Wuppertal

»Fassungslos und wütend«

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat die Justiz wegen zu milder Urteile nach mutmaßlich antisemitischen Straftaten kritisiert.

Es mache ihn »wütend«, dass die Täter des Anschlags auf die Bergische Synagoge in Wuppertal vor gut dreieinhalb Jahren lediglich zu Bewährungsstrafen verurteilt worden seien, sagte Schuster am Sonntag laut Redemanuskript bei einem Festakt zum 15-jährigen Bestehen der Synagoge in Wuppertal. Er sei »fassungslos«, dass Richter verschiedener Gerichte in Deutschland »einhellig zu der Meinung kommen können, ein Brandanschlag auf eine Synagoge sei ein Zeichen politischen Protestes, aber kein Antisemitismus«.

solidarität Bedenklich sei zudem, dass jüdische Bürger immer noch den Eindruck gewännen, sie »würden nicht als selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft wahrgenommen«, sagte Schuster. Gleichwohl lobte der Präsident des Zentralrates die »beispiellose Solidarität«, die nach dem Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal demonstriert wurde. Rückhalt fänden die jüdischen Gemeinden in Deutschland auch bei der Polizei, die mit ihrem Personal jüdische Einrichtungen bewache und beschütze. Wäre das nicht der Fall, gebe es solche Anschläge »vermutlich viel häufiger«, sagte Schuster.

Bei dem Anschlag auf die Wuppertaler Synagoge im Juli 2014 warfen drei junge Palästinenser mit Diesel gefüllte Flaschen auf den Eingangsbereich des Gotteshauses. Da die Brandsätze von selbst erloschen oder das Gebäude nicht erreichten, blieb der Sachschaden gering. Menschen wurden nicht verletzt. Wegen schwerer Brandstiftung wurden die Männer zu Bewährungsstrafen beziehungsweise Sozialstunden verurteilt.

Nach Ansicht des Gerichts hatte das Trio aus Protest gegen die Militäraktionen Israels in den palästinensischen Gebieten gehandelt. Das Gericht folgte damit den Aussagen der Angeklagten, die eine antisemitische Motivation für ihre Taten bestritten hatten.

synagoge Derzeit hat die Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal, zu der auch die Städte Solingen und Remscheid gehören, rund 2200 Mitglieder. Mit Blick auf das 15-jährige Bestehen der Synagoge im Stadtteil Barmen erinnerte Schuster daran, dass der Bau des jüdischen Gotteshauses möglich wurde, weil die Evangelische Kirche im Rheinland das Grundstück der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Gemarke der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt hatte.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemarker Kirche entstand dann die Synagoge. Die Gemarker Kirche wurde bekannt, weil dort 1934 im Rahmen der ersten Bekenntnissynode die Barmer Theologische Erklärung verabschiedet wurde, in der sich die evangelische Kirche gegen den damaligen NS-Staat und seine Ideologie positionierte. epd

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026