Der Monat Oktober 2026 ist für die Münchner Kehilla eine besondere Zeit, die auf das 20-jährige Jubiläum der Synagoge »Ohel Jakob« am 9. November und die Eröffnung des Jüdischen Zentrums am Jakobsplatz vor bald 20 Jahren zusteuert. Aus diesem Grund gibt es eine Reihe besonderer Angebote für die Mitglieder und Freunde der Israelitischen Kultusgemeinde – von anspruchsvollen Lesungen mit Konrad Bernheimer und Dafna Gerstner über außergewöhnliche Filme im Reigen der Jüdischen Filmtage wie Heimsuchung mit Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff und über Noga, eine israelische Sängerin, sowie jiddische Evergreens, vorgetragen von dem weit über die Grenzen Wiens hinaus geschätzten Musiker Roman Grinberg.
Ein besonderes Highlight war der vergangene Sonntag. Am Nachmittag gab es die Möglichkeit, am »Marktplatz der Genüsse« im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums Kulinarisches und Kulturelles zu finden. Am Abend folgte ein Galadinner mit einem Drei-Gänge-Menü, extra zum Jubiläum zusammengestellt von einem »international gefeierten Vertreter der jüdischen Spitzengastronomie«, wie Charlotte Knobloch den Koch-Autodidakten und Kochbuch-Bestsellerautor Tom Franz willkommen hieß.
Für die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde bedeuten die vergangenen zwei Jahrzehnte eine neue, sichtbare »jüdische Präsenz in dieser Stadt«, immer wieder gefeiert mit »Festen auf dem Jakobsplatz, Jubiläen oder besonderen Anlässen wie dem jährlichen Europäischen Tag der jüdischen Kultur«, wobei auch kulinarische Genüsse eine Rolle spielen.
Das Galadinner im Hubert-Burda-Saal begann mit einer kleinen Verzögerung. Man hatte die Rückkehr der Rabbiner Shmuel Aharon Brodman, Elie Dues und Steven Langnas – er begeisterte am Nachmittag mit einem Vortrag über Gewürze in Kultus und Küche des Judentums das Publikum – vom Mincha-Maariv-Gebet abgewartet. Mit dabei waren auch Tom Franz und sein Sohn Gabriel, der vier Tage zuvor Barmizwa gefeiert hatte. Für den gebürtigen Kölner Tom Franz ist es seit seinem Übertritt zum Judentum 2007 eine Selbstverständlichkeit, die Mizwot des Judentums zu erfüllen. Deutsche Sorgfalt, verbunden mit israelischer Herzlichkeit und der kulinarischen Sinnlichkeit von lokalen Ausgangsprodukten haben Tom Franz zu einem Botschafter von feinster Küchenkunst auf absolut koscherem Niveau werden lassen.
Während sich die bestens gestimmte Gesellschaft Speisen passend zum Abend unter Namen wie »Unter einem Dach« und »Jakobs Leiter« schmecken ließ, befragte Ellen Presser den Spitzenkoch. Seitdem ihn seine Frau Dana zur Teilnahme an der israelischen Kochsendung »Masterchef« überredete, die er 2013 gewann, ist er ständig auf Achse. Zu Kopf gestiegen ist dies dem »kulinarischen Brückenbauer« nie. Dazu ist der studierte Jurist und gläubige Jude viel zu geerdet.
Tom Franz: »Meine liebste Mahlzeit. Israelisch frühstücken zu jeder Stunde des Tages«. at-Verlag, Aarau 2025, 184 S., 32 €