Chabad-Konferenz für Jugendliche

»Wir schämen uns nicht«: 500 junge Juden am Brandenburger Tor

Es war ein ungewöhnlicher Anblick: Hunderte Jugendliche aus Chabad-Gemeinden in ganz Europa zeigten sich am Freitag vor dem Schabbat vor dem Brandenburger Tor. Sie tanzten, sangen, beteten und lernten sich in Rahmen des Europäischen Jüdischen Jugendkongresses gegenseitig kennen.

Die Zusammenkunft auf dem Pariser Platz war eine der ersten Aktivitäten der Konferenz, die auch als »C Teen« bekannt ist. Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Städten in der Bundesrepublik, aber auch aus Spanien, Malta, der Türkei, England, der Ukraine, Schweden, Kroatien, Polen, Ungarn, Monaco, Portugal und Lettland. Die Begeisterung war groß.

An diesem kalten Dezember-Vormittag wurden die Jugendlichen von Rabbiner Yehuda Teichtal, dem Gastgeber in Berlin, und seinen Chabad-Kollegen immer wieder zum Tanzen angespornt, damit sie warm blieben. Zudem machten die Rabbiner auch aktiv mit. So viele tanzende Rabbiner auf einem Fleck zu sehen, war ebenfalls etwas Besonderes.

Gleichaltrige kennenlernen

Als »Jewish Pride Rally«, also eine Kundgebung des jüdischen Stolzes, war das Event am Brandenburger Tor angekündigt worden. Der überdimensionale Weihnachtsbaum auf dem Platz störte niemanden. Ein teilnehmendes Mädchen aus Berlin sagte der Jüdischen Allgemeinen, ihr gehe es bei »C Teen« darum, Gleichaltrige aus anderen Ländern kennenzulernen.

»Viele neue Menschen zu sehen« sei einer der wichtigsten Punkte, so ein Mädchen aus Niedersachsen. »Auch geht es uns darum, den Stolz dafür zu zeigen, dass wir Juden sind. Wir schämen uns nicht.« Ein Junge neben ihr erzählte, er habe bereits neue Freundschaften mit Teilnehmern aus Chabad-Gemeinden in der Türkei geschlossen.

»Ich denke, dieses Event wird cool, auch weil wir so viele sind«, sagt ein weiterer Junge aus dem Nordwesten Deutschlands. »Der Stolz auf das Judentum ist bei uns allen vorhanden.«

»Gute Energie«

Während die Berliner Polizei Passanten am Pariser Platz sehr genau in Augenschein nahm und die Gegend für Fahrzeuge sperrte, erzählten zwei junge, männliche Chabad-Mitglieder aus Wien, sie erwarteten »viel Freude und gute Energie«. Es gehe darum, Gemeinsamkeiten mit den anderen Teenagern zu entdecken.

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Das Gespräch mit den Österreichern wurde schon von Ankündigungen eines Rabbiners über kurz zuvor installierte Lautsprecher übertönt, als prominente Gäste auf der Bühne erschienen: Der israelische Botschafter Ron Prosor und Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und die Bekämpfung des Judenhasses begrüßten die Hunderten jungen Besucher auf Englisch.

Zunächst war jedoch Rabbiner Teichtal an der Reihe: »Guckt Euch diese wunderbare Szene an!«, rief er. »Achtzig Jahre nachdem die Nazis auf diesem Platz standen und erklärten, es gebe keine Zukunft für die Juden, sind hier Hunderte Teenager aus vielen europäischen Ländern. Sie zeigen, dass jüdisches Leben positiv ist, jung, offen und tolerant.«

Message des Tages

Das Licht werde die Dunkelheit stets überwinden und den Hass verjagen, so Teichtal. »Dies ist unsere Message des Tages.« Er erklärte auch, die Teilnehmer und die Juden der Welt beteten für die weiterhin in Gaza festgehaltenen Geiseln und ihre Rückkehr nach Hause.

Botschafter Prosor dankte den Teenagern für die Energie, die sie nach Berlin gebracht hätten. »Es ist toll, Euch alle hier zu sehen! Dies gilt erst recht in einer Zeit wie dieser. Wenn ich Euch hier so sehe, bin ich stolz. (...) Ihr seid die Generation, von der wir dachten, sie sei nur auf Tiktok. Jetzt zeigt ihr uns, wie umwerfend ihr seid.« Prosor rief die jüdischen Jugendlichen zu Zusammenhalt auf und äußerte die Hoffnung, dass die Geiseln in Gaza zu Chanukka zu ihren Familien zurückkehren würden.

Felix Klein sagte: »Ihr zeigt, wie widerstandsfähig und wichtig jüdisches Leben ist. Als Nicht-Jude kann ich sagen: Was ihr hier unter der Leitung meines Freundes Rabbiner Yehuda Teichtal und dem Rest des Teams tut, wirkt auf Eure Umgebung.« Jüdisches Leben, das »laut, sichtbar und glücklich« sei, stelle eine enorme Bereicherung für jede Gesellschaft in jedem Land dar, in dem es gedeihen könne. »Auch die Gesellschaft als Ganzes wird aufblühen.«

Dringliche Themen

Rabbiner Shimon Rivkin, der Organisator von »C Teen«, betete anschließend mit den Hunderten jungen, jüdischen Europäern, die er mitgebracht hatte. Er sang und gab Anweisungen für Gruppenfotos eines Momentes, den so schnell niemand vergessen wird. Auch lud er einen IDF-Soldaten, der in Gaza gekämpft hatte und zufällig als Tourist am Brandenburger Tor vorbeikam, kurzerhand auf die Bühne ein.

Am Wochenende erwartete die Teilnehmer ein gemeinsamer Schabbat. Hinzu kamen Arbeitsgruppen zum Thema »Junge Führungskräfte« und eine Beschäftigung mit »dringlichen Themen, mit denen das jüdische Leben in Europa konfrontiert ist«. Im Rahmen von »C Teen« geht es darüber hinaus um Schicksale von jungen Juden, die sich in »komplexen Umgebungen« bewegen oder Judenhass bekämpfen müssen.

Im Herzen Berlins war jüdisches Leben am Freitag sehr gut sichtbar, wie teilnehmende Mädchen aus Spanien gegenüber dieser Zeitung bestätigten. Sie freuten sich zunächst auf den Schabbat und das gemeinsame Essen. »Leute aus anderen Ländern haben wir bisher noch nicht kennengelernt«, sagte eine Teilnehmerin aus Barcelona.

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