Magdeburg

Neuer Staatsvertrag für jüdische Gemeinden in Sachsen-Anhalt

Ministerpräsident Haseloff und die Vertreter der Jüdischen Gemeinden unterzeichneten den Vertrag zwischen dem Land Sachsen-Anhalt und der Jüdischen Gemeinschaft des Landes. Foto: picture alliance/dpa

Sachsen-Anhalt will jüdisches Leben im Bundesland weiter bewahren und fördern. Das sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei der Unterzeichnung des neuen Staatsvertrags mit der jüdischen Gemeinschaft in Sachsen-Anhalt am Freitag in Magdeburg.

So sollen die Zuwendungen des Landes von aktuell rund zwei Millionen Euro ab 2027 um etwa zehn Prozent erhöht werden. Der Ministerpräsident betonte: »Wir müssen als Gesellschaft und als Land eine Resilienz gegen antisemitische Tendenzen zeigen.«

Fester Bestandteil des neuen Vertrags wurden zudem der Ansprechpartner für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus innerhalb der Staatskanzlei und der 2022 ins Leben gerufene Beirat für jüdisches Leben in Sachsen-Anhalt. Zugleich sei die Vertragslaufzeit von fünf auf zehn Jahre verlängert worden, sagte Haseloff. Der neue Vertrag habe bundesweit Vorbildcharakter, lobten die Vertreter der jüdischen Gemeinden bei der Unterzeichnung.

Fester Teil der Gesellschaft

Der Landesverband der jüdischen Gemeinden verpflichtet sich im neuen Staatsvertrag dazu, »alle zur jüdischen Gemeinschaft gehörenden Kultusgemeinden« zu beteiligen und ihnen den Zugang zu den Fördermitteln des Landes zu ermöglichen. Hier hatte es in früheren Jahren einige Streitfälle gegeben.

Die Vorsitzende des Landesverbandes, Inessa Myslitska, dankte der Landesregierung für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und für die Sicherheit, die Sachsen-Anhalt den Gemeinden und Synagogen gewähre.

Sie betonte, Jüdinnen und Juden seien fester Bestandteil der Gesellschaft im Land und nicht nur Gäste. Dem entspreche auch das Engagement beispielsweise in der deutsch-israelischen Städtepartnerschaft von Magdeburg mit Kiryat Motzkin bei Haifa. »Die jüdischen Gemeinden wollen sich integrieren und in die Stadtgesellschaft einbringen«, betonte sie - auch durch ein vielfältiges Programm bei den Jüdischen Kulturtagen.

Vier jüdische Gemeinden

»Unsere Häuser sind offen«, sagte die Vorsitzende des jüdischen Landesverbandes. Allein in der neuen Magdeburger Synagoge seien dieses Jahr rund 5.000 Besucher gewesen, darunter viele Schülergruppen. Ziel sei, »Vorurteile abzubauen und gemeinsam gegen Antisemitismus zu kämpfen«.

Neben dem Landesverband gibt es in Sachsen-Anhalt vier anerkannte jüdische Gemeinden mit etwa 1.000 Mitgliedern: die Synagogen-Gemeinde und die liberale Jüdische Gemeinde in Magdeburg sowie je eine Gemeinde in Halle an der Saale und Dessau-Roßlau.

»Unsere Synagogen sind nicht nur Gebetsorte, sondern auch Stätten der Begegnung«, sagte Myslitska. Dies sei auch bei den Tagen der jüdischen Kultur sehr deutlich, deren Programm 2026 noch einmal erweitert werden solle, sagte der Antisemitismusbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Schneiß: »Damit wollen wir jüdisches Leben wieder sichtbarer machen.«

Für den Themenbereich baulich-technische Maßnahmen und Sicherheit einschließlich Schutz von Synagogen und Räumen der jüdischen Gemeinschaft war im Sommer 2025 ein separater Sicherheitsstaatsvertrag vereinbart worden. Auch darin wurde für die Zukunft eine Erhöhung der Förderungen beschlossen. epd

Reform

Hilfe im Alltag

Familien mit behinderten Kindern sorgen sich, dass ausgerechnet die Unterstützung gekürzt wird, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht

von Christine Schmitt  05.08.2026

Erfurt

Schicht um Schicht

Dort, wo eben noch Parkplätze waren, wird seit wenigen Tagen nach einem Stück jüdischer Geschichte gegraben. Erst mit dem Bagger, dann von Hand

von Katrin Richter  05.08.2026

Geschichte

Bedrohlich aktuell

Ein Forschungsprojekt von NS-Dokuzentrum und Lenbachhaus untersucht, wie völkische Gedanken vor dem Ersten Weltkrieg wirkten

von Luis Gruhler  05.08.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 6. August bis zum 13. August

 05.08.2026

Hamburg

Ruine mit Herz

Einst das Zuhause des Reformjudentums, stand der Israelitische Tempel kurz vor dem Verfall. Eine Bürgerinitiative und die Stadt wollen den historischen Ort nun neu beleben. Ein Besuch im Hinterhof

von Heike Linde-Lembke  02.08.2026

Geschichte

Die Pension in Mumbai

Ellie und Max Lesser aus Dresden waren zwei von vielen sächsischen Juden, die vor den Nazis Sicherheit in Indien suchten. Deren tragische Geschichte recherchierte nun die Journalistin Iris Völlnagel

von Thyra Veyder-Malberg  02.08.2026

Programm

Kultursommer, Führungen und Einstein vs. Hawking: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 31. Juli bis zum 6. August

 02.08.2026

Porträt der Woche

Mehr als ein Beruf

Valerie Vorkul ist Sozialarbeiterin – und jüdischer, als sie lange Zeit annahm

von Leon Stork  02.08.2026

Bundeswehr

Anerkennung für eine Zeitzeugin

Verteidigungsminister Boris Pistorius würdigte IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch mit dem Ehrenkreuz

von Luis Gruhler  01.08.2026