Berlin

»Die Bedrohung ist real«

Yorai Feinberg in seinem Restaurant in Berlin-Schöneberg Foto: dpa

Herr Feinberg, Sie und Ihr Restaurant Feinberg’s in Berlin-Schöneberg werden immer wieder zur Zielscheibe von antisemitischen Bedrohungen. Jetzt haben Sie auf der Internetplattform »Change.org« die Petition »Keine ›Straffreikarte‹ für antisemitische Straftäter!« gestartet. Was wollen Sie damit erreichen?
Fast täglich bekomme ich Hassmails und Drohanrufe. Ich werde in übelster antisemitischer Weise beschimpft. Immer wieder wird meinen Angestellten und mir der Tod gewünscht. Ich habe schon unzählige Anzeigen bei der Polizei gestellt. Passiert ist bisher nichts. Der Hass geht ungehindert weiter – und das, obwohl die Täter den Justizbehörden bekannt sind.

Wie kann das sein?
Zur Begründung heißt es, dass diese Menschen geistig gestört und damit unzurechnungsfähig sind. Mit meiner Petition fordere ich: Die Gesellschaft muss auch vor angeblich unzurechnungsfähigen Kriminellen geschützt werden! Es kann nicht sein, dass Unzurechnungsfähigkeit als Freibrief für Menschen gilt, damit diese ungehindert ihren krankhaften Antisemitismus ausleben und digital Amok laufen können. Es gibt genügend Fälle, bei denen sich der verbale Hass dieser Personen auch in physischen Übergriffen äußert. Die Justiz muss geeignete Mittel gegen solche Straftäter finden, um die Betroffenen zu schützen.

Sie schlagen also eine Gesetzesänderung vor?
Gesetze sind von Menschen gemacht. Sie können geändert oder aber anders ausgelegt werden. Bisher sieht die Rechtslage strafrechtliche Maßnahmen gegen als unzurechnungsfähig geltende Menschen nur dann vor, wenn akute Lebensgefahr besteht. Wenn mir ein und dieselbe Person immer wieder schreibt, dass sie mich töten will, sehe ich diese Gefahr durchaus gegeben. Es geht mir darum, dass Menschen, die andere immer wieder beleidigen und bedrohen, Konsequenzen für ihr Handeln tragen. Das muss kein Gefängnisaufenthalt sein. Wenn jemand nachweislich psychisch krank ist, muss er in Einrichtungen Hilfe bekommen.

Adressiert ist Ihre Petition an den Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Felix Klein, und die Antisemitismusbeauftragte bei der Berliner Generalstaatsanwaltschaft, Claudia Vanoni. Was erhoffen Sie sich konkret von den beiden?
Ich möchte Herrn Klein und Frau Vanoni auf die Bedrohungssituation durch psychopathische Antisemiten aufmerksam machen, der ich als Gastronom ausgesetzt bin. Von Herrn Klein erhoffe ich mir politische Unterstützung. Frau Vanoni ist direkte juristische Entscheidungsträgerin und kann darauf hinwirken, dass die Gesetze schärfer interpretiert und gegebenenfalls geändert werden.

Bis jetzt haben mehr als 4000 Menschen Ihre Petition unterschrieben. Wo liegt die Zielgrenze?
Ich bin für jede Unterstützung dankbar und freue mich über jeden, der als Zeichen gegen Antisemitismus unterschreibt. Ich möchte Herrn Klein und Frau Vanoni eine starke Petition übergeben. Das ist mein Ziel. Ich mache so etwas zum ersten Mal und werde schauen, wie viele Unterschriften in den kommenden Wochen zusammenkommen werden.

Das Gespräch mit dem Berliner Gastronom führte Jérôme Lombard.

www.change.org/p/keine-straffreikarte-f%C3%BCr-antisemitische-straft%C3%A4ter

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026