Israels Staatspräsident Isaac Herzog will verhindern, dass das Land nach der Parlamentswahl erneut abstimmen muss. Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse appellierte er am Mittwoch an die politischen Lager, sich bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen kompromissbereit zu zeigen. Wer zu Gesprächen in seine Residenz komme, müsse mit einer offenen Haltung an die Sache herangehen, sagte Herzog laut »The Times of Israel«.
»Wir müssen alles tun, was wir können, um eine weitere Wahl zu vermeiden, gerade nach dem gestrigen Tag. Deshalb erwarte ich von jedem, der hierherkommt, dass er mit offenem Geist kommt«, erklärte der Präsident bei einer Veranstaltung in Jerusalem.
Herzog hatte bereits vor der Abstimmung angekündigt, sich nach Kräften für eine stabile Regierung einsetzen zu wollen. Die Wahl vom Dienstag hat diese Aufgabe jedoch erschwert: Weder das Lager von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch das von Oppositionsführer Gadi Eisenkot verfügt nach dem bisherigen Auszählungsstand über eine parlamentarische Mehrheit.
Zugleich würdigte Herzog die außergewöhnlich hohe Beteiligung an der Abstimmung. Sie sei ein »Ehrenzeichen für die israelische Gesellschaft« und zeige, wie ausgeprägt der Wunsch der Bevölkerung nach Demokratie sei.
Nach Angaben der Zentralen Wahlkommission hatten bis zur Schließung der Wahllokale um 22 Uhr 77,7 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Bei der Parlamentswahl 2022 waren es 70,6 Prozent gewesen. Eine höhere Beteiligung hatte es zuletzt 1999 gegeben.
Die endgültigen Ergebnisse soll Herzog nach bisheriger Planung in der kommenden Woche vom Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission, dem Obersten Richter Noam Sohlberg, erhalten. Anschließend will er Gespräche mit sämtlichen Fraktionen aufnehmen, um auszuloten, wer die besten Aussichten hat, eine neue Regierung zusammenzustellen. Nach Medienberichten könnte der Präsident angesichts der weit fortgeschrittenen Auszählung bereits in den nächsten Tagen Kontakt zu den Parteichefs aufnehmen. im