Berlin

Protest im Plenum

Pro-jüdische Botschaften an der TU Berlin Foto: Jan Feldmann

»We fight antisemitism, AStA does not«, steht auf dem lila Transparent. Groß hängt es im AStA-Plenum der Technischen Universität Berlin, und seine Botschaft ist eindeutig. Aufgehängt haben es jüdische Studierende – aus Sorge, aus Frustration. Vor allem aber aus Selbstschutz. Bis vergangenen Freitag hielten die Studierenden das Plenum besetzt. Niemand von ihnen möchte namentlich genannt werden, denn die Angst vor Anfeindungen ist groß. »Wir sind verunsichert, aber wir bleiben«, sagt einer der Studierenden. Noch in der ersten Nacht versuchten Unbekannte, das Transparent abzureißen. In der zweiten Nacht flogen Farbbeutel, am dritten Tag stiegen Personen mit einer Leiter auf das Fensterbrett und rissen ein zweites Banner herunter – jenes, auf dem »Davidstern statt Hamas-Dreieck« zu lesen war.

Die Angriffe gingen weiter; besonders belastend für die Studierenden war ein Vorfall am 13. November, als mehrere Menschen – teilweise in Kufija – zwei Stunden vom Flur und Druckerraum des AStA aus die Besetzer beobachteten und abwertende Kommentare machten. »Wir haben uns nicht mehr getraut, den Raum zu verlassen«, sagt einer der Studierenden. Später sahen sie, dass die Eindringlinge »Free Palestine«, »Glory to Hamas« und »Death to Israel!!!« an die Wand geschmiert hatten.
Auslöser für die friedliche Besetzung des AStA-Plenums durch die Studierenden war die Wahl zum 45. Studierendenparlament am 28. Oktober. In die neuen Wahllisten waren Gruppen und Personen aufgenommen, die »antisemitische Tendenzen« vertreten und bereits früher durch die Verharmlosung der Terrororganisation Hamas oder antijüdische Vorfälle aufgefallen seien. Die Sitzung selbst, so erzählen die Studierenden, sei in einem »antidemokratischen Klima« verlaufen. Junge Jüdinnen und Juden, die ihre Sorgen äußerten, wurden »ausgelacht«. Das Ziel der Aktivisten ist klar formuliert: »Wir wollen einen Raum schaffen, in dem jüdische, israelische und antisemitismuskritische Studis sich überhaupt wieder wohlfühlen können.«

Einen Ort, den es so an Berliner Hochschulen kaum mehr gebe. Viele Studierende hätten sich in den vergangenen Jahren zurückgezogen, aus Angst, aus Erschöpfung – oder weil sie alleingelassen wurden. Eine Studentin schildert, wie sie in einem Seminar wegen ihres jüdischen Namens angefeindet worden sei. Bei der AStA-Sitzung sei sie ausgelacht worden. »Es ist nicht nur Antizionismus – es sind Hakenkreuze auf Toiletten, Geschichten, die erfunden werden, und ein Klima, in dem wir uns gar nicht mehr sicher fühlen.« Die Studierenden fordern mit ihrer Aktion die Unileitung dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Sie setzen sich für eine Ablösung des Antisemitismusbeauftragten ein. Diese Stelle solle eine Person innehaben, »die von jüdischen Organisationen befürwortet wird«, die antisemitische Vorfälle klar benenne und präventive Bildungsarbeit leiste.

Was möchten die Besetzenden ihnen mitgeben? »Es ist verständlich, wenn man keine Kraft hat«, sagt ein Aktivist. »Aber sich zusammenzutun, Räume zu schaffen, sichtbar zu werden – das gibt Mut.«

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