Besuch

»Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«

In der vergangenen Woche war Daniel Hagari, ehemaliger Sprecher der israelischen Armee, auf Einladung von Keren Hayesod und der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern im Jüdischen Gemeindezentrum zu Gast – eine Stimme, die seit dem 7. Oktober 2023 weit über Israel hinaus Gehör gefunden hat.

Zur Begrüßung fand IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel deutliche Worte: Es sei schwer, Sprecher einer Armee zu sein »in einer Welt, die alles, was mit wehrhaften Juden zu tun hat, ausblenden möchte«. Hagari sei es gelungen, »das Vertrauen der israelischen Bevölkerung in ihre eigene Wehrhaftigkeit wiederherzustellen«.

Auch Amir Borenstein, Vorsitzender des Keren Hayesod in München, betonte, Hagari sei eine »Stimme der Klarheit und der Ruhe«. Unter den Anwesenden im bis auf den letzten Platz besetzten Hubert-Burda-Saal waren unter anderem der Militärrabbiner der Bundeswehr, Zsolt Balla, sowie die israelische Vizekonsulin Silvia Berladski Baruch, die ihrerseits die enge Verbundenheit zwischen Israel und der Diaspora unterstrich. Neben der sicherheitspolitischen Perspektive stand an diesem Abend auch konkrete Hilfe im Mittelpunkt.

Zum Ende des Abends schloss sich der Kreis zu Adi Negev.

Eugenia Kashi, Leiterin des Büros des Keren Hayesod in München, berichtete über die Arbeit der Organisation, die sich aktuell auf Unterstützung für Reservisten, Terroropfer und den Wiederaufbau in Israel konzentriere. Besonders im Fokus: das Rehabilitationsdorf Adi Negev nahe Beer Schewa, wo seit dem 7. Oktober Hunderte Soldaten sowie traumatisierte Zivilisten behandelt werden.

Im Gespräch mit Eitan Küppers-Levi gewährte Daniel Hagari auch persönliche Einblicke. Der in Tel Aviv geborene Konteradmiral, dessen Großvater aus Berlin stammt, war erst sechs Monate Sprecher der israelischen Armee (IDF), als 2023 der Krieg begann. Sein Ziel sei es damals gewesen, das Vertrauen in die IDF durch Transparenz und Glaubwürdigkeit zurück­zugewinnen.

Seine Auftritte wurden schnell zu mehr als Pressebriefings: Befreite Geiseln berichteten ihm später, sie hätten ihn in Gaza im Fernsehen gesehen – seine Statements wurden live auf Al Jazeera ausgestrahlt. Folglich habe Hagari seine Worte auch als Botschaften der Hoffnung direkt an die Entführten gerichtet. Gleichzeitig habe er gegen Desinformation angekämpft, jede Meldung persönlich überprüft, in Pressekonferenzen Beweise vorgelegt – wohl wissend, dass Fakten oft kaum Wirkung entfalten.

Zum Ende des Abends schloss sich der Kreis zu Adi Negev. Hagaris eigener Bruder, der mit einer Behinderung geboren wurde, lebt in diesem Dorf. Das Projekt und dessen Wirken, vor allem für traumatisierte Soldaten und Familienangehörige, schätze er sehr. »Wir sehen nur die Spitze des Eisbergs«, sagte er, »darunter liegt viel Trauma und Schmerz.«

Der Abend machte deutlich, dass die Folgen des Krieges weit über das unmittelbare Geschehen hinausreichen – und dass ihre Bewältigung langfristige Unterstützung und Aufmerksamkeit erfordert.

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