Dresden

Fünfundvierzig sefardische Kostproben

Die Kultur der Sefarden steht im Mittelpunkt der Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden 2012. Die bis zu ihrer Vertreibung 1492 in Spanien lebenden Juden ließen sich nach ihrem Exodus im ganzen Mittelmeerraum nieder. Die Jüdische Musik- und Theaterwoche serviert mit 45 Veranstaltungen sefardische Kostproben für Auge, Ohr und Gaumen.

Die italienische Köchin Roberta Anau führt in die sefardische Küche ein, und die Neue Mensa des Studentenwerks Dresden bringt ab dem 15. Oktober eine Woche lang sefardische Kost auf den Tisch. Wer selbst den Kochlöffel in die Hand nehmen will: Im Programmheft der Jüdischen Musik- und Theaterwoche sind Rezepte abgedruckt. Auch die Liebe zur Kunst geht eben durch den Magen.

Fokus 15 Jahre lang präsentierte sich das Kulturprogramm unter dem Titel Jiddische Musik- und Theaterwoche, denn es wurde von Fans der jiddischen Sprache und Kultur ins Leben gerufen. Doch der Fokus weitete sich im Laufe der Jahre. Heute präsentiert die Musik- und Theaterwoche einen Querschnitt jüdischer Kunst aus vielen Regionen. Dieses Jahr sind Beiträge aus zehn Ländern vertreten. Folgerichtig nennt sich das Festival ab jetzt: Jüdische Musik- und Theaterwoche.

Geändert hat sich auch die Trägerschaft. Neben Hatikva, der Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen, sowie der Jüdischen Gemeinde zu Dresden kam das Societaetstheater als Hauptpartner hinzu. Der alte Trägerverein, das Rocktheater Dresden, besteht nicht mehr.

Doch die Dresdner machen jetzt beileibe nicht alles neu. Im Programm finden sich weiterhin Dauerbrenner wie der Jiddisch-Sprachkurs. Und auch der »Whiskey-Rabbi« Geoff Berner ist mit seiner Mischung aus Klezmer und Punk wieder mit von der Partie. Zum zweiten Mal in Dresden dabei ist der israelische Regisseur und Clownlehrer Shlomi Golan, diesmal mit einer israelisch-deutschen Clownerie.

schirmherr Als Schirmherr der Jüdischen Musik- und Theaterwoche tritt Sebastian Krumbiegel, Sänger der A-cappella-Gruppe »Die Prinzen«, auf. Sein Engagement gegen Rassismus und Rechtsradikalismus mache den Musiker zum idealen Repräsentanten des Kulturevents, findet Festivalleiter Michael Rockstroh.

Sebastian Krumbiegel setzt auf die verbindende Kraft der Kunst: »Lasst uns zusammen singen, musizieren und Theater spielen, lasst uns uns darüber freuen, dass Kunst und Kultur unser Leben bereichern.« Der Schirmherr sieht insbesondere Deutschland in der Verantwortung, die jüdische Musik- und Theatertradition zu pflegen.

Wie unterschiedlich diese Traditionspflege ausfallen kann, zeigt das Dresdner Festival. Da kommt mit dem »Holycoaster s(HIT) Circus« eine schweizerisch-israelisch-deutsche Produktion auf die Bühne, die nichts für zarte Gemüter ist. Politisch unkorrekt und komisch treibt sie Vorurteile auf die Spitze: zwischen Deutschen und Juden, Frauen und Männern, Behinderten und Nichtbehinderten.

Märchen Ganz anders dagegen das märchenhafte Stück Die Zimtläden nach einer Vorlage des polnischen Literaten Bruno Schulz. Ihm ist ein weiterer Schwerpunkt des Festivals gewidmet. Schulz, der 1942 von einem SS-Soldaten erschossen wurde, schrieb zauberhafte Erzählungen über seine Kindheit in Galizien.

Um Jugenderinnerungen geht es auch bei der Videoperformance von Natan Ornan. Der gebürtige Israeli lebt seit zwei Jahren in Berlin und erzählt die Geschichte seiner Generation. Er erinnert sich an die Seder-Feiern im Familienkreis, an seine Heimatstadt Givatayim und an seine Ankunft in Berlin. Seine Performance nennt der Schauspieler, Musiker und Kabarettist Zuhause bleiben.

Doch genau das sollte man angesichts des vielfältigen Programms der 16. Jüdischen Musik- und Theaterwoche Dresden nun wirklich nicht tun. Das Festival beginnt offiziell am 14. Oktober und dauert bis zum 28. Oktober. Weitere Veranstaltungen finden im Vorfeld und im Anschluss statt.

www.juedische-woche-dresden.de

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