Kundgebungen

Hamburg und Frankfurt tragen Kippa

Hunderte Menschen haben am Montag in mehreren Bundesländern ein Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt und ihre Solidarität mit Israel bekundet. Der nordrhein-westfälische Landtag würdigte mit einer Feierstunde in Düsseldorf das 70-jährige Bestehen Israels.

Die hessische Landesregierung kam zu einer Kabinettssitzung in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main zusammen. Bei Kundgebungen in Hamburg und Frankfurt trugen jeweils mehrere Hundert Bürger als Zeichen der Solidarität eine jüdische Kippa.

Landtag Bei der Feierstunde im Düsseldorfer Landtag rief NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) dazu auf, den Frieden in der Region voranzubringen. Christen, Juden und Muslime dürften nicht in Hass miteinander leben. Israel sei »ein Land mit großer Tradition«, zu dem Nordrhein-Westfalen so enge und vielfältige Kontakte wie mit kaum einem anderen außereuropäischen Land und wie kein anderes Bundesland unterhalte. Auch Israels Botschafter in Deutschland, Jeremy Issacharoff, lobte die »engen und beständigen« Beziehungen seines Landes zu NRW, warnte aber auch vor erstarkendem Antisemitismus.

In Frankfurt nahmen am Montagabend mehrere Hundert Menschen auf dem Römerberg an der Aktion »Zeig’ Gesicht und Kippa« teil, die von dem Frankfurter Stadtkämmerer und Kirchendezernenten Uwe Becker (CDU) initiiert wurde. Zahlreiche Teilnehmer schwenkten israelische Fähnchen und tanzten zu Klezmer-Musik.

Der Widerstand gegen Antisemitismus müsse hauptsächlich von Nichtjuden aus­gehen, sagte Becker auf der Kundgebung. Zu der Aktion zum 70. Jahrestag der Staatsgründung waren auch die beiden Frankfurter Rabbiner Avichai Apel und Julian-Chaim Soussan erschienen.

Existenzrecht Unter den Vertretern der Kirchen befanden sich die ehemalige Pröpstin Gabriele Scherle und der katholische Stadtdekan Johannes zu Eltz. Die evangelische Kirche fühle sich mit den jüdischen Menschen in Frankfurt verbunden, sagte der evangelische Stadtdekan Achim Knecht. Außerdem bekenne sie sich ausdrücklich zum Existenzrecht Israels und beklage gleichzeitig die Opfer, »die der Israel-Palästina-Konflikt auf beiden Seiten kostet«.

Die Jüdische Gemeinde begrüßte den symbolischen Charakter der Aktion, verwies aber auch auf einen möglichen Missbrauch durch antidemokratische Parteigänger. Wenn AfD-Mitglieder mit Kippa aufträten, würde das Solidaritätsanliegen ad absurdum geführt, sagte Vorstandsmitglied Leo Latasch.

Bürgermeister Becker hatte die Aktion »Zeig’ Gesicht und Kippa« drei Tage nach dem Angriff auf einen Kippa tragenden Israeli in Berlin-Prenzlauer Berg angeregt. »Wenn Jüdinnen und Juden sich nicht trauen, ihren Glauben öffentlich zum Ausdruck zu bringen, und sogar angegriffen werden, sobald sie dies tun, ist die gesamte Gesellschaft gefordert«, sagte der CDU-Kommunalpolitiker.

Im Hamburger Grindelviertel demons­trierten mehr als 350 Menschen gegen Antisemitismus. Sie wollten damit beim »Kippa-Tag« in der Hansestadt ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt setzen. Wie in Frankfurt nahmen auch in Hamburg Vertreter der Kirchen an den Kundgebungen teil. Die Organisatoren hatten bewusst den 14. Mai gewählt, den Tag, an dem der Staat Israel vor 70 Jahren seine Unabhängigkeit erlangte. epd/ja

Frankfurt am Main

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