Hilfe

Sie sollen es besser haben

Sie haben unter den Nazis gelitten, sind der deutschen Mordmaschinerie entkommen, haben in Israel eine neue Heimat gefunden – und müssen dort oft in bitterer Armut klarkommen. Vor allem russischsprachige Einwanderer aus der früheren Sowjetunion könnten meistens weder auf Rentenansprüche noch auf Entschädigungen für NS-Opfer zurückgreifen.

Ein Drittel der 200.000 Holocaust-Opfer käme im Alltag halbwegs über die Runden, aber etliche müssten auch in Armut und Einsamkeit leben, sagt Harald Eckert, Vorsitzender der »Initiative 27. Januar«, die zu einer Gedenk- und Benefizveranstaltung eingeladen hatte, zu der am Montagabend etwa 100 Interessierte in das Gemeindehaus an der Fasanenstraße kamen.

kooperationsprojekt Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die »Aktion Würde und Versöhnung – Deutschland hilft bedürftigen HolocaustÜberlebenden in Israel«. Dieses deutsch-israelische Kooperationsprojekt wurde 2012 von der Initiative 27. Januar gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen Hadassah, Keren Hayesod und Helping Hand Coalition begonnen, die unter anderem kranke und bedürftige Holocaust-Überlebende unterstützen. Die Organisationen stellten sich an diesem Abend vor.

Beispielsweise fördert Hadassah das rund 100 Jahre alte Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem, das nach eigenen Angaben mit rund 6000 Beschäftigten und 1800 Betten die größte Klinik der Region ist und ein besonderes Betreuungskonzept für Patienten entwickelt hat, die den NS-Terror überlebt haben. Die Helping Hands Coalition soll mit den kommunalen Sozialbehörden in Israel zusammenarbeiten und ambulante Hilfen für die Ärmsten der Überlebenden anbieten.

wohnraum Auch Keren Hayesod ist dabei. Diese Organisation wurde vor mehr als 90 Jahren gegründet und betreut nach eigenen Angaben unter anderem rund 50 Seniorenheime. Darüber hinaus stellt Keren Hayesod bedürftigen Schoa-Opfern Wohnraum zu günstigen Konditionen und niedrigen Mieten zur Verfügung.

Tova Adler, eine von ihnen, war aus Tel Aviv angereist, um von ihrer Deportation und ihren Erlebnissen zu erzählen. Sie stammt aus der Slowakei und wurde nach Auschwitz verschleppt. Heute lebt die 84-Jährige in einer Sozialwohnung, die von Keren Hayesod mit unterstützt wird. Außerdem wird sie von der Organisation umfangreich betreut.

Die Hilfsaktion sei auch eine Chance für Deutsche, sich aktiv an der Unterstützung Überlebender, an Versöhnungsarbeit und der deutsch-israelischen Verständigung zu beteiligen, betont Harald Eckert. Bis zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz 2015 soll deshalb an verschiedenen Gedenktagen regelmäßig auf die Lage der noch lebenden jüdischen NS-Opfer aufmerksam gemacht werden.

Interview

»Da kannst du noch so viele Bücher lesen ...«

Louis Pawellek über seine Arbeit mit Holocaust-Überlebenden, die Resonanz auf seine Videos im Netz und die Bereitschaft junger Menschen, die Thematik weiterzutragen

von Christine Schmitt  08.11.2026

Josef Schuster

EKD-Synode

Zentralratspräsident: 9. November mahnt zu Widerspruch

Antisemitische Witze, rassistische Sprüche – auch im Bekanntenkreis sollte das aus Sicht von Zentralratspräsident Schuster nicht unwidersprochen bleiben. Der Würzburger Bischof Jung sieht Kirchen in der Verantwortung

 08.11.2026

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

München

Erinnerung heißt Verantwortung übernehmen

Vertreter aus Politik und Gesellschaft diskutierten im Bayerischen Landtag zum Thema »Der neue alte Wahn – der moderne Judenhass«

von Esther Martel  08.11.2026

Porträt der Woche

Überlebt im Versteck

Ernst O. Krakenberger wurde als Kleinkind gerettet und war später Hopfenhändler

von Matthias Messmer  08.11.2026

München

Knobloch: »Bei der Eröffnung sind mir die Tränen heruntergelaufen«

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern spricht im Interview über die Eröffnung der Ohel-Jakob-Synagoge, den wachsenden Antisemitismus und dem Wahlsieg der Linken in Berlin

von Christiane Ried  06.11.2026

Bayern

Charlotte Knobloch wünscht sich Ilse Aigner als Bundespräsidentin

Die bayerische Landtagspräsidentin »lebt mit den Menschen, nicht über ihnen«, so Knobloch

 06.11.2026

München

Für Begegnung und Austausch

Die 40. Jüdischen Kulturtage wurden vergangene Woche mit einem großen Festakt im Cuvilliés-Theater eröffnet

von Luis Gruhler  05.11.2026

Auszeichnung

Grand Hospital Award für Waldkliniken Eisenberg

Mit einer eigenen Synagoge und einem besonderen Behandlungskonzept für jüdische Patientinnen und Patienten wurden die Waldkliniken Eisenberg bekannt. Nun erhalten sie die höchste Krankenhaus-Auszeichnung

 05.11.2026