Essay

Nie war ich Israel so nah - und noch nie war ich so stark wie jetzt

Yael Loutati

Essay

Nie war ich Israel so nah - und noch nie war ich so stark wie jetzt

Was macht der Krieg gegen Israel mit uns Juden? Eine persönliche Betrachtung

von Yael Loutati  16.10.2023 12:59 Uhr

Ich stand Israel immer eher kritisch gegenüber. Oder besser: Auf politische Diskussionen ließ ich mich nie ein, weil ich einfach zu wenig über die Geschichte des Nahostkonflikts wusste. Ich konnte auf emotionaler Ebene den Wunsch der Palästinenser nach einer Heimat nachvollziehen. So empfand ich etwa bis Anfang der 2000er-Jahre.

Ich glaube, ich habe mich in jungen Jahren meinem Glauben zugewandt, weil ich auch auf der Suche nach meiner Identität war. Ich bin keine Israelin, aber jüdisch. Und ich werde fuchsteufelswild, wenn jemand mich aufgrund meines Jüdisch-Seins zur Israeli macht.

Ich lege Wert darauf, in meiner jüdischen Identität anerkannt zu werden. Das »jüdische Gen« habe ich immer als Vorurteil abgetan, sind wir Juden doch kulturell so unterschiedlich. Es gibt Juden aus aller Herren Länder. Wir unterscheiden uns in unseren Bräuchen, Essen, Sprachen, Aussehen und oft auch Werten.

Dieser Tage hat sich in mir etwas verändert. Ist das das jüdische Gen? Der Nationalstolz, der ins Unermessliche gewachsen ist?

Ich fühle mich dieser Tage meiner Nation und dem Land Israel mehr verbunden denn je. Der Schock sitzt tief. Meine Seele ist verletzt. Mein Herz weint und in manchen Momenten auch mein Auge.

Und trotzdem fühle ich mich als Jüdin stärker als je zuvor. Es rührt mich, wie Juden aus der ganzen Welt zusammen stehen. Ich fühle mich nicht (mehr) als Minderheit, sondern erkenne dieser Tage mehr denn je, dass ich Teil eines großen Ganzen bin.

Ich denke nach, ob diese Verbundenheit einen kausalen Zusammenhang zur jahrhundertlangen Verfolgung hat. Vielleicht haben wir es unseren Feinden, unserer Geschichte zu »verdanken«, dass wir von Krise zu Krise stärker werden.

Mich erschüttert, dass die Welt nicht erkennt, mit wem Israel es hier zu tun hat. Israel, geografisch von arabischen Ländern umzingelt, kämpft gegen eine neue Form des Islamischen Staates. Eine terroristische Vereinigung, deren einziges Ziel es ist, einen Gottesstaat zu errichten und die »Ungläubigen«, insbesondere die Juden, auszulöschen. Nicht mit einem Schuss in den Kopf, sondern mit noch qualvollerer Grausamkeit.

Am 7. Oktober wurden Kinder und Erwachsene enthauptet, Frauen vergewaltigt und anschließend einer applaudierenden Menschenmasse vorgeführt. Einer schwangeren Frau wurde der Fötus aus dem Bauch geschnitten. Er verstarb noch an der Nabelschnur neben seiner Mutter. Dies sind nur einige Beispiele, die sich seit Samstag zugetragen haben.

Gaza ist schon seit Jahren autonom. Gaza ist kein besetzes Gebiet.

Trotz dieses Umstand haben die Palästinenser es nicht geschafft, ihrem Land Wohlstand und Freiheit zu bringen. Das ist nicht die Schuld Israels. Ebenso ist es nicht die Schuld Israels, dass niemand die zur Flucht aufgerufenen Palästinenser nehmen will. Alle Länder öffnen Millionen von Flüchtlingen jährlich weltweit ihre Türen. Die Palästinenser will keiner haben.

Jährlich erhalten die Palästinenser von der Bundesrepublik Gelder in dreistelliger Millionenhöhe. Was passiert eigentlich mit dem Geld?

Ich bin erschrocken darüber, wie weit verbreitet der Judenhass unter Arabern und vielen Muslimen noch tatsächlich ist.

Warum ich das hier schreibe, weiß ich nicht. Ich hoffe, damit Menschen zu erreichen, die fühlen wie ich, die es nicht formulieren können und sich jetzt hier wiederfinden.

Ich schließe mit »Am Israel Chai« und »Ich bin Jude und ich bin stolz und ich singe es heraus, denn die Tora wird niemals untergehn«.

Und: Umso mehr man uns hasst, umso mehr werden wir uns lieben.

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