Hoffest

Sonne, Hummus, Unabhängigkeit

Die Arme ausgebreitet steht Gideon Joffe auf der Bühne. Mit seinem strahlenden Lachen sieht der Gemeindevorsitzende aus, als wolle er die ganze Welt umarmen, doch an diesem sonnigen Apriltag reicht auch Israel. »Masal tow«, ruft er den Besuchern zu, »65 Jahre Israel – wer hätte das gedacht!« Am vergangenen Sonntag feierte die Jüdische Gemeinde zu Berlin das 65-jährige Bestehen des jüdischen Staates. Mit dabei waren nicht nur Mitglieder der Gemeinde, sondern auch der israelische Militärattaché Eres Katz und Noah Klieger, Journalist und Zeitzeuge.

Dem Jom Haazmaut entsprechend, ist der Hof vor dem Gemeindezentrum in blau-weiß gehüllt. Luftballons mit der Aufschrift »Schalom« verzieren die Kinderwagen, die zwischen den Sitzbänken und Tischen stehen. Die Tische biegen sich unter Hummus, Falafel und selbst gemachter Limonade, gefolgt von frisch gebackenem Kuchen und Bergen von Wassermelonen.

Glückliches Land Die Grußworte von Eres Katz gehen allerdings im allgemeinen Tumult unter. Zu viele schreiende Kinder, zu viele lachende Eltern. Vorsitzender Joffe ergreift noch einmal das Wort: »Israel ist das glücklichste Land der Welt. Wer hätte gedacht, dass sich dieses Land so prächtig entwickelt? Chag sameach – bis 120.000!« Beifall brandet auf, bevor Joffe noch schnell auf den späteren Vortrag Noah Kliegers über die Anfänge Israels und das Schiff »Exodus« aufmerksam macht.

Bis es so weit ist, macht DJ Lev Musik: »Vor allem Klassiker bringen die Leute in Stimmung. Ob auf Hebräisch oder Jiddisch ist eigentlich egal, Hauptsache es erinnert an Heimat.« Und schon ertönt der Klassiker schlechthin – Hava Nagila. Passend dazu tanzen Frauen und Kinder in blau-weißen Kleidern, verwandeln sich Kindergesichter mit Schminke in Spidermen oder Schmetterlinge.

Tel Aviv Die älteren Gemeindemitglieder sitzen gemütlich auf den Bänken in der Sonne, das Treiben um sie herum scheint an ihnen abzuprallen. Und mittendrin: Noah Klieger. Der 87-Jährige hält regelmäßig Vorträge über die Schoa, aber auch über den Aufbau Israels. Klieger ist gebürtiger Straßburger, überlebte Auschwitz und organisierte die Überfahrt der »Exodus«. Seit 1947 lebt er in Tel Aviv, fragt man ihn warum, grinst er nur: »Warum nicht? Wissen Sie, was das Schönste an Jerusalem ist?« Seine Augen blicken neugierig: »Die Straße nach Tel Aviv!«

Als dienstältester Journalist verfasst er noch heute Artikel für die Tageszeitung »Yedioth Ahronoth«, vor allem über Sport, aber auch über Geschichte und Politik. In seine französische Heimat kehrt er noch oft zurück. Und er erzählt von seiner Lieblingskneipe – natürlich in Tel Aviv. »In den 70er-Jahren kamen viele Russen nach Israel. Einer von ihnen, Erik Raschkova, eröffnete eine Bar – Berjoska, das «Birklein».

Klieger lehnt sich zurück, die Hände über dem Bauch gefaltet. «Einen Abend war ich dort, mit meiner späteren Frau, und bekam furchtbare Bauchschmerzen. Also fragte ich den Kerl an der Theke, ob Wodka dagegen helfe. Es war Erik und der sagte natürlich nur: Wodka hilft gegen alles!» Klieger lacht, laut und herzlich, und macht sich auf den Weg zur Bühne – wieder ein Vortrag. Wieder eine Erinnerung.

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