Rummikub

Steine los in Mitte

»Ich bin ein ernsthafter Mensch.« Das sagt ausgerechnet Micha Hertzano, der sein ganzes Leben einer Passion widmet: dem Spielen. Besser gesagt, dem Rummikub, einem Brettspiel mit Steinen. Sein Vater hat ihm die Leidenschaft für seine Erfindung vererbt, der Sohn ist damit aufgewachsen. Noch heute ist er von dem Spiel begeistert – und von allem, was für ihn damit zusammenhängt.

wüste »Ich stehe morgens um sechs Uhr auf und freue mich auf meine Arbeit und meine Mitarbeiter«, sagt der 70-Jährige. Seiner Familie gehört der israelische Spieleverlag Lemada Light Industries.

Die Büros liegen nahe dem Flughafen Ben-Gurion, die Produktionsstätten in der Negevwüste. Dort, in der kleinen Stadt Arad, hat die Firma eine der fortschrittlichsten Spieleproduktionen der Welt aufgebaut – in drei Schichten werden die Spiele angefertigt, alle sechs Sekunden sei ein neues fertig, sagt Hertzano stolz.

Jüngst konnte er etwas länger schlafen, denn die erste Rummikub-Weltmeisterschaft, die Ende des vergangenen Jahres in Berlin ausgetragen wurde, begann erst um zehn Uhr, das Finale einen Tag später um 14 Uhr. Wenn es eines in Hertzanos Leben gibt, was er bedauert, dann, dass er seinen Vater nicht ausgiebig genug befragt hat, wie es dazu kam, dass er Rummi in Rummikub abwandelte und so eine neue Spielart entwickelte, meint der israelische Spielehersteller.

rumänien Efraim Hertzano, ein Kaufmann aus Rumänien, erfand in den 40er-Jahren die Variante mit den Steinen, da in Rumänien damals »das Kartenspiel mit den Spielscheinen verboten« war.

Eigentlich verdiente Efraim Hertzano sein Geld damals mit dem Verkauf von Zahnbürsten. Als er einmal eine Fabrik besuchte, erstand er einen Sack Plexiglas, aus dem er die Spielsteine herstellte. Bereits am nächsten Tag lud er seine Freunde zu einem – nun legalen – Spiel ein.

Als Hertzano mit seiner Familie nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel emigrierte, nahm er sein Spiel und seine Visionen mit. In Handarbeit stellte er es her und lud Nachbarn, Ladenbesitzer und Verkäufer zu Spieleabenden ein, sodass es immer bekannter wurde.

Mit Erfolg – 1977 war es in Israel das bestverkaufte Spiel des Jahres und wurde international vermarktet. 1980 wurde es zum »Spiel des Jahres« gewählt, schließlich wurde es in 52 Ländern mehr als 60 Millionen Mal verkauft.

spielfreude Ziel des Spiels ist es, die 14 Spielsteine, die man zu Beginn bekommt, abzulegen – was aber nur in bestimmten Kombinationen möglich ist. Der Spieler, der als Erster von allen »steinlos« ist, hat die Runde gewonnen.

»In Holland hat jeder zweite Haushalt das Spiel bei sich im Schrank, in Israel hingegen jeder«, beschreibt Hertzano die Beliebtheit von Rummikub in seiner Heimat. Denn in Israel spiele es fast jeder. Spielfreude kennt keine Grenzen, meint er. Umso mehr freute er sich, 120 Teilnehmern aus 32 Nationen beim Spielen zuzuschauen. Sie alle kamen nach Berlin, um den Weltmeistertitel im Rummikub zu erringen.

Die WM findet alle drei Jahre statt – nun zum ersten Mal in Berlin. Im Finale trafen Spieler aus Holland, Südkorea, Japan und Slowenien aufeinander. Der 37-jährige Kouzo Saito aus Tokio nahm den Titel mit nach Hause.

partie Etwas enttäuscht ist Sara Jeske aus Bad Hönningen. Sie hatte sich bereits im September in Neuss bei der Deutschen Meisterschaft gegen 100 Konkurrenten durchgesetzt und gilt mit ihren 15 Jahren als eine der jüngsten deutschen Teilnehmerinnen. Doch an diesen Tagen lief es nicht gut für sie. Sie hatte Pech und konnte keine einzige Partie für sich entscheiden.

»Ich kam mit der Spielstrategie meines Gegners nicht zurecht, der verdeckt spielte.« Doch die Niederlage kann ihre Rummikub-Begeisterung nicht bremsen: »Rummi ist Spannung pur, da jede Partie anders ist.« In ihrer Familie spielen alle – und treten bei Wettkämpfen an. Seit sieben Jahren schiebt auch Sara die Steine zusammen. »Ich liebe die Nachmittage, an denen wir zusammen am Tisch sitzen und spielen. So macht mir Trainieren am meisten Spaß.«

Hertzano besucht Deutschland regelmäßig, nicht nur zur Rummikub-WM, sondern jedes Jahr zur Spielzeugmesse. Zwei Rummikub-Spiele liegen bei ihm zu Hause immer griffbereit im Schrank – sodass er sie jederzeit auspacken und loslegen kann.

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