WIZO

Der schönste Ball am Rhein

Gut unterhalten bei der WIZO-Gala Foto: Jörn Neumann

Beispiellos.» Mit diesem Attribut charakterisiert Moderator Ralph Morgenstern den Kölner WIZO-Ball. Die Veranstaltung der Kölner Women’s International Zionist Organization (WIZO) «ist für mich der schönste Ball in Köln, der stets sehr elegant, sehr herzlich und vor allem sehr familiär ist». Seit Jahren kommen viele Gäste immer wieder, aber jedes Jahr kommen auch neue hinzu, um die «WIZO-Mädels», so Morgenstern, zu unterstützen. Auch der kürzlich aus dem Amt geschiedene ehemalige Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters und seine Frau Angela – Schirmherrin im vergangenen Jahr – waren wieder da: «Es hat uns im vergangenen Jahr so gut gefallen, dass wir unbedingt wieder dabei sein wollten.»

Beispiellos sind aber auch das Engagement und das Ziel dieser jüdischen Wohlfahrtsorganisation, um die es beim WIZO-Ball eigentlich geht: Denn mittlerweile sind es etwa 250.000 ehrenamtlich tätige Frauen, die sich in über 50 Ländern für sozial benachteiligte Menschen in Israel einsetzen. «Es ist etwas Schönes, Kindern zu helfen, die nicht so viel haben wie wir – mit Dingen, die für uns selbstverständlich sind», sagt Noah Levi mit einem strahlenden Lächeln. Ehrensache, dass der 14 Jahre alte Nachwuchssänger daher mit zwei musikalischen Einlagen zum Gelingen des Abends beitrug. «Ich lebe jetzt zwar in Berlin, bin aber vollkommen in der Kölner Synagogen-Gemeinde verwurzelt.»

bedrohung Die Präsidentin von WIZO Deutschland, Simone Graumann, hatte mit eindringlichen Worten den Einsatz der Organisation am Beispiel von Kindern in Israel geschildert, «deren physische und psychische Wunden nun verheilt sind und die nun zu glücklichen, lachenden Kindern geworden sind». Weil Israel sich gegen mächtige Feinde wehren muss, könne der Staat vieles nicht selbst leisten – etwa den Besuch von Kindergärten. «Wir sind hier in Deutschland ruhig und gelassen, wenn wir Kinder in die Kita bringen», sagt Graumann, «aber in Israel geht es oftmals darum, Kinder wegen eines Alarms in maximal einer Minute in einen Schutzraum zu bringen, der oftmals noch nicht einmal für alle Kinder reicht.»

So gehört eben auch der Bau von ausreichenden Schutzräumen zu den vielfältigen WIZO-Aktivitäten. Diese kommen alten Menschen, sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen sowie alleinstehenden Frauen und Müttern im Alltag überparteilich und unabhängig von Herkunft und Religion zugute. WIZO betreut in Israel derzeit 800 Projekte für Kinder, Jugendliche, Frauen und Senioren, sie kümmert sich um 14.000 Kleinkinder in über 170 Kindertagesstätten, betreibt rund 50 Jugendklubs sowie elf Schulen und Jugenddörfer und verteilt in ihren Einrichtungen täglich etwa 900.000 Mahlzeiten. «Die WIZO-Frauen sind seit Jahrzehnten Spezialisten in Sachen Integration», sagt Graumann und fügt selbstbewusst hinzu: «Wir schaffen das!»

Bei der ausgelassenen und lebensfrohen Feier mit der Berliner Klas-Band in der ehrwürdigen Wolkenburg am Rande der Kölner Innenstadt mit 250 Gästen kamen insgesamt 110 Patenschaften zusammen. Eine Patenschaft im Wert von 500 Euro ermöglicht einem Kind in Israel die Betreuung für ein Jahr. Das Ergebnis war eine eindrucksvolle Anerkennung für die Kölner WIZO-Frauen, deren Ball in diesem wie schon im vergangenen Jahr nach einem Anschlag stattfand: War es 2014 das blutige Attentat in einer Jerusalemer Synagoge, so waren es dieses Jahr die Terrorakte von Paris. «Wir wissen, dass wir uns nicht unterkriegen lassen dürfen», betont Simone Graumann und ergänzt: «Wir treten dem Bösen entgegen, indem wir Gutes tun.»

Es mag dieser unerschütterliche Optimismus sein, der die WIZO-Frauen auszeichnet, wie auch Josef Schuster in seiner Ansprache betont: «WIZO ist eben nicht nur punktuell tätig wie bei diesem glanzvollen Ball, sondern kontinuierlich das gesamte Jahr über.»

Dem Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland war zudem wichtig, das Engagement der WIZO-Damen als «Israel-Botschafterinnen» zu würdigen. «Mit ihrem Tun geben sie einen Blick auf die Vielfältigkeit der demokratischen israelischen Gesellschaft.» Dies sei gerade vor Ende des Jubiläumsjahres der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel vor 50 Jahren besonders wichtig zu betonen: «Die Solidarität mit Israel bröckelt in Teilen der deutschen Gesellschaft, die Opfer-Täterrolle wird oftmals vertauscht, insbesondere in den Medien.»

Anerkennung Die Kölner WIZO-Frauen nehmen nicht nur die Worte Schusters, sondern vor allem auch seinen Besuch dankbar auf. «Das ist für uns und unsere Arbeit eine besondere Anerkennung», sagt Trude Lehrer. Orly Licht erwähnt, dass die Vorbereitungen in diesem Jahr aufgrund persönlicher Belastungen und gesundheitlicher Beeinträchtigungen einiger WIZO-Damen eine besondere Herausforderung waren: «Dennoch: Das war eine großartige Teamarbeit, und gerade dadurch werden wir gemeinsam noch stärker.» Zudem sei dieses Mal aus gegebenem Anlass mehr Sicherheit notwendig gewesen. Aber für WIZO-Damen ist klar: «Egal, wie die Umstände auch sein mögen – wir ziehen immer an einem Strang, um zu helfen.»

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