Israel

Freigelassene Geiseln sind schwer traumatisiert

Angehörige der Geiseln bei einer Pressekonferenz Anfang Dezember Foto: copyright (c) Flash90 2023

Viele Geiseln, die im November aus den Händen der Hamas-Terroristen im Gazastreifen freikamen, müssen einem Medienbericht zufolge auch Wochen später noch intensiv psychiatrisch behandelt werden. Die Geiseln hätten die schlimmsten Misshandlungen und Traumata erlitten, die sie in ihrer Laufbahn erlebt habe, sagte Renana Eitan, Leiterin der Psychiatrie am Ichilov-Zentrum in Tel Aviv, der Zeitung »The Guardian«. Während einer Feuerpause Ende November waren mehr als 100 Geiseln freigekommen, Israel ließ im Gegenzug 240 palästinensische Häftlinge frei.

Von den 14 Geiseln, die von ihrem Team behandelt würden, seien neun jünger als 18 Jahre sowie zwei Kinder unter zehn Jahren, sagte Eitan. Die meisten von ihnen benötigten eine langfristige Traumabehandlung. Darunter seien Kinder, die während ihrer Gefangenschaft unter anderem mit Ketamin betäubt worden seien und unter schweren Entzugserscheinungen litten sowie welche, die sexuell missbraucht worden seien oder sexuellen Missbrauch mit ansehen mussten.

Ketamin ist ein Narkosemittel, das unter die Haut oder intravenös verabreicht wird und bewirkt, dass Betroffene eine Zeit lang quasi von ihrer Umwelt abgekoppelt sind. Alle freigelassenen Geiseln in dem Krankenhaus haben der Ärztin zufolge sexuellen Misbrauch gesehen oder wurden selbst Opfer davon. Zwei Frauen seien zudem in einem 1 bis 1,5 Meter großen Käfig gehalten worden, wurde Eitan weiter zitiert.

»Als sie zurückkamen, schienen sie zunächst sehr glücklich und erleichtert zu sein. Und auch wir waren sehr optimistisch«, sagte sie. Aber schon nach ein, zwei Tagen habe man festgestellt, dass die Opfer unter schweren Alpträumen litten und »sehr, sehr verängstigt sind«. Einige von ihnen würden sich weigern, den Raum zu verlassen und zeigten schwere dissoziative Symptome. In einem Moment würden sie wissen, dass sie in einem Krankenhaus in Israel sind, im nächsten fürchteten sie wieder, in Geiselhaft der Hamas zu sein. »Einige hatten Angst einzuschlafen, weil sie sagen, dass sie sich in den ersten Minuten nach dem Aufwachen fühlen, als seien sie zurück in Gaza.«

Die meisten seien körperlich und seelisch schwer misshandelt worden. »Wir wissen, dass sie noch einen langen Weg vor sich haben.«

Auslöser des Gaza-Kriegs war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober in Israel verübt hatten. dpa/ja

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