Trauer

Der Koscher-Rabbi

Tuvia Hod-Hochwald sel. A. (1949–2019) Foto: ORD

Bei strittigen Fragen um die Kaschrut war Tuvia Hod-Hochwald immer der erste Ansprechpartner. Freundlich und vor allem geduldig beantwortete er alles rund um Aufstrich und Pasten, Geschirrspülmittel, Kaugummi bis Zahncreme. Die von ihm geschriebene und jeweils aktualisierte Ausgabe von Rabbi, ist das koscher? war stets heiß begehrt. Die Broschüre ist eine verlässliche Liste, mit deren Hilfe nicht nur die strikt notwendigen Regeln befolgt werden können, sondern auch die »Koscher Le Mehadrin«, wie Rabbiner Yitshak Ehrenberg einmal in einem Vorwort zum Ratgeber schrieb.

Nun ist der Rabbiner völlig unerwartet auf einer Dienstreise am 3. April in London gestorben. Der Kaschrut-Experte und Maschgiach wurde 69 Jahre alt. Israel Meller, Sekretär der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD), sagte der Jüdischen Allgemeinen, kurz vor seinem Tod sei Rabbiner Hod-Hochwald sel. A. noch im Dienste der ORD in Dortmund gewesen und habe dort die Rabbiner Avraham Radbil, Yechiel Brukner und Baruch Babaev getroffen.

konferenz Anschließend sei er zu einer Kaschrut-Konferenz nach London gereist.Alle seien geschockt, sagte Meller, dass Rabbiner Hod-Hochwald nach seiner Abreise und seiner Ankunft in London am Mittwoch nicht mehr aufgewacht sei.

Als Kaschrut-Experte beriet, besichtigte und zertifizierte Hod-Hochwald deutsche und europäische Firmen, die für den koscheren Markt produzierten. Unter anderem war er auch Gemeinderabbiner von Bad Kissingen.

Er sei oft gefragt worden, warum es denn notwendig sei, die Kaschrut-Gesetze zu befolgen, sie seien doch veraltet, und aufgrund der besseren Hygiene müsse man heute viele Dinge gar nicht mehr beachten, schrieb Tuvia Hod in einer Erklärung zu den Speiseregeln 2010. Gott wisse sehr wohl um die Einhaltung von Hygiene und sei um unsere Gesundheit bemüht, antwortet Hod-Hochwald. »Doch hier geht es hauptsächlich um Glauben – und nicht um Logik. Die Einhaltung der Kaschrut-Gesetze dient der Seele des Menschen und nicht unbedingt seinem Körper«, erklärte er.

ratgeber Tuvia Hod-Hochwald stammte aus einer altehrwürdigen Rabbinerfamilie. Sein Vater Abraham Hochwald, dessen Leben Tuvia Hod in einem längeren Essay im Ratgeber ehrte, war seit den 70er-Jahren in mehreren deutschen Gemeinden tätig. Hod selbst wurde 1949 geboren und wuchs unter anderem in Petach Tikwa auf. In Israel war er Armeerabbiner und nahm in dieser Funktion 1982 am Libanonkrieg teil.

Nach Angaben der ORD reiste Rabbiner Hod bereits im Alter von 30 Jahren um die Welt, um Kaschrut-Angelegenheiten zu lösen oder die lokale Kaschrut zu stärken. »Ganz Europa und alle Badatzim in Israel haben sich aufgrund seiner großen Sachkenntnis in Kaschrut auf ihn verlassen«, sagte einer seiner Bekannten.

Laut ORD sprach Rabbiner Tuvia Hod-Hochwald sieben Sprachen, war ein hervorragender Buchkenner und »ein freundlicher Mann, der vielen Menschen geholfen hat, ihren Lebensunterhalt zu verdienen«. Neben seiner Arbeit als Kaschrut-Experte war Tuvia Hod-Hochwald Gründungsmitglied der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland. Er hinterlässt seine Frau Sarah, zwei Töchter und mehrere Enkelkinder.  ja

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