Haufen zu verlieren. An diesem sonnigen Sonntagvormittag allerdings braucht es noch ein wenig Unterstützung von Jugendleiterin Xenia Fuchs, denn die knapp zwei Dutzend Jugendlichen von «Chasak», die sich für den Videoshoot in der Synagoge Hohe Weide versammelt haben, wirken noch ein bisschen verschlafen. «Seid ihr bereit?», ruft sie ihren Kids entgegen, und laut schallt es zurück: «Jaaa!»

Es soll nach guter Stimmung und Party aussehen. Doch zu viel wird nicht verraten, schließlich sollen die Mitbewerber am 1. März überrascht werden. «Alle Hände hoch!», schallt es erneut von hinten durch den Raum, doch der Funke springt noch nicht so recht über. Kameramann Marian Engel erklärt den Kindern mit sprichwörtlicher Engelsgeduld das A und O eines Videodrehs. Es geht um viel, und das vor einer riesigen Kulisse. «Du musst einfach die ganze Zeit in die Kamera gucken, als wärst du alleine mit ihr, okay?», erklärt er dem kleinen Protagonisten.

Video «Wir machen das jetzt so lange weiter, bis es langweilig wird», droht Engel an. Jetzt sollen die Darsteller ernst gucken und mit dem Kopf nicken, «so als wärt ihr HipHopper». Ganz so synchron sind die Kopfbewegungen noch nicht, auch beim Ernstgucken rutscht dem einen oder der anderen noch ein kleines Lächeln durch die Zahnlücken. Aber es wird allmählich, die erste Nervosität ist vergangen, und es gibt sogar mal Lob vom Kameramann. Ein paar stolze Eltern beobachten ihre kleinen Videostars aus den hinteren Sitzreihen.

«Entschuldigung, wo soll der goldene Pokal hin?», ruft Fuchs ihren Schützlingen zu. Nach Hamburg natürlich, das wissen sie. Im vergangenen Jahr waren sie gar nicht so weit vom Pokal entfernt, am Ende reichte es für Platz vier hinter den siegreichen Kölnern. Die schätzt Evelina auch dieses Jahr wieder als stark ein. Die 15-Jährige war schon in München dabei, mit vielen Jugendlichen hat sie über das Jahr Kontakt gehalten.

Siegertreppchen «Ich glaube schon, dass Hamburg ganz gut geworden ist dieses Jahr», sagt sie. Aufregend wird es bei allem Selbstbewusstsein vor 2000 Leuten im CCH natürlich trotzdem. «Aber in München waren wir ja auch in der Olympiahalle, die war genauso groß», gibt sich Evelina zuversichtlich. Auf eine Platzierung auf dem Treppchen hofft natürlich auch Xenia Fuchs, die seit zwei Jahren die Hamburger Jugendlichen betreut. Bei ihrer ersten Jewrovision 2005 mit den Berlinern gewann ihr Team auf Anhieb. Dieses Jahr hat ihre Gruppe doppelt so viele Teilnehmer. Zweimal in der Woche treffen sie sich zum Proben.

Viel Unterstützung und Hilfe kommt von den Eltern, für die es besonders schön ist, dass sie in Hamburg live dabei sein können. «Das ist natürlich auch für die Kinder super, dass ihre Eltern zugucken und wir viele Fans mitbringen können», freut sich Fuchs auf das Heimspiel. Dabei gibt es rundherum viel zu tun. Auch wenn der Zentralrat die Organisation leitet, stehen Jugendzentrum und Gemeinde – so weit es geht – mit tatkräftiger Unterstützung bereit. Auch die Stadt ist stolz auf das Ereignis, Schirmherr ist neben Zentralratspräsident Dieter Graumann und Kulturstaatsministerin Monika Grütters Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz.

Freunde «Ich freue mich besonders darauf, dass die Jewrovision dieses Mal in Hamburg ist», sagt Arthur vom Jugendzentrum Chasak. Während die Erwachsenen schon wieder beim Dreh sind, werden noch schnell die letzten Kekse verputzt und die Krawatten und Fliegen zurechtgerückt. Es gehe nicht nur ums Gewinnen, meint Arthur. «Schön wird es auch, die anderen Jugendlichen wiederzutreffen», sagt er und wendet sich wieder der Kamera zu.

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