Sir Simon Rattle (71), seit der Saison 2023/24 Chefdirigent von Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks (BR), bleibt dem Sender erhalten. Der gebürtige Liverpooler verlängerte seinen Vertrag um weitere fünf Jahre und wird damit bis 2033 an der Spitze der beiden renommierten Ensembles stehen, wie der BR am Donnerstag in München mitteilte.
Intendantin Katja Wildermuth sprach von einer hervorragenden Nachricht für den BR, für das Publikum und die internationale Musikwelt. Rattle präge das Symphonieorchester und den Chor mit künstlerischer Strahlkraft, Leidenschaft und unermüdlichem Entdeckergeist. »Zugleich setzt er sich mit großem Engagement dafür ein, insbesondere junge Menschen für Musik zu begeistern und ihnen dadurch kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.« Damit stärke der Dirigent nicht nur das internationale Renommee der BR-Klangkörper, sondern auch deren Auftrag, Musik in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.
Rattle erklärte: »Ich liebe diese Musikerinnen und Musiker, diese Sängerinnen und Sänger, und ich war noch nie glücklicher.« Der inzwischen 99-jährige schwedische Dirigent Herbert Blomstedt habe ihm zum 70. Geburtstag eine berührende Videobotschaft geschickt mit dem Wunsch, er, Rattle, möge so alt werden wie er, damit ihm noch möglichst viele Jahre blieben, dieses fantastische Orchester zu dirigieren. »Das liegt zwar weit außerhalb der Laufzeit dieses Vertrags und vermutlich auch außerhalb dessen, was menschlich möglich ist. Aber, wie so oft, hat er auf einer tieferen Ebene vollkommen recht«, so der Chefdirigent.
Besondere Musik-Vermittlung
Seit er in München ist, hat Rattle laut Mitteilung mit dem Symphonieorchester des BR immer wieder neue künstlerische Akzente gesetzt. Die Bandbreite reiche von wegweisenden Interpretationen des klassischen Repertoires über herausragende Projekte im Bereich der zeitgenössischen Musik bis hin zu erfolgreichen Tourneen und Auftritten auf internationalen Bühnen. Gleichzeitig habe Rattle dem Repertoire neue Impulse verliehen, unter anderem mit der Einführung der »BRSO barock«-Reihe, konzertanten Opernproduktionen und außergewöhnlichen Programmschwerpunkten.
Mit dem BR-Chor konnte der Dirigent zudem die ganze stilistische Bandbreite des Chores ausspielen und präsentierte Werke von Purcell bis Berio und Henze, von Bach-Kantate bis Oper, von Chorsinfonik bis hin zu A-Cappella-Werken, wie es heißt. Besondere Aufmerksamkeit fanden demnach auch Rattles Musikvermittlungsprojekte, die weit über den Konzertsaal hinausreichen. Mit Initiativen wie dem »Symphonischen Hoagascht« oder »Singen mit Sir Simon« brachte er professionelle Musikerinnen und Musiker mit Laien, Chören und Blaskapellen aus ganz Bayern zusammen und eröffnete tausenden Menschen neue Zugänge zur klassischen Musik.