Auftakt

Schutzversprechen für die jüdische Gemeinschaft

Hielt die Festrede: Oberstaatsanwalt Andreas Franck Foto: Stefan Loeber

Der vorvergangene Sonntag hatte es in München in sich. Während manche noch in die Wahllokale eilten, um ihre Stimme für das Amt des Oberbürgermeisters, des Stadtrates und der Bezirksausschüsse abzugeben, fand im Saal des Alten Rathauses die Auftaktveranstaltung zur »Woche der Brüderlichkeit« 2026 statt. Während die Dämmerung langsam heraufzog, überlagerten Sprechchöre und Trötentöne vom Internationalen Frauentag am Marienplatz beinahe den Redebeitrag des Festredners, Oberstaatsanwalt Andreas Franck.

Die Organisatoren von der lokalen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit (GcjZ) hatten mit Blick auf das Jahresmotto »Schulter an Schulter miteinander« für dieses Jahr so sorgsam vorgeplant, dass die diesjährige Veranstaltung zu den bisher besten zählt, befanden nicht nur Ehrengäste wie IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch. Langer und ausdrücklicher Applaus wurde den zehn- bis vierzehnjährigen Mädchen und Jungen aus zwei Kirchengemeinden und der Konfessionsschule am Anger zuteil, die mit ihrem Vortrag hebräischer Lieder und Psalmen – unter Leitung von Peter F. Schneider – den voll besetzten Saal begeisterten.

Herausfordernde Gegenwart, »geprägt von Unsicherheit, von Gewalt und von einer spürbaren Verrohung der Sprache«

Auch die Wahl eines ranghohen Juristen wie Andreas Franck, der zusätzlich seit Oktober 2021 das neu geschaffene Amt des Zentralen Antisemitismusbeauftragten der Bayerischen Justiz wahrnimmt, als Festredner war eine weitsichtige Entscheidung.

Nach ihrer Begrüßung einer Vielzahl prominenter Gäste aus Politik, Justiz, Bildung, Kultur, Zivilgesellschaft und der in München maßgeblichen Religionsgemeinschaften brachte es Celeste Schüler, jüdisches Vorstandsmitglied der GcjZ, in ihrem einführenden Statement auf den Punkt: Die 1948 als erste in der Nachkriegszeit gegründete und bis heute bestehende Gesellschaft verdanke die Zusammenarbeit »Menschen, die bereit waren, Spannungen im Dialog auszutragen, zuzuhören und dranzubleiben – auch dort, wo es schwierig war«. Schüler sprach ferner von einer herausfordernden Gegenwart, »geprägt von Unsicherheit, von Gewalt und von einer spürbaren Verrohung der Sprache«.

Schutzversprechen des Freistaates für seine jüdischen Bürger bekräftigt

Auch ihre Vorstandskollegen, der evangelische Vorsitzende Reiner Schübel und der Katholik Andreas Renz, sehen im Jahresmotiv »Schulter an Schulter« einen »Ausdruck der Hoffnung, des Mutes, der Geschwisterlichkeit in einer gefährlichen Zeit«. Insofern war schon der zweite Redebeitrag, das Grußwort des Stadtrats Winfried Kaum in der Vertretung der Stadtspitze, bemerkenswert. Er bekräftigte das Schutzversprechen des Freistaates für seine jüdischen Bürger, mehr noch forderte er einen Zusammenhalt der Mandatsträger der verschiedenen Parteien, um antidemokratischen und antijüdischen Kräften gemeinsam entgegenzutreten.

Oberstaatsanwalt Andreas Franck war es spürbar ein Anliegen, »den Kampf gegen judenfeindliche Straftaten noch sichtbarer zu machen«, vor allem angesichts der Beobachtung, dass sich die Anzahl antisemitischer Straftaten in den letzten Jahren mehr als verdreifacht habe und die Verursacher aus allen politischen Richtungen, links, rechts, islamistisch und allen Alters- und Berufsgruppen kämen. »Schulter an Schulter« versteht Franck, bezogen auf seinen Wirkungskreis, als Schutzverpflichtung der Justiz aus dem Grundgesetz heraus. ikg

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