Makkabi

Sport light

Das erste Makkabi-Großereignis zu Corona-Zeiten war das Frauen-Fußballturnier Anfang August in Frankfurt. Foto: Rafael Herlich

Der Radsportlehrgang Ende Juli und das Fußball-Damen-Turnier Anfang August waren etwas ganz Besonderes: die ersten gemeinsamen Veranstaltungen von Makkabi Deutschland nach dem Lockdown und damit die ersten Schritte des Dachverbandes zurück in die sportliche Normalität. In den Ortsgruppen sind die Mitglieder froh, dass gemeinsamer Sport seit Ende Juli wieder möglich ist, wenn auch mit Einschränkungen und Auflagen.

Das heißt: Für jede Veranstaltung, für jeden Sportkurs, für jedes Angebot braucht es ein Hygienekonzept. Derzeit müsse nicht nur das Training vorbereitet werden, sondern noch viel mehr.

»Man muss sich viel mehr Gedanken machen, um den Sport bestmöglich zu organisieren, aber besser als die möglichen entsprechenden Folgen, wenn man sich nicht so gut darauf vorbereitet«, sagt Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Die Herausforderungen rund um Corona sieht er sportlich. »Es gibt keine Probleme, es gibt nur Lösungen. Die Frage ist doch, was man bestmöglich aus der Situation macht.«

Konzepte Das versucht der Dachverband in Frankfurt, und das versuchen auch die Verbände vor Ort. »Wir sind sehr bemüht, dass unsere Mitglieder ihren Sport wie sonst wieder ausüben können«, sagt Andreas Huber, Manager von TSV Maccabi München, derzeit in Elternzeit, aber weiterhin sehr eng verbunden mit dem Verein, der an die 1000 Mitglieder hat. Alvaro von Lill-Rastern, Assistent des Managements, habe sich sehr gute Konzepte überlegt, damit die Sportarten so schnell wie möglich unter allen Vorschriften wieder ausgeübt werden können. Ständig kommen Updates, wenn die Politiker Neuerungen verkündeten.

Mannschaftsbesprechungen finden im Freien statt. Die Teams trainieren zeitlich entzerrter, damit die Sportplätze nicht zu voll werden. Am meisten hätten die Indoor-Sportarten wie Ballett und Tischtennis unter den Vorsichtsmaßnahmen zu leiden, sagt Manager Andreas Huber. Noch sind die Hallenkapazitäten sehr begrenzt. Daher verlegte die Israelische Tanzgruppe ihr Training nach draußen. Planen, um die Tischtennis-Sportler vor Windeinwirkungen zu schützen, führten hingegen nicht zum Erfolg.

Am meisten haben die Indoor-Sportarten unter den Maßnahmen zu leiden.

»Uns kommt zugute, dass wir ein super Team sind und Mitglieder haben, die das verstehen und mittragen.« Andreas Huber betont, dass es zu keinem Anstieg der Austritte gekommen sei. »Wir hatten sogar Neuaufnahmen. Und wir haben gemerkt, dass die Makkabi-Familie zusammenhält, egal, ob es die eigenen Mitglieder im Ortsverband sind oder ob es der Dachverband ist«, freut sich der Münchner.

zuwachs Ähnliche Erfahrungen hat TuS Maccabi Düsseldorf gemacht. Auch hier habe es keine vermehrten Austritte gegeben, obwohl etwa ein Vierteljahr lang das Training auf digitale Angebote begrenzt gewesen sei. Vorstandsvorsitzender Grigory Karzhynyerov sagt: »Der Verein wächst seit den vergangenen Jahren, und das hat sich auch jetzt nicht geändert. Die Leute wollen etwas machen, sie vermissen den Sport.«

In der coronabedingten Pause im Frühling wurden einzelne Gruppen über Skype live online unterrichtet, darunter die Akrobatikgruppen und das Eltern-Kind-Turnen. »Das war interessant«, sagt der Vorstandsvorsitzende rückblickend, der wie seine Mitglieder froh ist, dass mittlerweile alle Angebote des Ortsverbandes wieder regulär stattfinden können. Die Sporthalle in der hiesigen Grundschule ist geräumig und kann vom Verein ebenso genutzt werden wie die Halle am Albert-Einstein-Gymnasium.

Für den Vorstand, aber auch für die Spieler sei es wichtig gewesen, dass die Abteilungen, die in der Liga spielen, wieder an Wettbewerben teilnehmen können. »Das ist wichtig für die Stimmung der Spieler und motiviert«, betont Grigory Karzhynyerov. Angesichts der Hygienevorschriften und Sicherheitsvorkehrungen ergänzt er: »Alle haben Verständnis und unterstützen uns gerne.« Da muss dann eben zu Hause geduscht werden, die gemeinsamen Fahrten zu den Spielen müssen entzerrt werden und Begrüßungsrituale sollten unterbleiben.

seniorensport In kleineren Ortsverbänden wie Chemnitz, wo es derzeit 25 Mitglieder gibt, spielt der Ligabetrieb keine Rolle. Hier steht Seniorensport im Mittelpunkt: Fußball, Volleyball und Tennis. Alexander Lurie, Finanzvorstand von Makkabi Chemnitz, berichtet, dass Angebote unter bestimmten Begrenzungen wieder gut möglich sind. Masken auf den Wegen, Teilnehmererfassung, lieber im Freien als Drinnen trainieren.

»Wir kommen gut zurecht mit den Auflagen, und die Sportler nehmen sie weitestgehend gut auf, weil es ja notwendig ist.« Nach der langen Pause wieder anzufangen, sei für die älteren Mitglieder als Ausgleich und Freizeitbeschäftigung wichtig gewesen.

Der jüdische Turn- und Sportverband lebt vom Kontakt, vom gemeinsamen Sporttreiben.

Der jüdische Turn- und Sportverband lebt vom Kontakt, vom gemeinsamen Sporttreiben, vom Miteinander. Diese Maxime wollten die Verantwortlichen des Dachverbandes auch während des Corona-Lockdowns hochhalten. Das Internet sei dafür kein gleichwertiger Ersatz, aber es sei notwendig gewesen, um die Gemeinschaft zu binden und sich weiter sportlich zu betätigen, erinnert sich der Sportliche Leiter, Ariel Leibovici. »Wir mussten uns umorientieren, vom Sportplatz auf die Bildschirme.«

Die digitale Präsenz mit mehreren Folgen Online-Quiz für Jung und Alt sorgten für Zusammenhalt, ebenso wie einzelne Online-Kurse, verschiedene Live-Work-outs, aber auch Poker- und Backgammon-Turniere.

hygiene Die Zeit der digitalen Angebote ist vorbei. Der Dachverband unterstützt seine Ortsverbände derzeit mit einer groß angelegten, unter anderem von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) gesponserten Maskenaktion sowie weiterhin mit organisatorischen und strategischen Hilfemaßnahmen und Hygienekonzepten. Sportlehrgänge werden nun bis Ende des Jahres verstärkt angeboten, um die Ausfälle aufzufangen.

Mit dem Zusatz »Light« im Namen spielen die Veranstalter auf die geringere Teilnehmerzahl an, die derzeit nur möglich ist. Während sonst 400 Teilnehmer aus ganz Deutschland anreisen, finden jetzt Lehrgänge mit 100 Teilnehmern statt.

Ariel Leibovici blickt in die Zukunft: »Wir befinden uns gerade in der Sichtungsphase für die Maccabiah 2022 in Israel und die Makkabi Deutschland Games in Düsseldorf.« Um an die geeigneten Sportler zu kommen, müsse man Lehrgänge jetzt häufiger als sonst anbieten. Daher gebe es im Oktober noch einen zweiten und dritten Großlehrgang »Light«. »Wir versuchen, trotz der Beschränkungen allen eine Chance zu bieten, dabei sein zu können, auch aus den kleinen Ortsverbänden«, sagt Ariel Leibovici.

In den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Aktivitäten verstärkt nach drinnen verlegt werden müssen, werden wieder neue Herausforderungen auf die Makkabi-Ortsverbände zukommen.

TV-Tipp

»Robert Lembke - Wer bin ich?« -Doku-Drama über die TV-Legende

»Robert Lembke - Wer bin ich« ist ein kluger Film über Verdrängung, Volksbildung und das Schweigen einer TV-Legende über die eigene Vergangenheit

von Jan Lehr  01.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Bonn

»Es ist ein Bruch eingetreten.«

Rabbiner Andreas Nachama betonte, dass Jüdinnen und Juden immer weiter in eine »Defensivposition« gebracht würden. Eine Studientagung des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit lotete aus, wie es anders gehen könnte

von Leticia Witte  31.05.2026

Geburtstag

Mit exaktem Blick – Dagmar Nick zum 100. Geburtstag

Die Lyrikerin feierte in München mit einer Lesung ihren Jahrhundert-Geburtstag

von Michael Schleicher  30.05.2026

Zeitreise

Historische Frankfurter Judengasse wird virtuell erlebbar

In den Alltag von Jüdinnen und Juden im Jahr 1864 in Frankfurt am Main eintauchen, sich als Passant in der historischen Judengasse bewegen und mit Bewohnern sprechen: Das Jüdische Museum Frankfurt hat eine internetbasierte Zeitmaschine entwickelt

von Jens Bayer-Grimm  29.05.2026

Nordhausen

Ausstellung zeigt Lebensgeschichten von jüdischen Kindern

Im April 1945 befreite die Rote Armee bei Tröbitz 2.300 Häftlinge aus einem abgestellten Zug des »Verlorenen Transports«. Eine Ausstellung dokumentiert mit Fotos das Schicksal von acht überlebenden Kindern

 27.05.2026

Kommentar

Was hat Künstliche Intelligenz mit Antisemitismus zu tun?

Ein Zwischenruf von dem Holocaust-Überlebenden Roman Haller

von Roman Haller  27.05.2026

Berlin

Orden Pour le mérite begrüßt Wolf Biermann als neues Mitglied

Die Künstler- und Gelehrtenvereinigung Pour le mérite trifft sich am Wochenende in Berlin zu ihrer Jahrestagung. Dabei werden neue Mitglieder in den exklusiven Kreis aufgenommen

 26.05.2026