Achava-Festspiele

Starke Frauen

Der Shuk Achava, der »Markt der Möglichkeiten« mit Literatur, Musik, Kabarett, Kulinarischem und Kinderprogramm ist eine der großen Premieren der diesjährigen Achava-Festspiele in Thüringen, die vom 1. bis 11. September in Erfurt stattfinden. Gastgeber ist der Thüringer Landtagspräsident Christian Carius (CDU). Er ist es auch, der eine Podiumsdiskussion mit allen im Landtag vertretenen Fraktionen initiiert hat – einschließlich der AfD.

Achava-Intendant Martin Kranz setzt auch 2016 wieder auf den interreligiösen Dialog mit jüdischem Impuls. »Allerdings steht diesmal während der Debatten ausschließlich der Islam im Mittelpunkt«, erklärt er. Grund seien die große Unwissenheit und damit einhergehender Hass. Die Religionsgespräche stehen unter dem Motto: »Islam – der große Unbekannte«. Necla Kelek, in der Türkei geborene Sozialwissenschaftlerin und Autorin, diskutiert, ob der Islam demokratiefähig ist. Weitere Themen beschäftigen sich mit der Entstehung des Islam und seiner Zukunftsfähigkeit.

Topf&Söhne Dass die Achava-Festspiele, die Festspiele der Brüderlichkeit, am 1. September beginnen, ist kein Zufall. Kranz und sein künstlerischer Leiter Jascha Nemtsov wollen zum Weltfriedenstag ein Zeichen setzen. Ebenso wenig ist es Zufall, dass in diesem Jahr der »Erinnerungsort Topf & Söhne« Begegnungsstätte des Festivals sein wird. »Ich bin sehr froh, dass wir nun Partner von Achava werden und hier, am Ort der Mittäterschaft, in das Programm integriert sind«, sagte Leiterin Annegret Schüle.

Ein vom Judentum inspiriertes Festival sei nicht ohne den Holocaust zu denken. Die Frage, warum der Holocaust möglich war, sei heute aktueller denn je. Mit der Reihe »Wohin Welt?« soll nach Antworten gesucht werden. Unter anderem wird der polnische Klezmermusiker und Holocaust-Überlebende Leopold Kozlowski-Kleinman vorgestellt. Dazu wird der Film Der letzte Klezmer gezeigt. Ebenso beeindruckend dürfte das Gespräch mit der deutsch-jesidischen Journalistin Düzen Tekkal sein. Die Jesidin bringt ihren Dokumentarfilm Hawar – meine Reise in den Genozid mit und stellt sich der Diskussion unter dem Titel »Der lange Weg der Integration – Jesiden in Deutschland«. Sie erzählt von ihrem Leben und dem ganz normalen Rassismus in der Bundesrepublik.

In diesem Jahr stehen während der Achava-Festspiele vor allem internationale Künstlerinnen auf der Bühne des Heizhauses. Das Eröffnungskonzert gibt Yasmin Levy. »Ich singe Lieder aus einer Zeit, in der Muslime und Juden in Frieden lebten«, erklärt die Israelin, die sefardische Wurzeln hat und deren Vater in der Türke geboren wurde. Dem Eröffnungskonzert geht die Ausstellung »Unersetzbar. Begegnung mit Überlebenden« voran. Unter anderem werden aus Thüringen der Gemeindevorsitzende Reinhard Schramm, der als Kleinkind in einem Versteck mit seiner Mutter überlebte, und sein Vorgänger Wolfgang Nossen erzählen. Aber auch Eva Fahidi-Pusztai aus Budapest wird sprechen.

Zivilcourage Besonders erfreut sind die Achava-Macher, dass Esther Bejarano nach Thüringen kommt, hier mit ihrer Gruppe »Microphone Mafia« auftritt und den ihr im vorigen Jahr verliehenen Jochen-Bock-Preis für Zivilcourage entgegennehmen wird. Im vergangenen Jahr war sie erkrankt.

Weitere internationale Künstlerinnen sind Aynur aus der Türkei und Miriam Touran aus Israel mit einer multikulturellen musikalischen Reise. A-WA aus dem Jemen und Tel Aviv ist eine Band mit drei Schwestern, die jemenitische mit zeitgenössischer Musik kombiniert. Erstmals nach vier Jahren tritt Habanot Nechama (deutsch: Trostmädchen) auf, ein international gefeiertes Frauentrio aus Israel.

Das Land Thüringen unterstützt das Festival mit 250.000 Euro. Die andere Hälfte des diesjährigen Budgets kommt von privaten Spendern der Region. Die Schirmherrschaft für das Festival haben Zentralratspräsident Josef Schuster und Ministerpräsident Bodo Ramelow übernommen. Die Veranstalter rechnen mit 10.000 Besuchern.

www.achava-festspiele.de
Direktbestellungen von Tickets unter: 0361/227 52 27

Programm

Vortrag, Führung, Finissage: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 27. August bis zum 3. September

 26.08.2026

Neuanfang

Erste Klasse

Zwischen Schultüte und Blumen: Jüdinnen und Juden öffnen ihre Fotoalben und blicken auf ihre Einschulung zurück – in Israel, im Baltikum, in der Sowjetunion sowie in Ost- und West-Berlin

von Christine Schmitt  26.08.2026

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  26.08.2026

Plädoyer

Stark und selbstbewusst

Die Zeiten des Ghettos und Sich-Wegduckens gehören zum Glück der Vergangenheit an. Umso mehr sollten Juden hierzulande entschiedener für ihre Interessen eintreten

von Sacha Stawski  25.08.2026

München

Von Deutschland in die Welt

Eine Ausstellung widmet sich dem Wirken jüdischer Architekten, deren Karrieren von Verfolgung und Exil bestimmt waren. Ihre Bauten beeinflussten die Moderne maßgeblich

von Ellen Presser  25.08.2026

Dresden

Ausstellung würdigt jüdische Sportlerinnen und Sportlern

Deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten stehen im Mittelpunkt einer Präsentation. Anlässlich des Jahres der jüdischen Kultur wird sie in Dresden gezeigt

 25.08.2026

Spremberg/Forst

Stolpersteine gestohlen

Der Staatsschutz ermittelt

 24.08.2026

Dresden

Unbekannter entwendet Kippa

Der Staatsschutz der Dresdner Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen

 24.08.2026

Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026