Israel-Tag

Party zum Siebzigsten

Um den runden Geburtstag Israels zu feiern, ist der alljährlich stattfindende Israel-Tag – wie auch vor zehn Jahren schon – von seinem Stammplatz neben dem KaDeWe vor das Konzerthaus am Gendarmenmarkt in der Mitte Berlins umgezogen.

Nach den Begrüßungsansprachen des Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, und des israelischen Botschafters Jeremy Issacharoff spielt Bandleader Boris Rosenthal in kleiner Besetzung auf – als musikalische Einstimmung für die Party zu Israels Siebzigstem.

Im Pressezelt steht zeitgleich ein weniger erfreuliches Thema auf dem Programm: »Antisemitismus in Berlin – was ändert sich?« Der Restaurantbesitzer Yorai Feinberg spricht darüber mit Angelika Schöttler, der Bezirksbürgermeisterin von Tempelhof-Schöneberg. Neu ist allerdings weniger der Antisemitismus, als vielmehr dass die Judenhasser heute, wie in seinem Fall geschehen, mit Handykameras aufgenommen und die Aufnahmen im Netz verbreitet werden können.

austausch Im Vorfeld der Party hatte Polizeidirektor René Behrendt mit seinen Kollegen sämtliche denkbaren Terrorszenarien durchgespielt – auch den schlimmsten anzunehmenden Fall: dass jemand versuchen würde, mit einem Kraftfahrzeug in die Veranstaltung zu rasen. Er ließ die Mannschaftswagen. mit denen rund 100 Beamte herangebracht wurden, so hintereinander aufstellen, dass ein solcher Anschlag unmöglich sein würde.

Für Einsatzleiter Behrendt hat diese Party eine ganz besondere emotionale Bedeutung. Begeistert erzählt er, dass er noch vor zehn Tagen mit 39 Polizeikollegen in jenem »wunderbaren Land« Israel gewesen sei. Eine evangelische Pastorin habe diese Reise organisiert; ein Höhepunkt sei das Treffen mit israelischen Kollegen gewesen. Schon im Herbst wolle er Israel erneut besuchen, diesmal mit seiner Frau.

Beeindruckt habe ihn auch das weitgehend friedliche Zusammenleben arabischer und jüdischer Israelis. Am Stand des »Freundeskreises Givat Haviva« ist man indes der Meinung, dass da noch einiges verbessert werden könnte. Seit Jahrzehnten leistet Givat Haviva in Israel eine Menge Arbeit – unter anderem im Bereich der Bildung und als neuestes Projekt das »Radio for Peace«.

Quasi als Sinnbild einer guten jüdisch-arabischen Beziehung verabschieden sich wenige Meter entfernt Israels Botschafter Jeremy Issacharoff und Sawsan Chebli mit Wangenküsschen. Auf Nachfrage der Jüdischen Allgemeinen sagt die Berliner Staatssekretärin mit palästinensischen Wurzeln: »Wir haben nicht nur auf diplomatischer Ebene einiges miteinander zu tun, sondern auch ein sehr enges und freundschaftliches Verhältnis.«

infostände Fast könnte man annehmen, die an Infoständen präsenten Organisationen hätten dem israelfreundlichen Publikum nichts Neues zu bieten. Das ändert sich im Gespräch schnell. Der Politikwissenschaftler Jörg Rensmann berichtet stolz davon, dass es seiner Organisation – dem Mideast Freedom Forum Berlin – gelungen sei, den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages für die judenfeindlichen Schulbuchinhalte in den palästinensischen Gebieten zu sensibilisieren. Man erwarte, dass man genauer hinsieht, welche europäischen Gelder dorthin fließen. Unter lautem Jubel fordert der grüne Ex-Bundestagsabgeordnete Volker Beck auf der Bühne genau dasselbe.

Am Stand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit steht Norbert Kopp, der bis vor anderthalb Jahren der CDU-Bezirksbürgermeister von Steglitz-Zehlendorf war und nun hier Schatzmeister ist. Möglicherweise haben frühere politische Beziehungen eine Rolle gespielt, als das Abgeordnetenhaus die Finanzmittel zum ersten Mal seit 30 Jahren deutlich aufgestockt hat.

Die jüdische Vorsitzende Jael Botsch-Fitterling bringt den Zweck ihrer gemeinsamen Organisation aus ihrer Sicht auf den Punkt: »Wir leben in der christlichen Mehrheitsgesellschaft, und deshalb müssen wir auch wissen, wo für Christen die empfindlichen Stellen sind und wo man mit ihnen diskutieren kann, soll und muss.«

kultur Das große Interesse der Besucher gilt dem, was derweil auf der Bühne stattfindet. Schließlich ist es ja eine Party. Avi Palvari veranstaltet dort einen Crashkurs für israelische Tänze, wobei auffällt, dass weitaus mehr Frauen als Männer sich trauen, daran teilzunehmen. Jossif Gofenberg tritt mit seinem Chor auf, und schon beim Eröffnungssong »Osseh Schalom« singen viele mit.

Der kulturelle Höhepunkt ist ganz sicher der gemeinsame Auftritt von Sharon Brauner und Karsten Troyke, deren temperamentvolle jiddische Liedinterpretationen die Besucher begeisterten. Musikalische Unterstützung hatten sie von dem Geiger Daniel Weltlinger und dem einfühlsamen Harry Ermer am Klavier. Mancher Besucher mag sich fragen, warum unweit der Bühne, am Stand des Deutsch-Jüdischen Theaters, zwei Sängerinnen im Bühnen-Outfit für ihre Show mit Songs der legendären »Barry Sisters« werben, anstatt einige Kostproben daraus live zu präsentieren.

Zum Ende des Israel-Tages wird wie üblich die israelische Nationalhymne, die Hatikwa, angestimmt. Es ist Freitagabend, 19 Uhr. Die säkularen Besucher bleiben unter sich. Praktizierende jüdische Gäste haben sich zu diesem Zeitpunkt längst in ihre Synagogen begeben.

Erfurt

Jüdisch-Israelische Kulturtage in Thüringen eröffnet

Die diesjährigen Jüdisch-Israelischen Kulturtage bringen israelische Kultur nach Thüringen und setzen mit Konzerten, Lesungen und Debatten ein Zeichen gegen Antisemitismus. Die Eröffnung stand im Zeichen der aktuellen Kämpfe im Nahen Osten

 06.03.2026

Forschungsprojekt

Hochschule für Jüdische Studien will Schüler handlungsfähig machen

Antisemitischer Hass ist im Netz allgegenwärtig. Ein neues Projekt erforscht jetzt linken Judenhass - und befähigt Schüler, der Hetze entgegenzutreten. Entscheidend dabei: Medienkompetenz und historisches Wissen

von Volker Hasenauer  06.03.2026

Hamburg

Jüdische Zukunft an der Elbe

Debattieren, begegnen und einander stärken: Mehr als 400 junge Erwachsene setzten beim Jugendkongress ein Zeichen

von Joshua Schultheis, Mascha Malburg, Moritz Piehler  05.03.2026

Berlin

Jüdisches Krankenhaus sucht weiter nach neuem Träger

Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin soll zunächst weiter in Eigenverwaltung saniert werden. Der Krankenhausbetrieb wird in dieser Zeit in vollem Umfang aufrechterhalten

 05.03.2026

Reaktionen

Zwischen Sorge und Hoffnung

Jüdinnen und Juden mit iranischen Wurzeln verfolgen intensiv die Nachrichten – sie bangen mit den Israelis und hoffen, eines Tages wieder in den Iran reisen zu können. Wir haben uns umgehört

von Katrin Richter, Christine Schmitt  04.03.2026

Thüringen

Doppelkonzert eröffnet Jüdisch-Israelische Kulturtage

Nach stornierten Flügen gelingt dem israelischen Sharon-Mansur-Trio aus Haifa doch noch die Anreise nach Deutschland. Jetzt starten die Jüdisch-Israelischen Kulturtage Thüringen gemeinsam mit israelischen und iranischen Künstlern

 04.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

München

Verbunden aus Überzeugung

Die IKG ehrte Personen, die sich für die jüdische Gemeinschaft einsetzen

von Esther Martel  04.03.2026

Bedrohung

»Abstrakte Gefährdungslage«

Wegen des Kriegs im Nahen Osten sind die jüdischen Gemeinden in Deutschland alarmiert. Zugleich geht der Zentralrat davon aus, dass der Kampf gegen die Mullahs langfristig Sicherheit schafft

von Helmut Kuhn  04.03.2026