Köln

»Russisch gehört zum Familienleben«

Frau Fischer, Sie sind Projektleiterin der Kulturakademie Kultur Le Kulam (KuKu) der Synagogen-Gemeinde Köln. Bisher wurden in der jüdischen Community überwiegend Deutschkurse für Zuwanderer aus den ehemaligen Ländern der Sowjetunion angeboten. Nun hat KuKu ein neues Programm gestartet und bietet Russisch für Kita- und Grundschulkinder an. Was hat Sie dazu bewogen?
Die Idee hat sich aus Gesprächen entwickelt. Vor einigen Jahren ist das Projekt KuKu ins Leben gerufen worden, bei dem es darum geht, ein Angebot aus Kursen für Kinder und Jugendliche aufzubauen. Dann stellte sich die Frage: Welche Kurse möchten wir für Kinder anbieten? Vor anderthalb Jahren habe ich die Projektleitung übernommen. Ich habe mich mit den Eltern unterhalten und bemerkt, dass viele ihre Kinder für Russischunterricht an russische Schulen schicken. Ich dachte, es wäre eine Hilfe und Unterstützung, wenn wir Russischkurse bei uns in der Gemeinde im Rahmen unserer Kulturakademie anbieten würden. Die Eltern waren von der Idee begeistert.

Wie viele Kinder sind dabei?
Mittlerweile sind es ungefähr zehn. In unserer Gemeinde gibt es montags immer einen Kurs für Kitakinder und einen für Grundschüler. Der Unterricht dauert jeweils 45 Minuten. Zusätzlich lernen die kleineren und größeren Kinder noch eine gemeinsame Viertelstunde zusammen, sodass alle miteinander und voneinander lernen.

Welche Familien nehmen das Angebot wahr?
Ganz unterschiedliche. Bei manchen sprechen beide Elternteile Russisch, bei anderen spricht nur ein Elternteil Russisch und das andere Deutsch, und bei manchen ist es eine israelisch-deutsch-russische Kombination. In jeder dieser Familien ist Russisch ein Thema und gehört zum Familienleben.

Was bedeutet den Familien die russische Sprache?
Es geht wirklich um den Erhalt der Sprache; die russische Muttersprache soll gefördert werden. Viele Familien sprechen im Alltag überwiegend Deutsch, daher soll Russisch bei den Kindern bewusst aktiviert und gepflegt werden.

Der Unterricht findet nachmittags nach Kita oder Schule statt. Wie wird er gestaltet?
Spielerisch, mit viel Bewegung und zahlreichen Spielen. Da es heterogene Lerngruppen mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen sind, arbeiten wir differenziert. Deshalb gibt es die gemeinsame Viertelstunde, in der fortgeschrittene Kinder Anfänger unterstützen und dabei ihr eigenes Wissen festigen. Der Schwerpunkt liegt auf der mündlichen Sprachkompetenz. Gemeinsam werden Bilder beschrieben, Geschichten erzählt und neue Wörter gelernt. Diese werden dann aktiv in Gesprächen und Übungen angewendet. Auch das russische Alphabet wird spielerisch vermittelt. Die Alphabet-Spiele sind bei den Kindern besonders beliebt. Dabei handelt es sich um umgewandelte Bingo-Spiele. Insgesamt steht die Freude an der Sprache und am Lernen im Mittelpunkt.

Sprechen alle Kinder zu Hause ein bisschen Russisch?
Die meisten. Aber es gibt zum Beispiel auch ein Mädchen, bei dem Russisch überhaupt nicht gesprochen wird. Unsere Lehrerin Galina betont immer wieder: »Wir sprechen hier Russisch, bitte sei geduldig und lass dich darauf ein.« Und das klappt ganz gut.

Wie groß ist die Nachfrage nach diesen Kursen?
Wir schauen jetzt, ob nach den Sommerferien noch der eine oder andere hinzukommt. Man muss dazu sagen, dass die Belegung von fünf Teilnehmern pro Kurs den anderen Kursen der Kulturakademie entspricht. Wir haben in den verschiedenen Gruppen, etwa in Ballett und Kunst, bis zu acht oder neun Kinder. Insofern ist das eine ganz normale Gruppengröße.

Werden nach den Sommerferien weitere Russischkurse angeboten?
Nein. Wir werden wahrscheinlich die Struktur etwas ändern und die Kinder nicht mehr nach Alter, sondern nach Kenntnissen in Anfänger- und Fortgeschrittenengruppen aufteilen. Falls die Nachfrage nach einem Kita-Kurs weiterbestehen sollte, bleibt dieser im Angebot. Aber wir erwägen auch, einen Hebräischkurs in unser Programm aufzunehmen.

Sind Sie zufrieden damit, wie die Kurse angenommen wurden?
Wenn wir fünf oder sechs Kinder pro Gruppe haben, dann ist das schon eine gute Gruppengröße, mit der sich prima arbeiten lässt. Es ist auf jeden Fall eine gute Sache. Mit Galina Malyavina, Gemeindemitglied und Mutter von drei Kindern, haben wir zudem eine sehr qualifizierte Pädagogin. Sie kennt die Familien sowie ihre Wünsche und Vorstellungen und konnte ein vertrautes Miteinander zwischen den Eltern und sich aufbauen. Zusätzlich bringt sie auch jüdisches Hintergrundwissen mit, das ebenfalls Teil des Programms ist. Insofern sind diese Kurse für uns alle ein Gewinn.

Mit der Projektleiterin sprach Christine Schmitt.

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