In Frankfurt am Main wurde am Sonntag im Jüdischen Museum erstmals der Georg-Stefan-Troller-Preis für die Berichterstattung über jüdisches Leben verliehen. Die Auszeichnung wird von der FAZIT-Stiftung, der Mehrheitsgesellschafterin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und dem Jüdischen Journalistenverband (JJJ) vergeben.
Geehrt wurden neben den Autoren Nicholas Potter (»Die neue autoritäre Linke«, Deutscher Taschenbuch Verlag), Thorsten Schmitz (»Wer ein Warum hat, erträgt jedes Wie«, Süddeutsche Zeitung) sowie Sharon On und Dirk Laucke (»Auch wenn es dunkel ist«, RBB-Hörspiel) auch die beiden Journalisten der Jüdischen Allgemeinen, Mascha Malburg (Redakteurin) und Joshua Schultheis (freier Autor). Eine lobende Erwähnung erhielt zudem Anetta Kahane für ihre Kolumnen in der Frankfurter Rundschau.
Malburg und Schultheis wurden für ihr Buch »Worüber Juden reden« prämiert, das im Hentrich & Hentrich Verlag erschienen ist. Die beiden erklärten zu ihrer Auszeichnung: »Wir sind dankbar und stolz, mit unserem Interviewband unter den allerersten Trägerinnen und Trägern des Georg-Stefan-Troller-Preises zu sein. Für uns ist der Preis ein Zeichen der Wertschätzung für ein Projekt, das in polarisierten Zeiten auf Gespräche statt auf Streit und auf Zuhören statt auf Monologe setzt.«
Das Buch wäre ohne die Hilfe zahlreicher Menschen nicht möglich gewesen, so Malburg und Schultheis: »Wir danken unseren Kolleginnen und Kollegen bei der Jüdischen Allgemeinen, insbesondere dem Chefredakteur Philipp Peyman Engel. Wir danken Nora Pester und den Mitarbeitern des Hentrich & Hentrich Verlags. Wir danken unseren Fotografen und unserer Illustratorin Hannah Heifetz. Wir danken dem Zentralrat der Juden in Deutschland, der den Druck dieses Buches finanziert hat.«
Ihr besonderer Dank gelte den 40 Menschen, die bereit waren, mit Namen und Gesicht über ihre Geschichten, ihre Sorgen und Hoffnungen als Jüdinnen und Juden zu sprechen: »Das erfordert großen Mut in diesen Zeiten.«
Joshua Schultheis war bis Juli dieses Jahres Politik-Redakteur der Jüdischen Allgemeinen, für die er seitdem als freier Autor schreibt. Er gründete kürzlich »The Bilateral Briefing«, einen Newsletter über die deutsch-israelischen Beziehungen und ihre politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Facetten.
»Unser besonderer Dank aber gilt den 40 Menschen, die bereit waren, mit Namen und Gesicht über ihre Geschichten, ihre Sorgen und Hoffnungen als Jüdinnen und Juden zu sprechen. Das erfordert großen Mut in diesen Zeiten.« Mascha Malburg und Joshua Schultheis
Mascha Malburg, geboren 1995 in Berlin, hat Politik und Soziologie studiert. In ihrer Abschlussarbeit beschäftigte sie sich mit Hannah Arendts Revolutionstheorie. Ihr journalistisches Handwerk lernte sie an der Henri-Nannen-Schule mit Stationen bei der »Zeit«, dem »Spiegel«, »Stern« und »Tagesspiegel«. Seit 2023 schreibt sie für die JA über Politik, Gesellschaft und Religion.
Der Bundestagsabgeordnete Armin Laschet (CDU) sagte bei der heutigen Preisverleihung in seiner Laudatio: »›Free Palestine from German Guilt‹: Das ist Höcke auf links.« Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses sprach von einer neuen gefährlichen Mischung aus rechtem, linkem, akademischem und arabisch geprägtem Antisemitismus, die geeignet sei, die ganze Gesellschaft zu vergiften.
Mit Blick auf die Wahl von AfD-Mitgliedern zu Landtagspräsident und -vizepräsident in Sachsen-Anhalt einerseits, den antisemitischen Ausfällen in der Berliner Linken andererseits, rief Laschet erschüttert, es sei »unvorstellbar, was für eine Woche wir hier in Deutschland erleben«.
Armin Laschet hielt die Laudatio
Obwohl der 7. Oktober 2023 ein unvorstellbar grausames Massaker an Juden dargestellt habe, sei – für ihn unerklärlich und unvorstellbar – »das Zusammenleben hier in Deutschland und der Kampf gegen Antisemitismus schwieriger geworden als zuvor«. Der frühere Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hielt die Laudatio bei der erstmaligen Verleihung des mit 12.000 Euro dotierten Journalistenpreises.
Lorenz Beckhardt, der Vorsitzende des JJJ, dankte Ulrich Wilhelm, dem Kuratoriumsvorsitzenden der FAZIT-Stiftung, einst Regierungssprecher unter Angela Merkel und Intendant des Bayerischen Rundfunks. Wilhelm hatte die Idee zu diesem Preis, der, so Beckhardt, »eine journalistische Berichterstattung ehrt, die heute in vielen Medienhäusern enorm unter Druck steht und von vielen Journalisten nur noch mit spitzen Fingern angefasst wird«.
Das Massaker der Hamas gegen Israel am 7. Oktober 2023 habe nicht nur die jüdische Welt erschüttert, so der WDR-Journalist, sondern »es hat jüdische Journalisten in vielen Medienhäusern durch eisiges Schweigen bis zu offen antisemitischen Äußerungen in die Isolation getrieben. Viele haben Aufträge verloren, einige mussten ihre Zeitung verlassen«.
Schirmherrschaft bei Karin Prien
Beckhardt dankte der 16-köpfigen Jury aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unter dem Vorsitz von Gabriela Hermer (Rundfunk Berlin-Brandenburg) und Werner D’Inka (ehemals Frankfurter Allgemeine Zeitung), die von über 130 Einreichungen binnen dreier Monate überwältigt war. Die Schirmherrschaft über den Preis hatte Karin Prien (CDU), Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, übernommen. Mit dem Georg-Stefan-Troller-Preis gibt es nun erstmals im deutschsprachigen Raum einen Journalistenpreis für herausragende Berichterstattung über jüdisches Leben und die Bekämpfung des Antisemitismus.
Georg Stefan Troller (1921–2025) wurde in Wien geboren und musste als Jude 1938 vor dem Nationalsozialismus fliehen. Die Erfahrung von Ausgrenzung, Verfolgung und Exil prägte seine Biografie ebenso wie seine journalistische Haltung. Nach seiner Emigration in die USA kehrte er als amerikanischer Soldat nach Europa zurück und wurde später in Paris zu einem der bedeutendsten deutschsprachigen Reporter und Dokumentaristen.
Schon zu Lebzeiten galt Troller als Reporterlegende. Mit seiner unverwechselbaren Art des genauen Hinsehens und Zuhörens prägte er Generationen von Journalistinnen und Journalisten und wurde für viele zum Vorbild. Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Fernsehreporter für das ZDF und den WDR veröffentlichte er auch in führenden deutschsprachigen Printmedien wie »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, »Die Literarische Welt«, »Die Zeit« und »Der Spiegel«. ja