Maccabiah

Zusammen sportlich

Ziporah und Gal sind ganz schön beschäftigt. Seit Samstag vorvergangener Woche und auch zum Wochenbeginn haben sich die jungen Frauen auf etwas vorbereitet, das sie so noch nicht erlebt haben. Trainingseinheiten zu Hause, die kennen sie, aber in Berlin Schnelligkeit, Technik und Ausdauer zu üben und dann doch nicht auf einen Wettbewerb zu fahren, das ist neu für die beiden Sportlerinnen.

Aber der Reihe nach. Es ist Sommer in Berlin, und in wenigen Tagen hätten sich viele der jungen Sportlerinnen und Sportler auf den Weg nach Israel gemacht. Die 22. Maccabiah sollte vom 8. bis zum 22. Juli in Jerusalem, Tel Aviv und Haifa stattfinden. Sie ist das größte jüdische Sportereignis der Welt und wird gern auch als »jüdische Olympiade« bezeichnet. Mehr als 10.000 Sportlerinnen und Sportler aus über 80 Ländern kommen dann alle vier Jahre zusammen, um gegeneinander anzutreten.

Die Maccabiah ist ein emotionales Highlight für jüdische Jugendliche weltweit

Neben dem sportlichen Wettbewerb stehen vor allem kulturelle und religiöse Events im Mittelpunkt, weshalb die Maccabiah ein emotionales Highlight für viele jüdische Jugendliche weltweit ist. Mehr Teilnehmer haben ansonsten nur die Olympischen Sommerspiele und die Paralympics. Bei dem Ereignis, bei dem sich so viele junge jüdische Menschen begegnen, lernen sie sich oftmals auch außerhalb des Sports kennen.

Doch die Rahmenbedingungen sind in diesem Jahr andere: Aufgrund der Sicherheitslage in Israel musste die Maccabiah 2025 kurzfristig verlegt werden – sehr wahrscheinlich auf Sommer 2026. Die Austragungsorte werden dann aber dieselben bleiben.

Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland, hätte liebend gern die Gruppe der etwa 210 Sportbegeisterten aus Deutschland angeführt: »Es sollte allen klar sein, dass die Sicherheit von etwa 10.000 Teilnehmern in Israel derzeit nicht mehr gewährleistet werden konnte.« Bis kurz vor Beginn sei man guten Mutes gewesen, wolle aber nun die Gelegenheit nutzen, hier im Park am Olympiastadion wenigstens das Training und die gemeinsame Zeit so zu verbringen wie geplant.

»Wer weiß, wozu das Verschieben gut ist. Die Aktiven haben so noch mehr Zeit, sich auf sportliche Spitzenleistungen vorzubereiten. Nicht vergessen: In erster Linie geht es um Sport. Auf jeden Fall ist es keine Absage.« Makkabi stehe für Zusammenhalt, Stärke und vor allem Zukunft.

Makkabi steht für Stärke, Zukunft und Zusammenhalt.

Auf dem Berliner Olympiagelände spürt man: Die positive Grundstimmung hat trotz der Verschiebung der Maccabiah um ein Jahr nicht gelitten. Etwa 150 junge Jüdinnen und Juden im Alter zwischen 13 und 18 Jahren sind trotzdem zu dem Trainingscamp angereist, das ohnehin als Vorbereitung für die Spiele in Israel geplant war. Das Ganze versteht sich nun als ein Zeichen des Zusammenhalts und der Hoffnung.

Der neue Name soll Programm sein: MAKKABI-JA

Der neue Name soll Programm sein: MAKKABI-JA. Außer dem Präsidium haben sich auch viele ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg hierher gemacht, wie Beatrice aus Süddeutschland. Sie war bereits bei einigen Makkabiaden in Israel mit von der Partie. Der Triathlon ist mittlerweile ihre Leidenschaft geworden. »Meine Disziplinen sind jetzt Radfahren und Schwimmen. Im Radfahren habe ich vor einigen Jahren auch meine Goldmedaille erhalten«, erzählt sie.

Alle Aktiven sind gemeinsam in einem Hotel untergekommen. Denn auf dem Gelände selbst gibt es keine Übernachtungsmöglichkeiten. Dafür werden die Mahlzeiten und umfassende Bildungsprogramme in unmittelbarer Nähe zu den Trainingsstätten angeboten. Gut die Hälfte der Teilnehmer sind Junioren. »Natürlich waren wir zunächst traurig«, sagt Kai (25) aus Köln über die Absage aus Israel. Auch er ist Maccabiah-Athlet und wäre zum zweiten Mal mit dabei gewesen.

»Alle aus meiner Trainingsgruppe der Judomannschaft hatten sich in diesem Jahr besonders viel vorgenommen. Zuletzt hat es bei mir nur für den fünften Platz gereicht. Aber wir haben uns entschieden, das Training nicht einfach abzubrechen.« Einige Sportlerinnen und Sportler hätten aus beruflichen Gründen leider nicht mitmachen können. »Dabei ist es gerade jetzt so wichtig, sich gegenseitig aufzubauen und mit der jüdischen Welt zu vernetzen.«

Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, Tennis, Basketball, Radsport und Golf

Auf den Sportplätzen wird viel gelacht und fleißig trainiert. Fußball, Leichtathletik, Schwimmen, Volleyball, Tennis, Basketball oder Radsportausfahrten – Sportdisziplinen gibt es reichlich, sogar Golf ist mit dabei. Die Trainingseinheiten werden begleitet von Gesprächsrunden über jüdisches Leben in Europa, aktuelle politische Entwicklungen in Israel und Strategien im Kampf gegen den zunehmenden gesellschaftlichen Extremismus.

Am Samstag dann traten junge jüdische Fußballer aus der Trainingsgruppe einer U17-Bundesliga-Mannschaft von Tennis Borussia gegenüber und boten dem Gegner Paroli. Das gelang aber nur in der ersten Hälfte des Freundschaftsspiels. Am Ende mussten sie sich aber mit 0:5 geschlagen geben. Organisiert hatte das Match der Beisitzer für Sport aus dem Präsidium von Makkabi, Claudio Offenberg, der gute Kontakte zu Tennis Borussia pflegt.

Die Enttäuschung war zu spüren – trübte aber nicht die Grundstimmung.

Etwa die Hälfte der Gruppe vom Samstag hat sich zudem für ein Yoga-Kurz-Seminar entschieden, das am Tag darauf stattfand – für die Jugendlichen eine ungewohnte Herausforderung, die sie nach einer kurzen Einstimmungsphase aber begeistert auf sich nahmen.

»Ich habe mich so gefreut, endlich wieder Israel zu erleben«, so Ziporah (24) aus Straßburg und im Jugend-Vorstand von Makkabi aktiv. »Jetzt kann ich meine Bronzemedaille in der Staffel 4 mal 400 Meter vom letzten Mal nicht verbessern, aber ich spüre trotzdem eine Verbindung. Wir sind hier, wir trainieren – und wir geben nicht auf.« Für sie habe sich bereits beim ersten Mal auf der Maccabiah eine neue Welt eröffnet. »Ein unwahrscheinliches Ereignis, Wahnsinn, so viele Gleichgesinnte im Sport zu treffen.« Von einem Heiratsmarkt möchte sie nicht wirklich sprechen. Die Gelegenheit, sich auch außerhalb der Stadien näher kennenzulernen, sei aber durchaus gegeben.

Auf dem Programm von MAKKABI-JA stand ebenfalls ein gemeinsamer Schabbat, eine große Hawdala-Zeremonie sowie am Sonntagnachmittag eine Gedenkzeremonie für die Opfer des Anschlags auf die Olympischen Sommerspiele von 1972 in München. Zugleich gedachte man auch der israelischen Geiseln, die sich seit nunmehr 21 Monaten in der Gewalt der Terrororganisation Hamas befinden.

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