Berlin

Trauer um Maria Brauner

Maria Brauner, sel. A. (1925–2017) Foto: dpa

Eben noch hat ihr Ehemann Artur seinen 99. Geburtstag gefeiert, eben noch – so scheint es mir – ist sie elegant türenknallend aus dem Porsche gestiegen, hat süffisant lächelnd die Bewunderung für ihre sportgestählten Beine (»Fass mal an, hart wie Krupp-Stahl!«) und die hohen Pumps entgegen genommen. Eben noch hat sie das Wodkaglas zu einem »Masel Tow!« erhoben, einen Witz auf Polnisch erzählt, unauffällig die Brieftasche für irgendeinen Bedürftigen gezogen, die sterile Bettwäsche im Jüdischen Pflegeheim gegen kunterbunte ausgetauscht und fröhliche Bilder aufgehängt.

Eben noch hat sie als Sozialdezernentin, zuverlässig und pünktlich wie ein Uhrwerk, ihre wöchentliche Sprechstunde abgehalten, Wohnungen für russische Zuwanderer besorgt und qualmend (so heftige wie erfolgreiche) Telefonate geführt. Eben noch hat sie als Gemeinderepräsentantin, in unzähligen Ehrenämtern und als Patientensprecherin im Jüdischen Krankenhaus kein Blatt vor den Mund genommen oder einer alten Dame im Seniorenheim die Haare gekämmt. Maria Brauners Lebensmotto: Tue Gutes und rede nicht darüber.

Biografie Teresa Albert, 1925 in Lemberg geboren, überlebte mehrere deutsche Arbeitslager mit polnischen Papieren, die ihr bescheinigten, dass sie Maria Drozd heißt und »arisch« ist, lernte in Stettin den aus Lódz stammenden Artur »Atze« kennen, der mit seiner CCC-Filmproduktionsfirma einer der wichtigsten Filmproduzenten Deutschlands werden sollte. Doch zunächst wurde er Marias »erste und einzige Liebe« und 1947 ihr Mann, der Vater ihrer vier Kinder, der Großvater ihrer sieben (oder sind es inzwischen mehr?) Enkel – eines der Lebenselixiere für Maria, die wie Artur fast die gesamte Familie in der Schoa verloren hatte.

Über Artur sagte sie einmal: »Durch ihn habe ich eine tolle Atmosphäre zurückbekommen, ein fantastisches Leben … bei uns waren ja alle, von Maximilian Schell bis Romy Schneider ... Ich habe nie versucht, mit diesen Frauen zu konkurrieren. Ich habe versucht, ein Mensch zu sein und ein Mensch zu bleiben, damit kann ich imponieren.«

Ja, Maria, das hast du. Du hast uns imponiert und wirst uns weiter inspirieren. Du warst eine feste Größe in vieler Leben. So eine wie dich habe ich mir immer irgendwie unsterblich vorgestellt. Und im gewissen Sinne bist du das auch. Ich glaube, niemand, der dich kannte, wird dich je vergessen. Dein umwerfendes Lachen, deine impulsive Direktheit und dein grenzenloser Optimismus werden mir am meisten fehlen.

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Sport

Maccabiah Chai!

170 Athletinnen und Athleten sind in Israel beim größten jüdischen Sportevent – Wir stellen Ihnen sechs vor

von Katrin Richter, Helmut Kuhn  01.07.2026

Sachsen-Anhalt

»Eine offene Tür ist unsere Antwort«

Landesverbands-Geschäftsführerin Rimma Fil über wachsenden Antisemitismus, Sorgen vor der Landtagswahl und den festen Willen der jüdischen Gemeinden, sichtbar zu bleiben

von Christine Schmitt  01.07.2026

Verlegung

Magdeburg erhält 900. Stolperstein

Seit 2007 wird in Magdeburg mit Stolpersteinen an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Die nunmehr 47. Verlegung wurde auf zwei Tage verteilt

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Aufruf

Jüdische Hochschullehrer fordern besseren Schutz gegen Antisemitismus

Hochschulen können ihre jüdischen Studierenden und Lehrenden nicht ausreichend gegen Antisemitismus schützen. Das NJH will das ändern und fordert unter anderem die Möglichkeit zur Exmatrikulation von Störern

 30.06.2026

Forschung

Historiker Gerber: Erinnerung an Holocaust verschwindet

Der Leipziger Historiker Jan Gerber wendet sich gegen ein kontinuierliches Verschwinden der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Schoa. Der Tod der letzten Zeitzeugen ist für ihn dabei nicht entscheidend

von Volker Hasenauer  29.06.2026

Festival

Trotz Rekordhitze: Tausende Gäste bei Jüdischer Woche in Leipzig

Trotz der sommerlichen Hitze und damit verbundener Programmänderungen seien die Veranstaltungen im gesamten Stadtgebiet auf großen Zuspruch gestoßen

 29.06.2026